Sportwetten in Deutschland: Blick auf die aktuelle Rechtslage

Nicht nur auf dem Spielfeld spannend: Onlinewetten und Fußball sind heutzutage eng miteinander verknüpft. (Foto: pixabay.com © jarmoluk)
 
Onlinewetten sind heutzutage längst Gang und Gäbe, allerdings gibt es auch hier immer wieder schwarze Schafe. (Foto: pixabay.com © BarnImages)

SERVICE (se/fi) - Wer schon einmal ein Fußballspiel gesehen hat, der hat sicherlich auch schon einmal von den großen Anbietern für Sportwetten gehört. Darunter fallen beispielsweise Bwin oder Tipico, die in den Medien besonders stark präsent sind. Hinzu kommen außerdem etliche neue Wettbüros, die durch die Veränderungen im Lizenzbereich in Deutschland und der EU auf dem Markt vertreten sind. Gerade in den vergangenen Jahren ist die Branche immens gewachsen und kann mittlerweile auf einen Kundenstamm blicken, der weltweit mehrere Millionen umfasst.

Gründe für den Erfolg der Anbieter

Dass Sportwetten in der Gesellschaft so präsent sind und es vermutlich in Zukunft auch bleiben werden, ist nicht weiter verwunderlich. Jedoch wurde diese Entwicklung insbesondere in den letzten Jahren nicht mehr nur von den Kunden, sondern auch stark von der Politik beeinflusst. Dies begann Anfang der 2000er Jahre, als der staatliche Anbieter Oddset erstmals über eine nötige Lizenz verfügte und darauf basierend eine Monopolstellung aufbaute. Der Anbieter selbst wird von dem deutschen Lotto- und Toto-Block geführt. Die somit staatlich gelenkte Sportwettenbranche konnte bereits im nächsten Jahr einen starken Umsatz von über 500 Millionen € für sich verbuchen – nachdem jedoch Onlinewetten und dementsprechend eine starke Konkurrenz hinzukamen, schrumpfte das Volumen kontinuierlich. Dies brachte eine Reihe von Entwicklungen mit sich, die zu einem Umbruch auf dem deutschen Wettmarkt führten. Letztendlich entschied der europäische Gerichtshof 2010, dass das staatliche Monopol gegen geltendes EU-Recht verstößt.

Laut des Deutschen Lotto- und Totoblocks ist der Umsatz von insgesamt 511 Millionen € im Jahr 2005 auf nur noch 134,1 Million € im Jahr 2010 gesunken. Allerdings ist es nicht nur die Konkurrenz, die dem staatlichen Anbieter zu schaffen machte, sondern auch das eigene fehlende Onlineangebot spielte eine wichtige Rolle. Zwar ist es mittlerweile auch hier möglich, den Wettschein online auszufüllen, trotzdem müssen Spieler aber noch immer zu Annahmestelle gehen.

Sind Online-Sportwetten legal?

Viele Spieler, die sich den Umweg sparen und stattdessen einfach im Internet Sportwetten betreiben, fragen sich, ob dies überhaupt komplett legal ist. Diesbezüglich weist die Bundesregierung immer wieder auf den sogenannten Glücksspielstaatsvertrag hin, der vorschreibt, dass ausschließlich staatlich lizenzierte Anbieter eben jene Wetten anbieten dürfen. Dennoch beantwortet dies nicht zwangsläufig die Frage, ob sich Verbraucher strafbar machen – denn Fakt ist, dass sich der Staatsvertrag nur auf deutsche Unternehmen bezieht. Sitzt also ein Anbieter nicht in Deutschland, sondern stattdessen in Malta und legt sich dort eine Lizenz zu, die der Kunde wiederum in Deutschland nutzt, so befindet man sich bereits in einer schwierigen Grauzone. Derzeit gibt es für diesen Fall noch keine genauen rechtlichen Bestimmungen und gerade das wird im Bereich der online Sportwetten ausgenutzt.

