Tierheime dürfen nicht in den Ruin getrieben werden

Überparteilichen Parlamentskreis Tierschutz (v.l.): Birgit Menz (Die Linke), Dagmar G. Wöhrl (CDU/CSU-Fraktion), Dr. Katharina Kluge (Leiterin des Referats Tierschutz im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft), Thomas Schröder (Präsident des Deutschen Tierschutzbundes), Harald Ebner (Bündnis 90/Die Grünen, in Vertretung für Nicole Maisch), Christina Jantz-Herrmann (SPD). (Foto: oh/Dagmar G. Wöhrl)
Parlamentskreis Tierschutz fordert Verbesserung der finanziellen Situation der Tierheime in Deutschland

REGION (pm/nf) - Bei der zweiten Sitzung des Parlamentskreis Tierschutz im Deutschen Bundestag stand die finanzielle Situation der Tierheime in Deutschland auf der Agenda. Unter der Schirmherrschaft von Christina Jantz-Herrman (SPD), Nicole Maisch (derzeit in Mutterschutz vertreten; durch Harald Ebner; beide Bündnis 90/Die Grünen), Birgit Menz (Die Linke) und Dagmar G. Wöhrl (CDU/CSU) diskutierten Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen gemeinsam Lösungswege, um die finanzielle Situation der Tierheime in Deutschland nachhaltig zu verbessern.


Nachdem Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, die aktuellen Herausforderungen der deutschen Tierheime darlegt hatte, stellte Dr. Katharina Kluge, Leiterin des Referats Tierschutz im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, die Einschätzung des Ministeriums zur Tierheimthematik vor.
Im Anschluss wurden Lösungsansätze zur Verbesserung der finanziellen Situation der Tierheime in Deutschland erörtert und gemeinsame Forderungen in einer überparteilichen Erklärung formuliert: Der Parlamentskreis Tierschutz dient der partei- und fraktionsübergreifenden Auseinandersetzung mit tierschutzrelevanten Themen und steht allen Mitgliedern des Deutschen Bundestages offen, egal ob sie in den entsprechenden Fachausschüssen aktiv sind, sich in Tierschutzvereinen oder ihrem Wahlkreis für Tierschutzthemen engagieren oder sich allgemein für das Tierwohl interessieren.

Mit enormem Engagement nehmen Tierheime im ganzen Land in Not geratene Tiere aller Art auf, pflegen und beherbergen sie. Die vielen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen, die sich in den Tierschutzvereinen und Tierheimen einbringen, sind hierbei eine wichtige Unterstützung. Oftmals übernehmen die Tierheime bei der Tierunterbringung staatliche Aufgaben. Wachsende Abgabe- und Fundtierzahlen, längere Verweildauern der Tiere, steigende Haltungs-, Futter- und tierärztliche Versorgungskosten sowie der Rückgang von Spenden stellen viele Tierheime jedoch vor enorme finanzielle Herausforderungen, zum Teil bis zum Rande ihrer Existenz.

Die Unterstützung der Tierheime ist nach Ansicht des Parlamentskreises Tierschutz im Deutschen Bundestag ein gesamtgesellschaftliches Interesse, welchem sich die öffentliche Hand nicht entziehen darf. Es muss Praxis werden, dass Tierheime aufgrund der Übernahme von staatlichen Aufgaben entstandene Ausgaben tatsächlich auch kostendeckend erstattet bekommen. Bund, Länder und Kommunen müssen hinsichtlich ihres Verantwortungsbereiches auf gute Rahmenbedingungen für die Tierheime hinwirken.

Auch Phänomenen wie dem illegalen Welpenhandel und „Animal Hoarding“ sowie der nicht sachgemäßen Haltung von Tieren – insbesondere von exotischen oder gefährlichen Tieren – ist entgegenzuwirken, um die Tierheime langfristig zu entlasten. Um die Kenntnisse im Umgang mit Tieren zu steigern, bedarf es eines umfangreichen Angebots an sachdienlichen Informationen für künftige Besitzer, die sich dann sicher auch positiv auf die Kaufentscheidung oder eben den Verzicht eines Kaufes auswirken. Solch ein Fachkundenachweis würde dazu beitragen, dass die nötigen Kenntnisse vorhanden sind, um ein Tier fach- und artgerecht zu halten. Unüberlegten Spontankäufen, ohne über das Verhalten und die Bedürfnisse der Tiere Bescheid zu wissen, würde somit vorgebeugt. Wir wollen keine überforderten Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer mehr, die ihre Tiere im Tierheim abgeben oder einfach aussetzen.

Dagmar Wöhrl: ,,Der Parlamentskreis Tierschutz im Deutschen Bundestag möchte Anstoß geben für eine bessere finanzielle Versorgung der Tierheime in Deutschland. Wir fordern daher eine ausreichende Unterstützung der Tierheime durch den Staat für den steigenden Finanzbedarf für Futtermittel und veterinärmedizinische Leistungen sowie eine Förderung von Investitionen von Tierheimen mit Blick auf Quarantäne- und Hygienevorschriften. Darüber hinaus setzen wir uns für eine Ausgestaltung der Fundtierpauschale sowie eine Aufhebung der rechtlichen Unterscheidung zwischen Fundtieren und herrenlosen Tieren ein, die es den Tierheimen erlaubt, ihre laufenden Kosten zu decken."
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