Rollenoffsetdruck: Die Technik, die hinter der (Tages-)zeitung steckt

Der Rollenoffsetdruck ist für hohe Auflagen und ein kleines Zeitfenster wie gemacht. (Foto: pixabay.com © Pixies (CC0 Public Domain))
 
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Gehört der Drucker zu einem der aussterbenden Berufe? (Foto: pixabay.com © ARTFOTODESIGN (CC0 Public Domain))

SERVICE (se/fi) - Viele Deutsche kommen jeden Tag mit einem Produkt des Rollenoffsetdrucks in Verbindung und wissen es gar nicht: Denn wer jeden Morgen am Frühstückstisch die Tageszeitung durchblättert, der hält das Paradebeispiel für den Rollenoffsetdruck in Händen. Die Zeitung ist nämlich ein typischer Anwendungsfall für dieses Druckverfahren, das eine große Auflage in kurzer Zeit ermöglicht. Wo sich der Rollenoffsetdruck in den Weiten der Drucktechnik einordnen lässt und welche Vorteile er darüber hinaus bietet, soll der folgende Beitrag erläutern.

Grundprinzipien der Drucktechnik

In der Druckbranche werden drei grundsätzliche Drucktechniken unterschieden:
1.) Die Fläche des zu bedruckenen Materials wird gegen die Druckformplatte gedrückt. (Stichwort: Fläche gegen Fläche)
2.) Die Druckform bewegt sich unter einem sich drehenden Zylinder. (Stichwort: Zylinder gegen Fläche)
3.) Der Bedruckstoff wird zwischen der zylinderförmigen Druckform und dem zylinderförmigen Bedruckkörper hindurchgeführt. (Stichwort: Zylinder gegen Zylinder)
In diese drei Hauptkategorien lassen sich die gängigsten Druckverfahren eingruppieren, die sich wiederum in die folgenden Druckverfahren untergliedern lassen, wie die folgende Übersicht zeigt:

Hochdruck
Das Hochdruckverfahren hat mit Abstand den berühmtesten Schöpfer, denn Johannes Gutenberg steht wahrlich mit seinem Namen für die Hochdrucktechnik, die sich rasch verbreitete und beim Buchdruck Anwendung findet. Der Hochdruck kann mit allen drei bereits erläuterten Drucktechniken angewandt werden. Sonderformen, die sich aus dem klassischen Hochdruck heraus ergeben haben, sind: der Buchdruck, das Letterset und der Flexodruck. Ein sowohl bekanntes als auch altes Beispiel des Flexodrucks ist der Stempeldruck.

Tiefdruck
Gedruckt wird – wie der Name schon vermuten lässt – in Vertiefungen, sogenannten Näpfchen. Anwendung findet der Tiefdruck bei Massendrucksachen, Dekoren, Tapeten oder in der Möbelindustrie. Ein weiteres Tiefdruckverfahren ist der Tampondruck, der oft für das Bedrucken von Werbemitteln verwendet wird.

Flachdruck
Der Flachdruck, bei dem nichtdruckende und druckende Teile zusammenwirken, um ein Druckergebnis zu erzielen, ist die Kategorie, in die sich auch der Offsetdruck eingruppieren lässt, der wiederum in Bogen- und Rollenoffset unterteilbar ist, wie eine spätere Unterscheidung zeigen wird.

Durchdruck
Die wohl bekannteste Durchdruck-Variante ist der Siebdruck, bei dem Druckfarbe durch ein textiles Gewebe gedruckt wird. Der Vorteil des Siebdruckverfahrens liegt in der großen Bandbreite der Materialien, die so bedruckt werden können.

Darüber hinaus gibt es die Frottage-Durckvariante, die älteste Druckvariante im Farbdruck, die Pigmentfotografie, der Schablonenkunst mit der Bezeichnung „Pochoir“, den Prägedruck, den Zerrdruck sowie elektronische Druckverfahren (Thermodirektdruck, Thermotransferdruck, Thermosublimationsdruck, Laserbeschriftung).

