Baumängel müssen nicht sein

Risse in der Wand, eine mangelhafte Außenabdichtung, Wasserschaden – es gibt eine Vielzahl an Baumängeln, die die Freude am eigenen Haus oder der eigenen Wohnung trüben können. Doch sind diese tatsächlich so unvermeidlich, wie oft behauptet wird? Und wenn sie denn mal auftreten: Welche Rechte hat man als Bauherr?

Mängel am besten schon vor dem Bau ausschließen

Je detaillierter die Bauausschreibung formuliert ist, desto eher lässt sich ein möglicher „Pfusch am Bau“ belegen. In der Ausschreibung sollten neben den exakten Bauplänen auch die zu verwendenden Baumaterialien aufgeführt werden. Aber auch die Anweisung zum sorgfältigen Arbeiten samt der Ankündigung von Vertragsstrafen bei etwaigem Zuwiderhandeln sind wichtige Passagen, auch wenn man glaubt, dass sorgfältiges Arbeiten ja eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Gemäß dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ empfiehlt sich in jedem Fall eine regelmäßige Kontrolle der Bauarbeiten. Diese kann der Bauherr selbst durchführen – vorausgesetzt, er verfügt über die entsprechenden Fachkenntnisse. Sind diese nicht vorhanden, sollte man sich professionelle Unterstützung durch Architekten oder auch Bausachverständige holen. Eine Alternative bietet die so genannte „Handwerker-kontrolliert-Handwerker“-Methode, bei der jeweils der darauffolgende Handwerker die geleistete Vorarbeit in Augenschein nimmt – so begutachtet beispielsweise der Fliesen- oder Bodenleger die Estricharbeiten, ehe er sich selbst an die Arbeit macht.

Und wenn doch Baumängel auftreten ...

... so muss man dem Handwerksunternehmen die Möglichkeit einräumen, diese bis zu einem festgelegten Termin zu beheben. In seiner Mängelanzeige ist es Aufgabe des Bauherrn, die Mängel exakt zu beschreiben und ausdrücklich auf deren Beseitigung zu drängen. Dabei hat das Handwerksunternehmen insgesamt zweimal die Möglichkeit der „Nacherfüllung“ – die Kosten für Anfahrt, Transport, Material u.dgl. sind dabei vom Unternehmen zu tragen. Sind entsprechende Nachbesserungen nicht möglich, darf der Bauherr vom Unternehmen verlangen, die Arbeit nochmals durchzuführen. Sollte der Handwerksbetrieb die entsprechenden Maßnahmen verweigern oder schlägt auch die Nacherfüllung fehl, so kann der Bauherr Schadensersatz verlangen. Bereits geleistete Zahlungen sind dann vom Unternehmen – vollständig oder anteilig – zurück zu erstatten.

Auf Gewährleistung achten!

Doch nicht immer treten Mängel bereits unmittelbar nach der Fertigstellung auf: Nicht selten offenbart sich Baupfusch erst nach einigen Jahren. Um eine Gewährleistung von mindestens fünf Jahren auf einzelne Gewerke zu bekommen, sollte man deshalb in den Ausschreibungen auf die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen und auf § 634a des BGB hinweisen. In jedem Fall ist es bei der Baumängelbeanstandung jedoch wichtig, die Mängel und deren Auftreten auf Fotos zu dokumentieren. Darüber hinaus sollten Mängelanzeigen und eventuelle Vereinbarungen generell in Schriftform erfolgen, da mündliche Absprachen vor Gericht im Zweifelsfall nur schwer zu beweisen sind.


Ihren Experten zum Thema "Sachverständige":
Joachim Schuster, Sachverständiger
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