Lehm: einer der ältesten Baustoffe wird neu entdeckt

Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Welt und hat über Jahrtausende hinweg seine Qualitäten unter Beweis gestellt. Dass er nun eine Renaissance erlebt und als nachhaltiger, ökologischer Baustoff wiederentdeckt wird, wundert vor diesem Hintergrund eigentlich kaum. Fakt ist nämlich, dass die bautechnischen und ökologischen Eigenschaften von Lehm manchen modernen Baustoff mühelos übertreffen.

Man kann davon sprechen, dass Lehm „lebt“ und mit seiner Umgebung in eine Art Wechselwirkung tritt. Der atmungsaktive Lehm ist – je nach den klimatischen Bedingungen – in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen, zu speichern und auch wieder abzugeben. Dies hat zur Folge, dass in richtig gebauten Lehmhäusern ein auffällig gutes und für die Bewohner gesundes Wohnklima mit einer gleichbleibenden relativen Raumfeuchte von um die 50 Prozent herrscht. Darüber hinaus ist Lehm in der Lage, Gerüche zu absorbieren, Schadstoffe zu filtern und Holz wirkungsvoll zu konservieren.

Vielseitig verwendbar

Lehm kann – und dies ist ein weiterer Vorteil dieses unkomplizierten Materials – zu vielen verschiedenen Baustoffen verarbeitet werden: zu Mörtel und Putz, zu einer problemlos zu verarbeitenden Füllmasse, zu luftgetrockneten Steinen und Wänden. Darüber hinaus können die Eigenschaften von Lehm mit Stroh, Textilfasern, Tierhaaren sowie mit mineralischen Partikeln wie Bims, Lava, Blähglas und Blähton noch weiter gesteigert werden. Auf diese Weise wird der Lehm fester und kann noch besser Wärme dämmen. Gerade was die Wärmedämmung angeht, hat sich die Kombination von Lehm und einer Flachsdämmung sowie eine in Lehm gehüllte Wandheizung als äußerst wirkungsvoll erwiesen.

Generell unterscheidet man zwischen zwei Arten von Lehmhäusern: Das massive Haus mit tragenden Wänden aus Lehm und den so genannten Tragegerippe-Lehmbau, bei dem eine Stützkonstruktion aus Holz (oder auch aus Stahl, Stein oder Beton) mit Lehm gefüllt wird. Vor allem die klassische, vom Fachwerkhaus her bekannte Kombination von Lehm und Holz stellt eine ideale Lösung dar, da sich der Lehm – wie bereits angesprochen – als idealer Holzschutz erweist.

Vor Wasser schützen

Ein Problem bleibt aber in allen Fällen bestehen: Lehm ist feuchtigkeitsempfindlich. Daher müssen sämtliche Lehmbaustoffe vor Wasser geschützt werden. Das heißt: Ein Lehmhaus benötigt eine wirkungsvolle Trennschicht zum Gelände oder Fundament, bei alten Häusern verwendete man hierfür Felsstein- oder Ziegelsteinsockel. Ebenso wichtig ist aber auch ein Schutz gegen Niederschläge. Hierbei setzt man auf ein Dach mit guten Überständen sowie auf regenfeste Putze, Anstriche oder Verkleidungen, die für die Wetterseite in jedem Fall empfehlenswert sind. Eine gute Alternative stellen auch moderne Lehmaußenputze dar, die durch Zusätze und eine besondere Verarbeitung das Wasser abwenden können.


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