Notaufnahmen sind strategische Partner im Kampf gegen Ebola

Aktuelles Statement von Prof. Dr. Harald Dormann, Zentrale Notaufnahme am Klinikum Fürth. (Foto: Klinikum Fürth)
Aktuelles Statement von DGINA-Tagungspräsident Prof. Dr. Dormann

NÜRNBERG/FÜRTH (pm/nf) - Die Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft und Hilfsorganisationen nehmen derzeit deutlich an Fahrt auf, um eine weitere Ausbreitung der Ebola Epidemie einzudämmen. Erste Anlaufstelle in beiden Fällen von Ebola-Infektionsfällen in den USA und Spanien waren die jeweiligen Notaufnahme-Stationen. Wie sind die deutschen Notaufnahmen vorbereitet? Ein aktuelles Statement zu Ebola aus Perspektive der Notaufnahme gibt Prof. Dr. Harald Dormann, Zentrale Notaufnahme am Klinikum Fürth, als Kongresspräsident der 9. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) e.V. im Vorfeld der Tagung, die vom 6. bis 8. November in der Meistersingerhalle in Nürnberg stattfindet.

Prof. Dr. Harald Dormann: „Die notwendigen Abläufe bei einer Infektion mit Ebola sind mit einem erheblichen logistischen Aufwand verbunden und erfordern eine enge Kommunikation zwischen den beteiligten Hygieneabteilungen der Kliniken, der Gesundheitsämter, des Rettungsdienstes, der Leitstellen, dem nationalen Referenzzentrum und der Notaufnahme. Sie unterstreichen einmal mehr die strategische Bedeutung der Notaufnahmen im Infektionsschutz der Bevölkerung.
In Deutschland stellen nationale Behörden wie das Robert Koch Institut den Gesundheitsdienstleistern die zur Identifizierung notwendige Falldefinition nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Verfügung. Diese gilt als Richtschnur bei der Abklärung möglicher Ebola-Verdachtsfälle. An diesem Punkt sind Notaufnahmen als strategischer Partner gefragt. Gerade der Weg vom Erstkontakt eines Verdachtsfalles z.B. während einer Anmeldung oder Erstsichtung im Notaufnahmeprozess bis zur Feststellung der Falldefinition stellt eine aus Sicht des Infektionsschutzes verletzliche Phase dar, auf die sich derzeit die deutschen Notaufnahmen vorbereiten.
Neben der Schulung der Mitarbeiter zur Identifikation von Verdachtsfällen werden Ablaufszenarien zum sicheren Umgang bis zur vorübergehenden Isolation und zum Abtransport in Spezialkliniken derzeit intensiv geschult. Die Vermeidung einer weiteren Kontamination in dieser Phase ist hierbei oberstes Gebot. Da nur wenige Zentren in Deutschland solche Hochrisikofälle sicher behandeln können, sind die Hauptaufgaben der meisten Notaufnahmen die Identifikation, die Isolation und die Vorbereitung des Transports. Innerklinisch werden daher je nach Kontakten des Selbsteinweisers weitergehende Schutzmaßnahmen zum Schutz anderer Notaufnahmepatienten getroffen werden müssen.
Neben einer möglichen Sprachbarriere bei Erstkontakt, die es vielleicht zu managen gilt, müssen dann jede weiteren Menschen- und Flächenkontakt ad hoc unterbunden werden. Bereits die geeignete Temperaturmessung sollte hierbei unter strengsten Schutzvorkehrungen erfolgen. Sollte ein Verdachtsfall dann als solcher bestätigt werden, ist der Patient gegebenenfalls über Stunden bis zum Abtransport in eine für die Behandlung spezialisierte Einheit in der Notaufnahme zu isolieren. Das Management einer vermeintlichen Kontamination beim Entkleiden des involvierten Personals stellt hierbei eine weitere Herausforderung dar.
Letztlich ist aber vor allem eine optimal aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit aller Partner der Rettungskette von zentraler Bedeutung, um eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung zu minimieren. Die Motivation der Mitarbeiter – nicht nur der Notaufnahmen – ist dabei aktuell unser größtes Kapital.“

Hintergrund:

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin DGINA e.V. widmet sich auf ihrem Nürnberger Jahreskongress vom 6. bis 8. November 2014unter anderem dieser Problematik mit unterschiedlichen Perspektiven auf die aktuelle Ebola-Epidemie. In einer speziellen Session werden renommierte Experten wie Prof. Dr. med. Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie, Palliativmedizin, Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum Schwabing, und Prof. Dr. med. Bernhard Fleckenstein, Direktor des Instituts für Virologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, neue Erkenntnisse zur Ebola-Epidemie vortragen. Bei einer Dekontaminationsübung erfahren die Teilnehmer zudem, worauf beim Umgang mit der Schutzausrüstung zu achten ist.
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