Symposium beschäftigte sich mit dem Wandel der Medienlandschaft

Hochkarätig besetzt: die Teilnehmerrunde der Podiumsdiskussion mit BR-Franken-Chefin Dr. Kathrin Degmair und Michael Husarek, Chefredakteur Nürnberger Nachrichten (Mitte). (Foto: tom)
 
Georg Graf von Matuschka, EMN Forum Kultur. (Foto: tom)

NÜRNBERG (tom) - Vor fünfhundert Jahren, zur Zeit Albrecht Dürers, war Nürnberg ein herausragender Medien- und Technologiestandort. Darauf verwies Dr. Klaus-Peter Potthast, Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, in seiner Eröffnungsrede zum 7. Symposium zur Kultur- und Kreativwirtschaft in der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN).

Doch wie sieht es heute aus? Wie ist die Metropolregion angesichts des tiefgreifenden Strukturwandels in diesem Bereich aufgestellt? Wie gelingt es den traditionellen Medien – dazu zählen neben den Printmedien auch Fernsehen und Rundfunk – neben der Konkurrenz von Internet, Smartphone und ,Social Media' zu bestehen? Vertreter aus den Bereichen Presse und Medien suchten im Museum für Kommunikation nach Antworten auf diese Frage. Neben Vorträgen und einer Podiumsdiskussion standen dabei auch vier Workshops auf dem dichtgepackten Veranstaltungsplan.

Bereits in ihrer Begrüßung umriss die Hausherrin und Direktorin des Museums für Kommunikation Marion Grether den Themenbereich und stellte gleich einmal die veränderte Medienrezeption in den Mittelpunkt. Während die Verlage heute in erster Linie von der Generation leben, die das Zeitunglesen in ihrer Jugend noch von ihren Eltern „gelernt“ hätten, zählten für die nachwachsende Generation nur Begriffe wie „umsonst“, „kurz“, „schnell“ und „mobil“. Doch ist „schnell“ immer „richtig“? Ist „kurz“ immer „ausreichend informiert“? Gleichzeitig verwies Marion Grether – angesichts weitverbreiteter „Fake-News“– auf die Tatsache, dass unabhängige Informationen in der Welt beileibe keine Selbstverständlichkeit seien und sie auch als „Motor für die Demokratie“ zu sehen seien.
Schon hier wird ein Ansatz deutlich, den Dr. Klaus-Peter Potthast noch einmal konkretisierte: Es bringt nichts, das Internet zu verteufeln. Nicht das Medium, so Potthast weiter, dürfte entscheidend sein, sondern die vermittelten Inhalte. Und da gelte es auf Kompetenz, Wissen und Qualität zu setzen, gleichzeitig aber auch neue Impulse zu finden.

Smartphones als Datensammler

Wie diese neuen Ansätze aussehen können, das machte Michael Oschmann (Müller Medien) in seinem Kurzvortrag deutlich. Dem Smartphone, das vor gerade mal zehn Jahren auf den Markt kam und seither eine Revolution im Bereich der Mediennutzung einläutete, kommt dabei eine ganz entscheidende Rolle zu. Nicht nur als Abspielstation sondern – dank der in den Geräten verbauten Sensoren – auch als Sendestation. Die von dem Smartphone gesammelten Metadaten sind von entscheidender Bedeutung für eine noch besser am Kunden/„User“ orientierte Informationsgestaltung aber auch für die Werbeindustrie. In diesem Zusammenhang sieht Oschmann die Politik in der Pflicht, damit diese eminent wichtigen Daten nicht nur einigen „Global Playern“ zur Verfügung stehen, sondern auch mittelständischen Anbietern.
Um den unternehmerischen Herausforderungen der Zukunft meistern zu können, sind Anbieter wie „Müller Medien“ – das gleiche gilt aber auch für Pressehäuser wie die „Nürnberger Nachrichten“ – auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Dabei setzt man vermehrt auch auf die Zusammenarbeit mit ausgewählten Startup-Unternehmen, mit deren Unterstützung die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden können.

Gemeinsam Themen erarbeiten

Ein zentrale Rolle nahmen innerhalb der Veranstaltung vier Workshops ein, in denen die Symposiumsteilnehmer für eineinhalb Stunden aus der Zuhörerrolle heraustreten konnten, um gemeinsam ein Thema zu erarbeiten und das Ergebnis anschließend dem gesamten Auditorium zu präsentieren. In diesen Themen spiegelt sich die gesamte Bandbreite der Veranstaltung wider – von der Rolle des Journalisten bzw. Kulturschaffenden über das Entwickeln neuer, innovativer Geschäftsfelder bis hin zu den Werbe- und Kommunikationsmöglichkeiten, die die neuen Medien mit sich bringen.

Im Einzelnen beschäftigten sich die Workshops mit folgenden Themenfeldern:
• Innovative Geschäftsmodelle: Finden – Hinterfragen – Weiterentwickeln (Inci Strauß/Sigrun Albert/Nicole Schwertner)
• Das haben wir schon immer so gemacht: Das Berufsbild des Journalisten im Wandel (Franziska Holzschuh/Markus Kaiser)
• Vom Kleinen ins Große: Hier leben, überregional arbeiten (Uwe Ritzer/Umut Dirik)
• Money, Money, Money: Wer kauft wo und warum? (Jürgen Kohstall/Aline-Florence Buttkereit)

Region hat stark aufgeholt


Was diese Zukunft gerade im Bereich der Medien bereithält, das kann man – auch das ein Ergebnis des Symposiums – nur schwer absehen. Zu schnell ist in diesem Bereich der Wandel, zu tiefgreifend seine Umwälzungen. In erster Linie gilt es aber wohl, die traditionellen Werte des Qualitätsjournalismus mit den Herausforderungen einer veränderten Mediennutzung zu verknüpfen. Dass dies nicht immer einfach ist, das wurde auch im Rahmen der Podiumsdiskussion deutlich. Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten, und Prof. Markus Kaiser, Professor für Praktischen Journalismus an der TH Nürnberg, gestanden ein, einige der Entwicklungen in der Vergangenheit etwas „verschlafen“ zu haben, konnten aber auch darauf verweisen, in den letzten zwei, drei Jahren „stark aufgeholt“ zu haben. Viele engagierte gute Nachwuchskräfte würden zudem einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Medienstandort Nürnberg – in all seinen Facetten – zukunftsfähig und erfolgreich zu machen. Dazu tragen aber auch Veranstaltungen wie das Symposium der Kultur- und Kreativwirtschaft bei, das sich bei seiner 8. Auflage im kommenden Jahr mit dem Werbemarkt beschäftigen wird.
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