Die Küche: ergonomisch richtige Arbeitsfläche statt Norm-Höhe

Als in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Einbauküche in Deutschlands Wohnungen und Häuser Einzug hielt, wurden die Arbeitsflächen in der Regel mit einer Standardhöhe von 85 Zentimetern angeboten. Ganz egal, ob die Frauen, die seinerzeit noch uneingeschränkt in der Küche herrschten, nun klein oder groß waren. Nicht erst, seit vermehrt auch die – in der Regel körperlich größeren – Männer in der Küche aktiv sind, stellt sich die Frage, ob diese Einheitshöhe wirklich der Weisheit letzter Schluss ist.

Auch die Erkenntnisse der Ergonomie fließen heutzutage immer mehr in die Küchenplanung ein. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die optimale Anpassung von Technik oder Einrichtungsgegenständen an menschliche Bewegungsabläufe und individuelle Bedürfnisse helfen dabei, die Arbeitsbedingungen auch in der Küche zu verbessern und bereits im Vorfeld Haltungsschäden oder Rückenschmerzen entgegenzuwirken. So belegt eine von der Technischen Hochschule Darmstadt durchgeführte Studie, wie wichtig eine der individuellen Körpergröße angepasste Höhe der Arbeitsfläche ist. Dieser Untersuchung zufolge führt nämlich eine länger andauernde Rückenbeugung von über 20 Grad zu einer einseitigen Bandscheibenbelastung und damit auf Dauer zu Rückenbeschwerden.

„Ellbogenmethode“ hilft, die ideale Arbeitsflächenhöhe zu ermitteln

Nun gibt es sehr unterschiedliche Empfehlungen zur optimalen Arbeitshöhe, die nicht zuletzt vom persönlichen Wohlfühlfaktor abhängen. Die so genannte „Ellbogenmethode“ liefert in der Regel eine gute Näherung, um die unter ergonomischen Gesichtspunkten optimale Arbeitshöhe zu ermitteln. Dabei sollte man sich aufrecht hinstellen, den Oberarm parallel zum Körper halten und den Unterarm rechtwinklig nach vorne strecken. Nun messe man den Abstand zwischen der Unterkante des Unterarm und dem Fußboden – dieses Maß abzüglich 12 bis 15 cm ergibt die richtige Höhe für eine durchgängige Arbeitsfläche. Der Kochbereich kann um weitere 10 bis 12 cm abgesenkt werden, der Spülbereich indes darf durchaus 5 bis 10 cm höher liegen.

Problematisch kann es werden, diese Idealmaße in die Tat umzusetzen, wenn sich die Arbeitsfläche beispielsweise vor einem Fenster befindet. Daher sollte man in jedem Fall die Brüstungshöhe des Küchenfensters messen, damit man beim Einbau der Küche nicht mit Schrecken feststellen muss, dass die Fensterbrüstung unterhalb der Arbeitsfläche liegt. Auch wenn zwei unterschiedlich große Partner die Küche gleichermaßen nutzen, muss man einen Kompromiss finden oder tatsächlich unterschiedliche Höhen für die Arbeitsfläche wählen.

Doch nicht nur bei der richtigen Arbeitshöhe, auch bei der Wahl von Hoch- und Oberschränken spielt die Körpergröße eine entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass die Hauptarbeitsperson problemlos an das Kücheninventar heranreichen kann. Schließlich macht es keinen Sinn, jedes Mal einen Schemel oder Hocker zu holen, wenn man etwas aus dem oberen Fach herausholen möchte. Als besonders praktisch erweisen sich dabei ausziehbare Körbe oder Böden, wie sie etwa ein so genannter Apothekerschrank besitzt, da sie – im Gegensatz zu festen Fachbrettern – sowohl freien Einblick als auch Zugriff ermöglichen.


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