Fusion zwischen LSE und Deutscher Börse geplatzt: Auswirkungen auf den Handel

Ein Auf und Ab ist auch bei den Fusionsplänen von Deutscher Börse und London Stock Exchange zu verzeichnen. (Foto: pexels.com)
 
Wie geht's weiter mit der London Stock Exchange? (Foto: pixabay.com)

SERVICE (le/fi) - Es war bereits der fünfte Anlauf, der nun - so gut wie sicher - ebenfalls gescheitert ist. Wieder wurde die Fusion der Deutschen Börse und London Stock Exchange abgesagt. Ein schwarzer Tag für die Aktionäre der Deutschen Börse? Nein. Die Analysten sind sich einig, dass die Deutsche Börse - auch ohne Gründung einer europäischen "Megabörse" - ordentlich zulegen wird.

Auch der fünfte Versuch gescheitert?

Februar 2016: Die Deutsche Börse und LSE verkündeten ihre "Hochzeitspläne". Die Aktionäre träumten bereits von einer richtigen "Megabörse", die endlich eine Konkurrenz zu New York sein würde. Endlich würde man auch eine "Megabörse" in Europa haben! Der Traum ist jedoch - wieder einmal - geplatzt. Sonntag verkündete die London Stock Exchange (LSE), der Deal sei geplatzt, eine "Fusion mit der Deutschen Börse sei sehr unwahrscheinlich". Der Grund? Die Londoner wollen die italienische Handelsplattform MTS - wie von den EU-Wettbewerbsaufsehern gefordert - nicht verkaufen. Des Weiteren hat die EU-Kommission bereits mitgeteilt, dass sie definitiv nicht zustimmen kann, wenn die MTS nicht verkauft werde. Die Ansage, dass die Fusion gescheitert sei, sorgte natürlich für eine Talfahrt an der Deutschen Börse. Am Nachmittag notierte das Papier um rund 4 Prozent tiefer und lag bei rund 80,6 Euro - so war die Deutsche Börse einer der größten Dax-Verlierer. Die LSE-Anteilsscheine verloren ebenfalls und rutschten in den Keller - am Ende wurde ein Minus von 3,2 Prozent verbucht. Die Anteilsscheine zählten am Montag zu den unbeliebtesten Werten im FTSE-Index. Auch der schlechter werdende Wechselkurs drückt auf den Aktienpreis.

Scheitert die Fusion an einer möglichen Standort-Frage?

Viele Experten sind der Meinung, dass die wahren Gründe jedoch noch nicht genannt wurden, warum die Fusion - wieder einmal - abgesagt wurde. Insider sind sich fast sicher, dass die Diskussion, wo der Holdingsitz der "Megabörse" sein werde, vermieden werden sollte. Schlussendlich war immer London im Gespräch - durch den "Brexit" musste man aber davon ausgehen, dass die "Megabörse" nach Frankfurt hätte kommen sollen. Am Ende habe man mit der italienischen Handelsplattform aber eine "gute Ausrede gefunden, damit man Brüssel die Schuld geben kann", so ein Insider.

Definitiv kein "schwarzer Tag"

Doch war es wirklich ein schwarzer Tag für die deutschen Aktionäre? Nein. Viele Analysten sind der Meinung, die geplatzte Fusion sei kein Grund zur Sorge; auch wenn der geplatzte Deal "überraschend kam", so ist noch lange nicht von "einem schwarzen Tag" die Rede. Thorsten Wenzek, Analyst bei der DZ-Bank, weiß, dass die "erhofften Kosten- und auch Umsatzsynergien nicht gehoben werden können", wobei "die Fusion nur die Aktionäre der LSE stärker gemacht hätten". Wenzel ist überzeugt, dass die deutschen Anleger kaum profitiert hätten. Zudem ist Wenzel der Meinung, die Deutsche Börse würde auch ohne Fusion wachsen, sodass "den Anlegern geraten werden muss, die Aktien unbedingt zu behalten". Auch Markus Rießelmann, Analyst von Independent-Research, sieht die Sache ähnlich. "Wenn es nicht zu einer Fusion kommt, dann wird sich die Deutsche Börse eben wieder auf das organische Wachstum konzentriert und die 'Accelerate'-Strategie umsetzen", ist der Analyst überzeugt.

Die Dividende soll um 4,4 Prozent erhöht werden

Die aktuellen Geschäftszahlen zeigen, dass die Analysten mit ihren Vermutungen nicht falsch liegen. Am 16. Februar präsentierte Carsten Kengeter, der Chef der Deutschen Börse, die neueste Bilanz des Börsenbetreibers. So konnten die Nettoerlöse im Jahr 2016 um rund 8 Prozent steigen - 2,4 Milliarden Euro. Am Ende blieben 722 Millionen Euro. Von diesen 722 Millionen Euro profitieren natürlich auch die Anleger: Die Dividende soll nämlich auf 2,35 Euro/Anteilsschein erhöht werden. Das wäre - gegenüber der Dividende aus dem Vorjahr - ein Plus von 4,4 Prozent.
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