Einstiegstipps für Gründer: Unternehmen gründen und dann?

Buchhaltungsvorschriften sind eine nervige aber wichtige Aufgabe - glücklicherweise lässt sich viel automatisieren. (Foto: @ jackmac34 (CC0-Lizenz) / pixabay.com)
 
Was ist bei der Gründung und danach alles zu beachten? (Foto: @ stevepb (CC0-Lizenz) / pixabay.com)

SERVICE (se/fi) - Für Gründer ist sie erstmal die größte Hürde: die Gründung. Mit ihr kommt Bürokratie auf, es müssen Gesetze beachtet, Investoren überzeugt und Büroräume gefunden werden. Ist die Gründung erst mal vollzogen, scheint es, als kehre Ruhe ein. Doch ist das tatsächlich so? Nein, denn jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Immerhin geht es nun darum, Kunden zu finden, das Unternehmen bekannt zu machen und erste Gewinne einzufahren. Was natürlich wieder mit Aufgaben verbunden ist, wie dieser Artikel zeigt.

Kundenakquise

Nach der Gründung ist das natürlich eines der wichtigsten Ziele, das erreicht werden muss. Aber wie lassen sich Kunden überhaupt gewinnen? Hier kommt das Marketing ins Spiel und die Überlegung, welche Art von Kunden benötigt werden. Handelt das Unternehmen zumeist mit anderen Unternehmern oder richtet es sich an Endkunden? Denn das Marketing unterscheidet sich nun. Händler und Unternehmer wissen bereits, auf was es ihnen ankommt. Endkunden hingegen müssen von einer bedürfnisorientierten Warte aus überzeugt werden. Generell gibt es verschiedene Wege, die die Akquise vereinfachen:

- Beziehungen - Kontakte sind wichtig. Nicht nur für den frischen Gründer, sondern auch im späteren Verlauf. Sie können durchaus aus dem privaten Bereich stammen. Hier sollte klar kommuniziert werden, dass ein Unternehmen gegründet wurde und was es anbietet. Für geschäftliche Kontakte oder Kontakte zu anderen, für den Betrieb wichtigen Unternehmen eignen sich Messen und für die Branche übliche Veranstaltungen.

- Persönlicher Kontakt - die Fremdkundenakquise liegt nicht jedem. Dennoch sollten Gründer persönlich die Aufgabe stemmen. Gibt es ein Ladengeschäft mit Verkauf, dürfen ruhig Passanten freundlich eingeladen werden, zu stöbern. Telefonisch werden im B2B-Bereich neue Kunden gewonnen. Bei Privatkunden ist die telefonische Akquise nur nach Zustimmung erlaubt. Dasselbe gilt für den Versand von Werbe-E-Mails.

- Internet - über das Internet werden viele Kunden gewonnen. Das Unternehmen muss eine aussagekräftige Homepage besitzen, die für Suchmaschinen optimiert ist. Auch die sozialen Medien sowie der Aufbau der eigenen Zielgruppe per Email-Marketing sind wichtige Möglichkeiten zur Kundengewinnung.

Gesetzliche Anforderungen erfüllen

Beginnt das übliche Tagesgeschäft, kommen auch schon Mitarbeiter, Rechnungen und Anschaffungen. Der Gründer muss hier direkt von Anfang an alles korrekt machen, da es sonst später Ärger geben kann und wird - und die Aufarbeitung unglaublich zeitintensiv ist:

- Mitarbeiter - jeder Angestellte muss angemeldet werden. Dabei wird nicht jeder Mitarbeiter gleich behandelt, denn je nach Art der Anstellung gelten verschiedene Meldestellen. Minijobber und Aushilfen werden beispielsweise der Minijobzentrale gemeldet und auch an diese werden die Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Mitarbeiter mit Festanstellung müssen den Sozialversicherungen gemeldet werden und die Beträge gehen monatlich an die Krankenkassen. Zusätzlich muss die Beschäftigung dem Finanzamt gemeldet werden.

- Lohnabrechnungen - den Mitarbeitern ist eine korrekte Lohnabrechnung zu erstellen, die auch sämtliche Abzüge ausweist.

