Nach dem Brexit: Dem Pfund könnten harte Zeiten bevorstehen

Harten Zeiten für das Britische Pfund könnten bevorstehen. (Foto: Pixabay)

SERVICE (le/fi) - Der sogenannte Brexit hat im Sommer für viel Aufregung rund um Großbritannien und die britische Währung, das Pfund, gesorgt. Standard & Poor's, die amerikanische Ratingagentur, zweifelt an der Tatsache, dass das britische Pfund noch tatsächlichen Weltreserve-Status genießt. Äußerungen, die sich London nicht gefallen lassen wird; Experten befürchten bereits Spannungen, die zwischen Washington und London entstehen könnten.

Briten sorgen sich um ihre Währung

In Großbritannien ist man sich weiterhin nicht einig, wie das Land die Europäische Union verlassen soll. Folgt man der "Daily Telegraph"-Zeitung, könnte Philipp Hammond, der britische Finanzminister, sein Amt zurücklegen, da er keinesfalls für den "harten Brexit" zur Verfügung stehe. Theresa May, die britische Premierministerin, sei hingegen für ein "Ende mit Schrecken", wenn es um die nachstehenden Verhandlungen gehe. Schlussendlich gehe es nicht nur um das zukünftige Verhältnis zur Europäischen Union, sondern auch um das Wohlbefinden des Landes. Vor allem sind es die geplanten Zuwanderungs-Regelungen, die mitunter dazu führen könnten, dass die Briten den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren. Doch die Briten kämpfen derzeit nicht nur mit der Thematik "Brexit", sondern auch mit zahlreichen Expertenmeinungen, die allesamt die Meinung vertreten, dass das Pfund weiter an Wert verlieren wird. Kathleen Brooks, Analystin vom Brokerhaus City Index, verwies darauf, dass das britische Pfund - seit dem Referendum - gegenüber dem US-Dollar rund 18 Euro und somit weit mehr als 15 Prozent einbüßte – spannende Zeiten also auch für Forex Händler.

Verliert das Pfund seinen Status als Reservewährung?

Auch die Ratingagentur Standard & Poor's hat bereits erste Anzeichen dafür erkannt, dass das Pfund seinen bisherigen Status als Weltreservewährung verlieren würde. Derzeit setzt sich der Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Euro, dem US-Dollar, dem japanischen Yen, dem chinesischen Renminbi und dem britischem Pfund zusammen. Fünf Währungen, die als Grundlage für diverse Sonderziehungsrechte dienen. Würden die Briten den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren, wäre das automatisch das Ende der britischen Währung - das Pfund würde sofort aus dem IWF fallen. Experten gehen aber auch davon aus, dass das Pfund seinen Reservestatus verlieren wird, weil der Anteil auf Pfund lautender Anleihen, die sich in den weltweiten Portfolios befinden, unter 3 Prozent gesunken ist. Das würde in weiterer Folge wieder extrem negative Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit des Landes haben. Schon Ende 2015 lag der Anteil der Pfund-Anleihen bei gerade einmal 4,9 Prozent. "Wer über eine Reservewährung verfügt, dem vertraut schlussendlich die Welt. Anleger wissen, dass sie der Währung vertrauen können. Verliert das Pfund diesen Stellenwert, verliert Großbritannien seinen Schlüsselvorteil im Weltfinanzsystem", so ein Finanzexperte.

Großbritannien gerät unter Druck

Dass sich die Staatsfinanzen Großbritanniens nicht erst seit dem "Brexit" in eine negative Richtung bewegen, ist kein Geheimnis. Schon seit Jahren beobachten Experten, dass die öffentlichen Schulden steigen; heute liegt der Wert bei rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Folgt man den Einschätzungen von Standard & Poor's, müssen die Briten in den nächsten 12 Monaten derart hohe Schulden zurückbezahlen, die die gegenwärtigen Einnahmen um 800 Prozent übersteigen. Eine Quote, die kein anderes Land erreicht. Auch erwirtschaften die Briten ein seit Jahrzehnten anhaltendes Leistungsbilanzdefizit. In den letzten Quartalen wurde ein extremer Anstieg dokumentiert; im zweiten Quartal lag man bei rund 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/geld-bargeld-englisch-briti...
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