Handel lehnt geplantes Bargeld-Limit von 5.000 Euro ab

Wird derzeit geprüft: Abschaffung der 500 Euro Note. (Foto: ©vege/Fotolia.com)
 
Auf- und abrunden an der Supermarktkasse: Werden die Cent Stücke zu häufig gehortet statt ausgegeben? (Foto: ©unpict/Fotolia.com)
NÜRNBERG (nf) - Die Vorstellungen der Bundesregierung innerhalb der Europäischen Union eine Bargeld-Obergrenze einzuführen, um unter anderem Geldtransfers zwischen Terroristen zu erschweren, werden vom Handel entschieden abgelehnt.

Mit einer solchen Regelung wären insbesondere vor allem der Möbelhandel, Verkäufer von Uhren und Schmuck sowie das Luxus- oder Premiumsegment betroffen. Die Zielsetzungen, so der Bezirksgeschäftsführer des mittelfränkischen Handelsverbandes, Uwe H. Werner, würden mit dem Limit nicht erreicht, denn professionelle Geldwäscher geben sich mit solchen Summen nicht ab. Außerdem stünden andere Währungsräume alternativ zur Verfügung. Weiterhin sind nach dem Geldwäschegesetz bereits jetzt die Händler verpflichtet ab 15.000 Euro Kaufpreis den Kunden zu identifizieren und den Vorgang entsprechend aufzuzeichnen. Stattdessen bekämen Kunde und Handel einen Hemmschuh auferlegt, da über 50 Prozent aller Geschäfte in Deutschland bar abgewickelt werden.
Wie beispielsweise Überraschungsgeschenke für den Ehepartner, auf die oft jahrelang heimlich gespart wurde. Sie würden unmöglich gemacht und auch der Preis des Geschenkes durch die Bankbelege oder Kreditkartenabrechnungen offenbart. Uwe H. Werner: „Der Staat sollte sich nicht einmischen, wie der Handel mit seinen Kunden abrechnet. Schließlich ist in Deutschland Bares immer noch Wahres “.

Fakten rund ums Thema Bezahlen und Bargeld

IBAN
Ziel der IBAN ist die vereinfachte Abwicklung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs, da durch die IBAN in jedem Land auf die gleiche Weise das Konto, die Bank und das Land eines Zahlungsempfängers ermittelt werden können.

Bei der IBAN handelt es sich um eine weltweit gültige Nummer für das Girokonto. Im Rahmen der Einführung des SEPA-Systems für Überweisungen löst sie seit 2008 Zug um Zug die Kontonummer und Bankleitzahl ab. Die IBAN ist eine von der ISO (International Organization for Standardization) und dem ECBS (European Committee for Banking Standards) entwickelte Norm für die Darstellung von Bankidentifikation und Kontonummer.
Seit 1. Februar 2016 ist die Verwendung der IBAN Pflicht für alle.

500 Euro Schein abschaffen

Die EZB (Europäische Zentralbank) prüft derzeit, ob die 500 Euro Note abgeschafft wird. Eine Entscheidung müsste der EZB-Rat treffen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich in einem Bericht der FAZ skeptisch gezeigt, ob durch diese Bargeldeinränkung tatsächlich Kriminalität bekämpft werden könne.

Obergrenzen bei Barzahlung

Obergrenzen in Deutschland? Doch, es gibt Pläne. Diese betreffen allerdings die Höhe der Barzahlungen. Im Bundesfinanzauschuss der Unionsfraktion wurde die Obergrenze für Barzahlungen (5.000 Euro) kürzlich als nicht zu rechtfertigender Eingriff in die Handlungsfreiheit der Bürger gewertet. In Frankreich, Italien und Spanien gibt es diese Obergrenzen (in unterschiedlichen Ausprägungen) bereits. Es werden aber vermehrt Vermutungen laut, dass dieses Vorhaben mit der europäischen Bankenkrise in Zusammenhang stehen könnte.

Abschaffung der Cent Münzen

Nach Umfragen sprach sich aktuell eine knappe Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dafür aus, die kleinen Geldstücke aus dem Verkehr zu ziehen. Nach Zahlen der EZB hat sich der Umlauf seit der Euro Einführung (2002) aber verfünffacht (1 Cent) beziehungseise vervierfacht (2 Cent). Zum Einkaufen würden die Centstücke weniger genutzt - eher in Geldbeuteln oder Sammelbüchsen gehortet. Deshalb müsse die Zentralbank ständig neue Münzen prägen und die Produktion eines Centstückes koste 1,6 Cent.
Im Zuge der Diskussion spricht man jetzt über Ab- und Aufrundungsregeln. Auch das lehnt der deutsche Einzelhandel ab. Für den Handel sind die kleinen Münzen wichtig für die Preisdifferenzierung, wie es heißt. 3,99 Euro klingt halt immer noch besser als 4 Euro. Die Auf- und Abrundungsregel wurde bereits in den Niederlanden, Finnland, Irland und Belgien eingeführt (ohne Pflicht).

Salamitaktik, Zeitungsente oder Verschwörungstheorie?

In Zukunft also ganz weg mit dem Bargeld? Die Gerüchteküche kocht. Noch wird von der Politik dementiert. Vermehrt treten aber Volkswirte, Wirtschaftsexperten und Zentralbanken an die Öffentlichkeit und wollen das Bargeld abgeschafft sehen. Korruption, Schwarzarbeit und Drogenhandel könnten so noch besser bekämpft werden. Außerdem sei mit Bargeld bezahlen mittlerweile antiquiert. Natürlich ließe sich mit diesen Eingreifen auch ein eventueller Bank Run vermeiden. Hat die EU-Kommision schon Pläne parat, den Bargeldverkehr in der EU komplett zu verbieten? Im September 2015 stellte die EU-Kommision klar, es sei keine Bargeldabschaffung geplant. Das EU-Parlament wäre dagegen (Othmar Karas, MEP).

Lesen Sie auch MarktSpiegel ,,Thema der Woche“ vom 27. Mai 2015 mit zahlreichen Kommentaren:

http://www.marktspiegel.de/nuernberg/lokales/nimmt...
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