- Anschaffungen - betriebliche Anschaffungen sind, je nach Gut, abschreibungsfähig. Sie müssen daher vernünftig gebucht werden, damit die Buchhaltung auch stimmt.

- Buchhaltung - Rechnungen, eingenommene Gelder, Gehälter und Anschaffungen - all das muss in der Buchhaltung bearbeitet werden. Dabei sind Konten zu beachten, Buchungsarten und natürlich auch Fristen. Gründer investieren möglichst sofort in ein gutes Buchhaltungsprogramm, das sie bei diesen Aufgaben unterstützt und beispielsweise das Einscannen von Rechnungen zulässt.

Für jeden Gründer ist es empfehlenswert, wenn er sich wenigstens am Anfang einmal steuerlich beraten lässt. Er sollte sich zeigen lassen, auf was es alles ankommt und wie beispielsweise die Lohnabrechnungen korrekt erstellt werden. Anderenfalls wäre eine gelernte Buchhaltungskraft im Betrieb sinnvoll, die diese Aufgaben übernimmt. Wer das nicht möchte, kann natürlich auch Teile zu einem Steuerberater auslagern und beispielsweise die Umsatzsteuervoranmeldung selbst machen, dafür aber den Steuerberater die Lohnabrechnungen erstellen lassen.

Weitere wichtige Tipps

Viele Gründer glauben, dass sie nach der Eröffnung ihres Betriebs alleine dastehen. Das ist nicht richtig, denn es gibt diverse Angebote, die Gründern nach der Gründung mit Rat und Tat zur Seite stehen:

- Berufsverbände - die Verbände bieten immer wieder Workshops oder Beratungen an, die hilfreich sein können.
- Handwerkskammern/Handelskammern - auch die verschiedenen Kammern unterstützen Start-ups weiterhin. Oft gibt es eigens zum Thema der Kundengewinnung oder auch zur Mitarbeiterführung Seminare und Beratungsstunden.
- Stadt/Land - die Städte, Gemeinden oder auch die Bundesländer an sich haben Beratungsangebote für Gründer, die über die Gründung hinausgehen.

Wichtig ist, dass Gründer ihre Tätigkeit genau beobachten und regelmäßig die Buchhaltung überblicken, um Probleme bereits im Keim zu erkennen. Das ist wichtig, denn Vieles lässt sich anfangs problemlos beheben und ein Fiasko abwehren. Zudem gilt:
- Hilfe annehmen - stimmt etwas im Betrieb nicht, läuft es nicht oder gibt es andere Probleme, darf nicht der Kopf in den Sand gesteckt oder die Schwierigkeit ignoriert werden. Nun ist die Zeit, sich Hilfe zu suchen und direkt dem Problem auf dem Grund zu gehen.
- Sparen - nein, das Geld soll nicht zum offenen Fenster hinausgeschmissen werden, allerdings darf kein Gründer am falschen Ende sparen. Das gilt insbesondere für den gesamten Buchhaltungsbereich. Es hat schon so manchem Unternehmen den Hals gebrochen, wenn die falsch berechneten Lohnnebenkosten für Mitarbeiter vollständig nachgezahlt werden mussten.
- Verbesserung - kein Betrieb ist perfekt. Kein Gründer ist perfekt. Jeder Unternehmer sollte sich und seinen Betrieb immer wieder auf Herz und Nieren prüfen und schauen, an welcher Stelle etwas verbessert werden kann. Manchmal sind es die kleinsten Dinge, die die größte Wirkung haben.

Fazit - mit der Gründung beginnt die Arbeit erst

Sind die letzten Formulare unterzeichnet und ist die Gründung vollzogen, beginnt erst die richtige Arbeit. Nun muss ein Gründer beweisen, was er drauf hat und ob er seine Idee auch im Alltag umsetzen kann. Allerdings steht er selten alleine da, sondern kann vielerorts auf Hilfsangebote setzen. Wer nun noch hingeht und die unbeliebte Buchhaltung gleich vom ersten Tag an korrekt auf die Beine stellt und regelmäßig pflegt, wird merken, dass dieser Aufwand gar nicht so schlimm ist, wenn er nicht erst zu einem Berg anwächst.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.