Klinikum Nürnberg: Neue Medikamente bei Hautkrebs

Prof. Dr. Erwin Schultz (l.), Chefarzt der Hautklinik Nürnberg, und Oberarzt Dr. Dirk Debus geben Tipps zur Vermeidung von Hautkrebs. (Foto: bayernpress)
10 Tipps, wie Sie sich vor Hautkrebs schützen können -
Verbesserte Therapiemöglichkeiten bei schwarzem Hautkrebs - Hauttumorzentrum im Klinikum Nürnberg setzt bei der Behandlung des malignen Melanoms auf die Immuntherapie und eine personalisierte Therapie.

NÜRNBERG (pm/nf) - Für viele Menschen bedeutet Sommer, Sonne und Strand den Inbegriff für Entspannung und Erholung. Doch es kommt auf die Dosis an. Zu viel Sonne kann die Haut dauerhaft schädigen - die vermeintliche Schönheit der braunen Haut wird mit vorzeitiger Hautalterung und manchmal auch mit Hautkrebs bezahlt.


In der Liste der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland belegt der schwarze Hautkrebs bereits den fünften Platz. Bis 2011 konnte das maligne Melanom lediglich mit einer Chemotherapie behandelt werden. Doch seitdem haben sich die Therapiemöglichkeiten deutlich verbessert. Im Hauttumorzentrum des Klinikums Nürnberg setzt man bei der Behandlung auf die Immuntherapie und eine personalisierte Therapie.

Die Sonne ist für den Menschen lebenswichtig. Sie regt unsere Hautzellen zur Produktion von Vitamin D an. Dieses stärkt unsere Knochen, regt die körpereigene Abwehr an und hat einen positiven Einfluss auf Krankheiten wie Rheuma, Bluthochdruck und Multiple Sklerose. Doch zu viel Sonne kann die Haut dauerhaft schädigen, erklärt Prof. Dr. Erwin Schultz, Chefarzt der Klinik für Dermatologie im Klinikum Nürnberg Nord: „Durch die UVA-Strahlung verliert die Haut an Elastizität, sie wird schlaff und es bilden sich Falten.“

Vorzeitige Hautalterung ist aber nur eine mögliche Folge. Denn die UVB-Strahlen der Sonne können die DNA der Hautzellen schädigen. Normalerweise werden diese Schäden durch spezielle Enzyme repariert. Doch mit dem Alter funktioniert dieser Reparaturmechanismus nicht mehr richtig. Es schleichen sich bleibende Fehler in die Hautzellen ein, die dadurch entarten. „Diese entarteten Zellen führen schließlich zur Entstehung von weißem oder schwarzem Hautkrebs“, weiß Schultz. Hauptrisikofaktor sind neben einer genetischen Veranlagung insbesondere Sonnenbrände in der Kinder- und Jugendzeit.

Verbesserte Behandlungsmöglichkeiten

Der schwarze Hautkrebs, auch malignes Melanom genannt, ist bei weitem die gefährlichste Variante. Laut dem Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 16.000 Menschen neu an einem malignen Melanom. Wird dieses frühzeitig erkannt, stehen die Heilungschancen gut. Ist dies jedoch nicht der Fall, bilden sich Metastasen, die in das Lymphsystem streuen und über die Blutbahnen in die Organe gelangen. „Die Überlebenschancen der Patienten sinken dann rapide“, berichtet Dr. Dirk Debus, Oberarzt in der Klinik für Dermatologie. Bis vor gut vier Jahren konnte das maligne Melanom lediglich mit einer Chemotherapie behandelt werden. „Doch seitdem haben sich die Therapiemöglichkeiten deutlich verbessert und die Chemotherapie rückt zunehmend in den Hintergrund“, freut sich Debus.

Eine dieser neuen Möglichkeiten ist die Immuntherapie. Über eine Infusion werden den Patienten Antikörper verabreicht, die das Immunsystem aktivieren. „Dadurch werden die weißen Blutkörperchen angeregt, sich weiter zu teilen. Sie suchen dann die Krebszellen und töten sie ab“, erklärt der Chefarzt. „Es kommt damit zu einer Tumorrückbildung.“ Die Tumore lassen sich zumindest langfristig kontrollieren. Die Immuntherapie kann jedoch Autoimmunreaktionen, wie zum Beispiel eine Darmentzündung, nach sich ziehen.

Personalisierte Therapie

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt die personalisierte Therapie dar. Je nachdem welche Mutation vorliegt, wird dem Patienten ein spezielles Präparat verabreicht, das direkt in den Zellzyklus eingreift und das ungebremste Zellwachstum hemmt. „Allerdings können sich hier Resistenzen bilden, da der Tumor andere Mutationen bildet“, erläutert Debus.

Die mittlere Gesamtüberlebensdauer lässt sich dank dieser zwei Therapien verdreifachen. Beide Behandlungsmöglichkeiten können miteinander kombiniert werden und kommen im Hauttumorzentrum des Klinikums Nürnberg zum Einsatz. Darüber hinaus nimmt die Klinik für Dermatologie regelmäßig an klinischen Studien teil. „Somit können wir unseren Patienten schon heute Zugang zu Medikamenten von morgen sichern“, betont Schultz.

10 Tipps, wie Sie sich schützen können

1. Schon 30 Minuten vor dem Aufenthalt in der Sonne mit einer Sonnenschutzcreme schützen, die zum Hauttyp passt.
2. Langsam an die längere Sonnenbestrahlung gewöhnen.
3. Pralle Mittagssonne unbedingt meiden (11 bis 15 Uhr).
4. Generell eher schattige Plätze suchen.
5. Augen mit Sonnenbrille schützen.
6. Kleinkinder generell nicht der Sonne aussetzen.
7. Auftragen von Sonnencreme regelmäßig wiederholen. Die Verweildauer in der Sonne wird dadurch NICHT verlängert.
8. Maximale Verweildauer nicht völlig ausnutzen, damit Sie auch unsichtbare Hautschäden vermeiden können.
9. Beim Sonnenbad auf Deos, Parfum und Kosmetika verzichten. Unangenehme Hautreaktionen könnten die Folge sein.
10. Bleiben Sie bei empfindlicher Haut und/oder nicht sonnengewöhnter Haut grundsätzlich nie länger als 5 bis 10 Minuten in der Sonne.


www.klinikum-nuernberg.de
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