Mit dem Auto in den Winterurlaub: Darauf sollten Sie bei der Anreise mit dem PKW achten

Das Auto garantiert auch im Winterurlaub Flexibilität und Mobilität. (Foto: fotolia.com © pictarena)
 
Schneematsch erfordert nach gesetzlicher Definition genauso das Aufziehen von Winterreifen wie Schnee oder Glatteis. (Foto: pixabay.com © skeeze (CC0 Public Domain))
 
Auf Straßen mit solcher Beschilderung ist die Verwendung von Schneeketten obligatorisch. (Foto: pixabay.com © CopyrightFreePictures (CC0 Public Domain))

SERVICE (se/fi) - Die bisherigen Witterungsbedingungen in Deutschland machen das Verreisen für passionierte Winter- und Skifans zu einer Pflichtaufgabe. Schnee ist bislang Mangelware, da bietet sich der Urlaub in den Bergen an, wenn man Wintersport betreiben möchte. In vielen Skigebieten ist zwar mittlerweile die bequeme Anreise per Bahn oder Bus möglich und erwünscht. Trotzdem werden viele Winterurlauber die Reise lieber mit dem eigenen Kraftfahrzeug antreten.

Flexibel und mobil im Urlaub

Die Vorteile für diese Entscheidung liegen auf der Hand, denn mit dem PKW bleibt während der gesamten Urlaubszeit die größtmögliche Mobilität und Flexibilität erhalten. Das gilt für die Anreise ebenso wie für die Beweglichkeit vor Ort. Die freien Tage müssen dann nicht nach Fahrplänen ausgerichtet, sondern können zeitlich ganz nach Belieben gestaltet werden.
Vorteilhaft ist das Auto auch hinsichtlich der Gepäckmitnahme. Koffer und eventuelle Skiausrüstung bereiten normalerweise nur beim Be- und Entladen Schwierigkeiten, während sie beispielsweise bei Zugreisen mit mehrfachem Umsteigen und knappen Anschlusszeiten schnell hinderlich werden können.

Winterreifenplicht in den europäischen Nachbarstaaten

Allerdings erfordert das Reisen mit dem PKW gerade im Winter ein wenig mehr Vorausplanung. Die Winterreifenplicht ist schließlich nicht nur auf deutschen Straßen wirksam, wird allerdings unterschiedlich gehandhabt. Hierzulande ist die Verwendung von Winterreifen beispielsweise ohne feste zeitliche Eingrenzung an die witterungsbedingten Straßenverhältnisse geknüpft. Was darunter im juristischen Sinn zu verstehen ist, lässt sich bei verivox.de nachlesen.
Einige Nachbarländer verfügen zwar über ähnliche Regelungen, dennoch ist es aufgrund der variierenden gesetzlichen Vorgaben sinnvoll die diesbezüglichen Informationen vor der Abreise einzuholen. In den am häufigsten frequentierten europäischen Urlaubsländern für den Winter gestaltet sich die Winterreifenpflicht wie folgt:

Österreich
Im beliebtesten Wintersportziel der Deutschen besteht zwischen dem 1. November und dem 15. April eine situative Winterausrüstungspflicht. Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen daher Winterreifen aufgezogen sein. Die Profiltiefe muss dabei mindestens vier Millimeter betragen, ansonsten können Bußgelder von bis zu 5.000 Euro drohen.

Schweiz
Bei den Eidgenossen gibt es wie in Deutschland zwar keine generelle Winterreifenpflicht, empfohlen wird der Reifenwechsel bei entsprechenden Witterungsbedingungen aber schon. Dem sollte auch Folge geleistet werden, denn bei Unfällen mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen werden die Verursacher zur Mithaftung herangezogen. Auf manchen Strecken ist durch Verkehrszeichen zudem die Verwendung von Schneeketten vorgeschrieben – diese sollten daher im Zweifelsfall gleich mitgeführt werden.

Italien
Eine wirkliche Winterreifenpflicht besteht eigentlich nur im alpinen Aostatal, nämlich vom 15. Oktober bis zum 15. April. Im übrigen Italien bzw. auf bestimmten Strecken kann die Verwendung von Winterreifen und Schneeketten allerdings je nach Wetterlage auch vorübergehend angeordnet werden.

Tschechien
Auf allen tschechischen Straßen gilt zwischen dem 1. November und dem 31. März die Pflicht zur Winterbereifung, wenn die Straßenverhältnisse es erfordern.


Abgesehen von der angemessenen Reifenwahl und einer ausreichenden Profiltiefe sollte außerdem darauf geachtet werden, dass die Winterreifen tatsächlich für die Bedingungen am Urlaubsort geeignet sind. Im Test der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) hat sich gezeigt, dass je nach Untergrund verschiedene Reifengrößen und –breiten unterschiedliche Vor- und Nachteile bringen. Wenn sich nicht abschätzen lässt, wie viel Schnee auf den Straßen zu erwarten ist, fährt es sich mit einer mittleren Größe am sichersten. Die getesteten 17-Zoll-Reifen boten auf geschlossener Schneedecke ausreichend Grip und verfügten auf trockener Strecke über ein gutes Bremsverhalten.

