Wetterbericht im Fernsehen: Von der Kreidetafel zum 3D-Wetterflug

Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes bei der Analyse der Daten. (Foto: Deutscher Wetterdienst)
25 Jahre Wetteranimation aus dem Computer im deutschen Fernsehen

REGION (pm/nf) - Seit der Einführung des Fernsehens spielt die Wettervorhersage dort eine wichtige Rolle. Oft haben die Wetterberichte sogar die höchste Sehbeteiligung bei einer Nachrichtensendung. Zu Beginn arbeiteten die Meteorologen der TV-Wettersendungen viele Jahre mit Kreide und drehbaren Tafeln und brachten so den Zuschauern Hoch- und Tiefdruckgebiete in die Wohnstuben.


Später gab es mehr Grafiken in Wetterberichten, in denen die Wettervorhersage mit Zahlen und Symbolen für Sonnenschein und Gewitter dargestellt wurde. In den Jahren ab 1980 fanden auch Bilder und Filme von Wettersatelliten Eingang in die Fernsehwetterberichte. Gleichzeitig verbessern schnellere Supercomputer kontinuierlich die Berechnung des zukünftigen Wetters und liefern den Meteorologen damit immer mehr Informationen, die noch anschaulichere Vorhersagen ermöglichen.

Die Zukunft des Wetters animieren

Die Dynamik des Wetters der Vergangenheit konnte mit Animationen der Bilder von Wettersatelliten im Fernsehen schnell sehr gut dargestellt werden. Die Wetterpräsentatoren fragten sich aber schon bald, ob es nicht auch möglich sei, prognostizierte Wolken als Animation für das Vorhersagegebiet Deutschland zu zeigen. Dadurch ließe sich die Dynamik des zu erwartenden Wetters den Zuschauern eindrücklicher veranschaulichen. Die Idee des „Vorhersage-Satellitenfilms“ war geboren. Um diese Vision Realität werden zu lassen, mussten einerseits meteorologische Parameter aus den Vorhersagemodellen, wie Wolkengrauwert und Wolkenbedeckung simuliert und andererseits realistische computergraphische Verfahren für die Wolkendarstellung entwickelt werden.

Anfang Dezember 1990 sprach deshalb Dr. Michael Bauer - heute Professor an der Hochschule Aalen, damals Redakteur beim SDR in Stuttgart - den Deutschen Wetterdienst (DWD) auf das Thema an. Bei einem Treffen griffen der spätere DWD-Präsident Wolfgang Kusch, damals verantwortlich für die Aufbereitung der Modelldaten im DWD, und sein Mitarbeiter Hans-Joachim Koppert, heute Leiter der Wettervorhersage, die Ideen und Anforderungen des SDR-Redakteurs auf. Sie starteten ein Projekt, das die Inhalte und die Art der Präsentation von Wetterberichten im Fernsehen und später auch im Internet mit weltweit neuen innovativen Visualisierungen verändern und prägen sollte.

Als ehemaliger Meteorologie-Student an der Technischen Universität Darmstadt erinnerte sich Koppert an das Fraunhofer Institut für Grafische Datenverarbeitung (Fraunhofer IGD) und nahm Kontakt mit den dortigen Experten auf. Schnell entwickelte sich eine gemeinsame Begeisterung. Das IGD in Darmstadt machte sich im Auftrag des DWD und in enger Zusammenarbeit DWD-Experten ans Werk. Das Ziel war, den ersten Wolkenvorhersagefilm für das Fernsehen zu entwickeln. Koppert: „Es war eine spannende Zeit damals. Gemeinsam arbeiteten wir an der meteorologischen und technischen Umsetzung der verständlichen Visualisierung der Modelldaten und jedes Mal wenn eine neue Programmversion per Eilboten aus Darmstadt eintraf, war die Spannung groß, wie die Wolkenvorhersage auf dem Bildschirm wohl aussehen würde.“
Im Dezember 1992 war es dann soweit. Im gemeinsamen Wetterbericht von SDR und SWF sahen die Zuschauer in einer Weltpremiere zum ersten Mal vorhergesagte Bewölkung, wie man sie bis dahin nur aus Filmen von Wettersatelliten mit dem Blick auf das vergangene Wetter kannte. Dicke regenbringende Wolken zogen in dunklen Farben über das Land, dazwischen harmlose Schönwetterwolken in entsprechend hellen und teilweise transparenten Farbtönen. Das „Original“ der Wolkenvorhersage von damals wird in ähnlicher, wenn auch weiter entwickelter Form heute noch von vielen TV-Sendern eingesetzt - zum Beispiel jeden Abend in der Wettervorhersage der ARD-Tagesschau.
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