Im Stress nicht untergehen: Moderne Formen der Selbstfindung

Keine Frage: Wir leben in einer Welt des ununterbrochenen Anpassungsdrucks und eines zunehmenden Zwangs zur Selbstoptimierung. Gleichzeitig haben wir so viele Freiheiten wie nie zuvor. Warum nicht davon Gebrauch machen und für einen Moment aus Hektik und Trubel ausbrechen? Der folgende Ratgeber bietet Anregungen, um abzuschalten, zu sich selbst zu finden oder um sich darauf zu besinnen, was einem unabhängig von der Meinung anderer wirklich Spaß macht.

Malen, bauen, basteln

Es mutet auf den ersten Blick banal und kindisch an, bietet aber pure Entspannung und effektive Stressbewältigung: Malbücher sind derzeit der letzte Schrei – gerade bei Erwachsenen. So waren sie auch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse mit einigen ausgefallenen Neuerscheinungen vertreten: n-tv berichtet zum Beispiel über Malbücher für erwachsene Fans von Stars Wars, Harry Potter oder Game of Thrones sowie über Malbücher mit Variationen diverser Heavy-Metal-CD-Cover und die künstlerisch beeindruckenden Vorlagen von Johanna Basford. Ganz gleich, zu welchem Malbuch man greift: Vermutlich versetzt uns das meditative Ausmalen der kreativen Vorlagen in die Zeit unserer unbeschwerten Kindheit zurück. Wer während des Malens für Ruhe sorgt und das Handy ausschaltet, kann konzentriert, aber ohne jeden Druck einer entspannenden Tätigkeit nachgehen.

Natürlich soll das Malen hier nur als ein Beispiel dienen. Andere holen vielleicht wieder ihre Legobausteine aus dem Keller oder falten Origamifiguren: Es geht hauptsächlich darum, etwas Spaßiges nur für sich selbst zu machen – sollen andere das eigene Hobby doch für kindisch halten!

Sich auf das eigene Leben besinnen, statt nur den Lebenslauf zu fokussieren

Wer sich auf spielerischer Ebene wieder auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse einlässt, kann das auf die berufliche oder alltägliche Welt übertragen: Ein Online-Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) bringt das Problem auf den Punkt. Dort heißt es: "Immer mehr Menschen fragen nicht mehr: Was wäre gut für mein Leben? Sie fragen nur: Was wäre gut für meinen Lebenslauf?" Entscheidungen werden zunehmend abhängig von gesellschaftlichen Erwartungen getroffen – dabei geht der Blick für eigene Wünsche verloren. Sicherlich funktioniert gemeinschaftliches Zusammenleben nie ohne ein gewisses Maß der Anpassung an Konventionen, doch es ist lohnenswert, sich zumindest ein wenig von dem Erwartungsdruck anderer zu lösen, um wieder mehr zu sich selbst zu finden – die Wiederentdeckung alter Hobbys und Leidenschaften kann dabei helfen.

Die Beratungsseite von Questico stellt noch eine weitere Frage: "Sind wir auf dem richtigen Weg?" Eine essentielle Frage, setzt sie doch eine selbstreflektierende Lebenshaltung voraus, um sie zu beantworten. Und nur, wer auch nach dem individuell richtigen Weg fragt, kann letztlich auch seine eigenen Lebensziele erreichen.

Selbstvertrauen schöpfen

Beim Besinnen auf eigene Wünsche und Träume geht es auch darum, neues Selbstvertrauen zu schöpfen. Wer das Risiko eingeht, beispielsweise für seine Hobbys Spott und Abneigung zu ernten, findet leichter wieder zu sich selbst zurück. Der bereits erwähnte Artikel der HAZ deutet auf das zunehmende Problem des "vorauseilenden Gehorsam" hin: Individualität wird nicht mehr als "Errungenschaft" wahrgenommen, sondern "als Angriffsfläche". Vor Freunden und Bekannten für individuelle Hobbys jenseits des Massengeschmacks einstehen, ist im ersten Schritt nicht leicht. Doch wahre Freunde werden einen dafür Respekt zollen.





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