Techniken und Varianten des Offsetdrucks

Wie bereits eingangs erwähnt, ist der Offsetdruck ein indirektes Flachdruckverfahren. Indirekt ist das Verfahren deswegen, weil keine Druckplatte zum Einsatz kommt, sondern eine Walze. Der Offsetdruck ist ein altes Druckverfahren, das auf das Steindruckverfahren zurückgeht, welches der Komponist Alois Senefelder im 18. Jahrhundert zur Vervielfältigung seiner Notenblätter nutzte. Technisch möglich werden sollte das Druckverfahren dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts als die ersten beiden Prototypen entstanden. Heute ist der Offsetdruck daran erkennbar, dass zwischen Papier und Druckplatte ein Zylinder gespannt ist, der mit einem Gummituch ausgerüstet ist. So kann die Druckfarbe indirekt übertragen werden, was dabei hilft, auch bei großen Auflagen in gleichbleibend hoher Qualität zu drucken. Rein technisch betrachtet wird pro Druckfarbe eine Druckplatte erstellt.

Grundsätzlich werden beim Offsetdruck zwei verschiedene Druckvarianten unterschieden, mit denen auf Papier gedruckt werden kann:
Der Rollenoffsetdruck. Der Rollenoffsetdruck, bei dem das Papier über eine große Papierrolle in den Druckvorgang gegeben wird, wird immer dann eingesetzt, wenn es sich beim Druckprojekt um eine mittlere bis hohe Auflage (ab 50.000 Exemplaren) handelt. Auch kurze Produktionszeiten sind beim Rollenoffsetdruck kein Problem. Rollenoffsetdruck bei Neef Stumme wird in erster Linie für den Druck von Zeitschriften, Broschüren und Katalogen angefragt. Beim Zeitungsdruck hat sich der Rotationsdruck mittlerweile bewährt.
Der Bogenoffsetdruck. Hier wird das Papier im gewünschten Papierformat in Bögen zugeführt. Bei Auflagen zwischen 1.000 und 50.000 Exemplaren ist der Bogenoffsetdruck die häufigste Druckvariante.

Exkurs: Die Druckindustrie heute

Dass es in der Druckindustrie zu einem Wandel kommt, liegt auf der Hand, denn neben dem klassischen Zeitungsabonnement bieten mittlerweile viele Verlage zusätzliche Media-Pakete an, die sowohl Online-Artikel umfassen als auch crossmedialen Mehrwehrt wie Videos etc. enthalten. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung hat folglich ergeben, dass unter diesen Voraussetzungen auch das jährliche Druckvolumen zu sinken beginnt.
„Strukturwandel in der Druckindustrie“ lautet der Titel der 2013 veröffentlichten Ergebnisstudie, die kein rosiges Bild für die klassische Druckindustrie zeichnet: Das Druckvolumen sinkt, Betriebe in der Druckindustrie werden weniger, die Zahl der Auszubildenden sinkt. Dies bestätigt auch eine offizielle Information seitens des Bundesverbandes Druck und Medien.
Doch auch über einzelne Druckverfahren wird im Rahmen der Studie berichtet: Der Rollenoffsetdruck konnte seine Position verteidigen. Zudem zeigt sich eine Neuling auf dem Markt: der Digitaldruck. Warum? Dieses Druckverfahren eignet sich insbesondere für kleinere Auflagen, die heute zunehmend häufiger nachgefragt werden. Auch lassen sich Individualisierungen im Digitaldruck am ehesten durchführen. Der Digitaldruck ist auch eine Antwort auf den E-Book-Trend, denn mittels dem Digitaldruckverfahren lassen sich E-Books als „print-on-demand“-Variante kostengünstig zur Verfügung stellen. Doch nicht die ganze Welt spricht online, denn Tageszeitungen werden nach wie vor abonniert und sogar 5.000 Surftipps aus dem Internet werden in Printform verlegt.
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