Generell sollten Lizenzen aus Malta oder auch Gibraltar jedoch nicht direkt als unseriös abgetan werden. Denn tatsächlich haben sich die beiden Mittelmeerstaaten in den letzten Jahren sowohl als vorbildliche wie auch strenge Lizenzgeber erwiesen. So vergibt die Lotterie & Gaming Authority in Malta beispielsweise Genehmigungen in vier Klassen. Grundvoraussetzung ist zunächst, dass die Anbieterfirma im Land ansässig sein muss, wobei die Kosten für eine Lizenz relativ human sind (sie liegen bei knapp 100.000€). Weiterhin prüft die dortige Aufsichtsbehörde, wie es um die Integrität der Antragsteller bestellt ist. Generell sollten Nutzer aber in jedem Fall auf einige wichtige Merkmale achten, wenn sie nach seriösen Online-Anbietern suchen:
• Lizenzen sind das deutlichste, äußere Qualitätsmerkmal eines Sportwettenanbieters
• Große Onlineanbieter basieren auf einem Firmenmodell und müssen sich nicht hinter herkömmlichen Unternehmen verstecken. Viele seriöse Sportwettenanbieter sind außerdem auch an der Börse gelistet.
• Weiterhin gibt es verschiedene unabhängige Prüfinstitute, die die Sicherheit der Anbieter beurteilen und mithilfe eines Prüfsiegels herausstellen. Dazu gehören beispielsweise eCogra oder der TÜV
• etliche große Onlinebuchmacher engagieren sich mittlerweile außerdem stark im Spitzensport, sie sind bei zahlreichen großen Vereinen und Verbänden zu finden.
• Auch das soziale Engagement ist ein wichtiges Kriterium und wird immer häufiger praktiziert.
• Vorsorge und Betreuungsmaßnahmen gehören zum Standard vieler großer Onlineanbieter. Auf diese Weise sollen Kunden selbst im Fall einer Spielsucht korrekt betreut werden. Anbieter wie Bwin investieren diesbezüglich sogar in verschiedene Forschungsprojekte.
• Auch Vergleichsseiten können einen ersten Überblick bieten. Portale wie das Sportwetten Bonus Portal geben Ratings basierend auf Kundenbewertungen heraus, vergleichen verschiedene Boni der Anbieter und schreiben zudem über viele allgemeine Informationen und aktuelle Neuigkeiten in der Branche.

Aktuelle Lage

Im Jahr 2015 dürften nach Schätzungen mehr als 4,5 Milliarden € bei Sportwetten umgesetzt werden. Dafür sorgen die etwa 4500 Sport Wettbüros, die in ganz Deutschland zu finden sind, viele von ihnen sind noch relativ neu auf dem Markt. Knapp 130 von ihnen bieten ihr Angebot auch online an und immerhin 16 von 18 Bundesliga-Clubs werden von Wettanbieten gesponsert – hier zeigt sich bereits sehr deutlich, wie enorm der Markt noch immer wächst, wenngleich das derzeitige Angebot keineswegs immer legal ist. Derzeit tun sich bezüglich der Lizenzvergabe große Probleme auf, denn die Sportwetten-Regulierung in Deutschland gilt mittlerweile als komplett gescheitert – dies machte zuletzt auch der Hessische Verwaltungsgerichtshof deutlich, der die bisherige Lizenzvergabe für verfassungswidrig erklärte. Demnach sei das Vergabeverfahren sowohl fehlerhaft als auch intransparent, ein Anfechten des Urteils ist im Nachhinein nicht mehr möglich.
Was hat Hessen mit der Glücksspielbranche zu tun?
Nach dem Inkrafttreten des Ersten Glücksspieländerungsstaatsvertrags im Jahr 2012 ist das Land Hessen für die Lizenzvergabe zuständig. Privaten Sportwettenanbietern war es fortan möglich, sich ebenfalls um eine Konzession in Deutschland zu bewerben. Allerdings blieb die Anzahl fürs Erste auf 20 beschränkt. Eben diese mittlerweile lizensierten Anbieter – darunter beispielsweise Bwin, Digibet oder Bet-at-Home.com – haben ihre Lizenz nach Auffassung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs jedoch durch ein Vergabeverfahren erhalten, das in dieser Form nicht tragbar und daher verfassungswidrig ist.
Derzeit scheint die Regulierung des Marktes durch diesen Entscheid abermals in weite Ferne zu rücken und lässt sowohl Anbieter als auch Spieler ratlos zurück. Wie sich der Markt regulieren soll, ist aus Sicht von Lotto Hessen aber bereits spruchreif. Demnach sei der Schwarzmarkt nur in den Griff zu bekommen,
„wenn wir endlich eine kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes zulassen. Jeder Anbieter, der die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, soll anbieten dürfen; alles andere geht an der Lebenswirklichkeit vorbei“,
so ein Statement des Geschäftsführers Heinz-Georg Sundermann, der in folgendem Artikel seine Meinung zur Problematik bekanntgab.
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