Sind Unternehmer auf die Generation Z vorbereitet?

Bei der Vorstellung des Gesundheitsreports Bayern 2016 (v.l.) Andreas Haupt, Auszubildende und Mitglied der Generation Z, Mareike Rösler, sowie Prof. Dr. Christian Scholz. (Foto: John R. Braun)

REGION (pm/vs) - Husten, Schnupfen und Co. haben die Arbeitsunfähigkeitszahlen 2015 in Bayern nach oben getrieben. Auch junge Erwerbstätige zwischen 15 und 19 Jahren sind durchschnittlich mehr als zweimal pro Jahr krankgeschrieben. Hauptursachen sind Bluthochdruck, Rückenschmerzen und Depressionen. Die höchsten Fehlzeiten haben Berufsstarter ohne Schulabschluss. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport Bayern der BARMER GEK.

4,5 Prozent der Auszubildenden in Bayern haben der Studie zufolge Bluthochdruck, Diabetes oder eine Fettstoffwechselstörung. Bundesweit sind es 4,82 Prozent der jungen Erwerbstätigen. 36 Prozent der 16- bis 30-Jähigen leiden an Muskel-Skelett-Erkrankungen, 16 Prozent schmerzt explizit der Rücken. Knapp 25 Prozent der 16- bis 30-Jährigen bekam mindestens einmal eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Bei den Krankmeldungen unterscheiden sich Berufsanfänger in Bayern deutlich von älteren Arbeitnehmer. Auszubildende im Alter von 15 bis 19 Jahren fallen durchschnittlich zweimal pro Jahr aus. Der Krankenstand von Berufsanfängern liegt bei 3,4 Prozent. Das sind 12,4 Arbeitsunfähigkeitstage.

Betriebliches Gesundheitsmanagement muss passgenaue Angebote machen

Der Report der BARMER GEK zeigt auch Unterschiede zwischen Studierenden und jungen Berufstätigen auf. Akademiker leiden häufiger unter psychischen Problemen, junge Arbeitnehmer haben eher körperliche Beschwerden. „Viele Unternehmen unterschätzen die gesundheitlichen Probleme ihrer jungen Mitarbeiter. Doch Diagnosen wie Bluthochdruck und Rückenschmerzen, die wir schon heute bei den Jungen feststellen, können in einigen Jahren ernsthafte Folgeerkrankungen mit langen Fehlzeiten verursachen“, sagt BARMER GEK Hauptgeschäftsführer Andreas Haupt. „Das betriebliche Gesundheitsmanagement muss daher auch passgenaue Angebote für junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen“.

„Generation Z“ mit höherem Gesundheitsbewusstsein


Auffällig ist, dass die ab 1990 Geborenen, die „Generation Z“, von gesundheitlichen Beschwerden tendenziell weniger betroffen sind als die 30-Jährigen. Prof. Dr. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes und Autor des Buches "Generation Z - Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt" führt das auf das gesteigerte Gesundheitsbewusstsein der Generation Z zurück, die durch ihren Lebensstil Stress zum Teil kompensieren kann. Unternehmen könnten sich dieses Verhalten zunutze machen.

Die „Generation Z“ als Chance für die Betriebe


Unsere Arbeitswelt ist geprägt von Stress, physischer und mentaler Überforderung. Hier tritt die „Generation Z“ als vielversprechender Akteur auf, denn die ab 1990 Geborenen trennen klar zwischen Beruf- und Privatleben, gehen aber dennoch in beidem auf, nutzen Zeit effektiver, um so Stress zu reduzieren und die Lebensqualität erhöhen. „Die Generation Z kann als ein unbewusstes, automatisches betriebliches Gesundheitsmanagement betrachtet werden“, so Prof. Dr. Christian Scholz. Doch statt das zu nutzen orientiert sich die Industrie 4.0 noch an der Generation Y, setzt auf Großraumbüros, Desksharing und Vertrauensarbeitszeit – was die Generation Z ablehnt. „Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es aber unausweichlich, sich mit den Bedürfnissen der Generation Z auseinanderzusetzen, und letztlich auch vielversprechend. Denn sie hat ein positives Verhältnis zur eigenen Gesundheit und kann das im Betrieb leben und weitergeben.“

Auszubildenden ohne Schulabschluss fehlen am Meisten

Die höchsten Fehlzeiten haben Auszubildende ohne Schulabschluss, beziehungsweise Mittelschul- oder Volksschulabschuss. Sie waren 2015 durchschnittlich mehr als 20 Tage pro Jahr krankgeschrieben. Auszubildende mit Abitur fehlen selten. Die geringsten Fehlzeiten mit durchschnittlich 13 Fehltagen hatten Beschäftigte mit technisch- naturwissenschaftlichen Berufen, sowie mit Medien-, geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Berufen ermittelt. Bei Auszubildenden mit körperlich belastenden Tätigkeiten wie bei Chemie- und Metallberufen, Ernährungsberufen oder in Bau- oder Lagerberufen häufig von höheren erkrankungsbedingten Arbeitsunfähigkeitszeiten betroffen sind. „Es ist wichtig, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern wir müssen auch Ursachenforschung betreiben, um gemeinsam mit den Unternehmern die richtigen Weichen für ein gesundes Berufsleben der Generation Z zu stellen“, so Haupt.
1 Kommentar
6
Anne-Katrin Meyer aus Bayern | 22.12.2016 | 10:33   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.