Unfälle auf schneebedeckten Straßen oder bergigen Strecken stellen allerdings eher Ausnahmen dar: Laut Stadt-Reisen-Outdoor liegt die Unfallquote auf Schnee im Winter lediglich bei fünf Prozent, wohingegen 68 Prozent der Verkehrsunfälle in Stadtgebieten verursacht werden. Der Respekt vor den schwierigen Straßenbedingungen führt also zumindest bei Fahrten über Land zu einer angemessen vorsichtigen Fahrweise.
Dieselbe Vorsicht sollte auch beim Mitführen und Benutzen von Schneeketten walten. Die sind, wie schon erwähnt, mancherorts je nach Situation verpflichtend. Daher ist es sinnvoll, die Schneeketten gerade im Winterurlaub im Gepäck zu haben. Wer nicht regelmäßig zur Erholung in Skiregionen fährt und daher den Kauf scheut, kann die Fahrhilfen beim ADAC leihen. Spikeplatten zum Anfahren auf Schnee oder textile Fahrhilfen werden übrigens auf Routen mit Schneekettenpflicht nicht anerkannt.

Vignettenpflicht

Gerade in den klassischen Winterurlaubsländern wie Österreich und der Schweiz braucht es für die Nutzung der dortigen Autobahnen eine entsprechende Vignette. Das ist zwar allgemeinhin bekannt, sollte aber dennoch möglichst schon vor dem Grenzübertritt bedacht werden. Das rechtzeitige Ausstatten mit den jeweiligen Autobahnvignetten im Vorfeld der Reise spart möglicherweise lange Wartezeiten beim Kauf direkt an der Grenze. Darüber hinaus kann ein ungünstiger Wechselkurs die Vignetten für die Schweiz sogar noch teurer machen, wenn diese in Euro und nicht in Schweizer Franken bezahlt werden muss.
Wer die Schweizer Vignette schon im Vorfeld erwirbt, wird dafür aktuell 38,50 Euro bezahlen müssen. Die gilt dann aber vom 1. Dezember 2015 bis zum 31. Januar 2017. Für einen eventuell mitgeführten Anhänger muss allerdings eine zusätzliche Vignette gekauft werden. Eine Alternative zur Jahresvignette gibt es nicht.
Für die Benutzung österreichischer Autobahnen gibt es hingegen verschiedene Möglichkeiten, die je nach Länge des Urlaubs mehr oder weniger attraktiv sind. Die Jahresvignette mit der gleichen Gültigkeitsdauer wie ihr Schweizer Pendant liegt bei 85,70 Euro. Daneben gibt es eine Variante für zwei Monate für 25,70 Euro und die 10-Tage-Vignette für 8,80 Euro. Bei diesen beiden muss wegen der eingeschränkten zeitlichen Gültigkeit das Reisedatum eingetragen werden – der späteste Termin für die Reise ist aktuell der 30. November 2016.
Auch für Tschechien gibt es drei unterschiedliche Vignetten: Die Jahresvignette kostet hier 57 Euro, alternativ können aber auch Vignetten für einen Monat für 17 Euro oder eine 10-Tage-Vignette für 12 Euro erstanden werden.

Ausrüstung und Proviant

Damit es trotz optimaler Bereifung nicht doch zu Zwischenfällen auf der Fahrt in den Urlaub kommt, gilt es auch hinsichtlich des Gepäcks, der Ausrüstung und des Proviants einige Dinge zu beachten. Der Winterreisen-Ratgeber des Bayerischen Rundfunks bietet außerdem eine Checkliste, damit vor der Abreise keine wichtigen Sicherheitsfaktoren vergessen werden.
Grundsätzlich gilt:
- Gepäckstücke sollten gleichmäßig im Kofferraum verteilt werden, um eine einseitige Überlastung zu vermeiden. Als maximale Stapelhöhe sollte die Oberkante der Rückenlehne gelten, ansonsten ist die Verwendung von Gepäcknetzen oder –gittern erforderlich.
- Die Wintersportausrüstung ist in einer Dachbox oder auf einem Dachgepäckträger am sichersten aufgehoben, im Fahrzeuginnenraum oder im Kofferraum muss sie mit Spanngurten fixiert werden. Auch hier ist eine gleichmäßige Gewichtsverteilung ratsam, die Maximallast der Boxen muss dabei eingehalten werden.
- Außerdem sollte der Reifendruck der höheren Belastung angepasst und dazu am besten bei vollständiger Beladung noch einmal überprüft werden. Das gilt auch für die Scheinwerfer, die im Zweifelsfall neu ausgerichtet werden sollten.
- Wichtiges Reisezubehör wie das Warndreieck, Verbandskasten und Warnwesten sollten leicht erreichbar im Auto verstaut werden, beispielsweise im Fußraum des Beifahrers oder unter dem Sitz. Mit Reiseproviant sollte ähnlich verfahren werden.
- Bei der Lebensmitteleinfuhr muss im Übrigen darauf geachtet werden, dass die Schweiz in dieser Hinsicht Beschränkungen und Verbote aufstellt. Selbstverpfleger, die einen Teil der Vorräte schon in der Heimat kaufen möchten, sollten sich daher vorab informieren. So darf beispielsweise Geflügelfleisch nicht eingeführt werden. Urlaubsgruppen sollten zudem davon absehen, alle Lebensmittel in nur einem Fahrzeug zu transportieren – bei Polizeikontrollen wird ein solches Vorgehen nicht gern gesehen.

Mit der ausreichenden Umsicht bei den Vorbereitungen des Winterurlaubs dürfte der sicheren Ankunft am Reiseziel nichts im Wege stehen – selbst längere Staus und nicht passierbare Streckenabschnitte lassen sich mit ein wenig Vorausplanung häufig umgehen.

So gut gerüstet steht dem Urlaubs-Vergnügen im Schnee dann nichts mehr im Weg. Wir wünschen schon heute viel Spaß und eine gute Anreise!
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