Shisha-Bars in Deutschland: Hat der Boom bald ein Ende?

Hochgenuss: In Shisha-Bars stehen die orientalischen Wasserpfeifen im Mittelpunkt. (Foto: Andreas Döbeling / pixelio.de)
 
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SERVICE (ro/fi) - Wenn in Shishas-Bars ein süßer Duft die Raumluft prägt, sind die Kunden zufrieden. Der Andrang in den Lokalen mit klassischen Shishas ist enorm - egal ob in Berlin oder anderen Metropolen des Landes. Nachdem der jüngste Beschluss des Bundestags zur EU-Tabakrichtlinie lediglich E-Shishas und E-Zigaretten direkt betrifft, dürfen Konsumenten die traditionellen Wasserpfeifen zunächst wie gewohnt nutzen. Betreiber von Shisha-Bars, die sich derzeit noch über den eindrucksvollen Besucherstrom freuen, fürchten jedoch, dass Aromastoffe für den nötigen Tabak künftig verboten werden könnten.

Massenweise Shisha-Bars – Wachstum beim Wasserpfeifentabak-Absatz

Während vor über zehn Jahren die ersten Shisha-Bars in Berlin eröffneten, um die Tradition mit arabischem Ursprung in Deutschland zu etablieren, bekommen die Vorreiter des mittlerweile massiven Booms heute viel Konkurrenz. Schätzungsweise sind es allein in der deutschen Hauptstadt mindestens 100 Shisha-Bars. Die genaue Zahl können weder Industrie- und Handelskammer noch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband feststellen. Da die Gewerbeämter diese nicht separat erfassen, können die Bars nicht konkret gezählt werden. Neben den Shisha-Bars gibt es noch weitere Angebote speziell für Raucher, wie zum Beispiel Zigarren-Lounges.

Die Chance mit Shishas-Bars Geld zu verdienen, scheint zu verlockend, sodass sich viele Gründer mit ein wenig Eigenkapital dafür entscheiden. Sollte es mit den Kunden nicht gleich klappen, ändern einige einfach ihren Standort und versuchen ihr Glück an anderer Stelle. Die Bars selbst gleichen längst nicht immer verrauchten Hipsterkneipen mit abgetragenen Sitzgelegenheiten. Im Gegenteil: Einige Lokale beweisen mit exklusiver Ausstattung und modernstem technischem Equipment inklusive durchdachter Klimatisierungsanlagen, dass einige Barbesitzer jede Menge Kapital investieren, um die Kundschaft langfristig zu binden. Eine kurzfristige Planung ist Gründern dennoch zu empfehlen, denn Branchenkenner rechnen damit, dass sich die Gesetzeslage für Shisha-Bars in den kommenden Jahren verschärfen könnte. Dies betreffe nicht nur die Tabakauswahl, sondern gleichzeitig das Nichtraucherschutzgesetz.

Vielversprechend scheint die Branche allemal. Das Statistische Bundesamt stellt im Rahmen der Tabakmarktzahlen seit längerem ein Wachstum des „Pfeifentabak“-Postens im zweistelligen Bereich fest. Da Shisha-Tabak unter diesen Posten fällt, scheint sich ein stetig zunehmender Nischenmarkt entwickelt zu haben. Erst im Jahr 2015 stieg der Absatz um rund 28 Prozent. Insgesamt wurden 1.732 Tonnen verkauft. Während der klassische Pfeifentabak rückläufige Zahlen vorzuweisen hat, handle es sich bei diesem Wachstum ausschließlich um Tabak für Wasserpfeifen. Dies bestätigt Chef des Verbands der deutschen Rauchtabakindustrie Michael von Foerster. Shisha-Tabak wird in diversen Geschmackrichtungen verkauft und ist aufgrund der Vielfalt exotischer Aromen sehr beliebt. Insbesondere jungen Menschen sind von Geschmäckern begeistert wie:
- Wassermelone
- Ananas
- Pfirsich
- Mojito
- Doppelapfel
- Lemon Ice

Da ständig neue Aromen auf den Markt geworfen werden, haben Konsumenten immer wieder neue Entdeckungen zu machen. Der Genuss scheint kein Ende zu nehmen.

Verbot für Aromen

Doch die Freude über das Branchenwachstum ist gedämpft. Obwohl das EU-Aromaverbot vorerst nicht auf Shishas zutrifft, fürchtet die Branche künftig auch hier Einschränkungen. Shisha-Befürworter sind sich aber einig, dass auch ein derartiges Verbot die Shisha-Kultur nicht zerstören, sondern sich der Konsum vielmehr verlagern wird. Viele Konsumenten schaffen sich eigene Shishas für den Konsum an, um zuhause in geselliger Runde Wasserpfeife zu rauchen. Gut sortierte Shisha-Onlineshops wie Smokestars machen die bequeme Bestellung möglich. Der Tagesspiegel zitierte den Sprecher der Deutschen Shisha Vereinigung Erdal Zorsöker, der sich von möglichen Verboten wenig beeindrucken lässt: „Irgendwann werden Aroma-Verbote wohl kommen, aber dann mischen wir Tabak und Aromen eben selbst.“

Hinsichtlich gesundheitlicher Risiken ist der Einkauf von Tabak aber ausschließlich bei Händlern anzuraten, welche Markenware verkaufen, die alle gesetzlichen Vorschriften in Bezug auf die Inhaltsstoffe einhalten. Von illegal eingeführter Ware aus dem Ausland ist Abstand zunehmen. Das bestätigt auch die Generalzolldirektion. Viele Produkte sind mit Glycerin oder Nagellackentferner verunreinigt. Insgesamt wurden beispielsweise im Jahr 2014 insgesamt 23 Tonnen Schmuggelware beschlagnahmt. 2013 konnte der Zoll sogar 95 Tonnen illegal eingeführter Ware sicherstellen.

Es bleibt abzuwarten inwiefern sich die Shisha-Branche künftig anpassen muss. Die Einschätzung, dass die Politik in nächster Zeit auch Wasserpfeifen ins Visier nehmen wird, dürfte sich bewahrheiten.
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