Telefónica will Bewegungsdaten von Kunden verkaufen

Die eigenen Daten schützen: Nutzer von mobilen Endgeräten sollten vorsichtig sein. (Foto: © visivasnc - Fotolia.com)

SERVICE (le/fi) - Nachdem sich der Telefónica Telekommunikationskonzern 2012 noch die Finger verbrannte, als bekannt wurde, Bewegungsdaten der Kunden an Behörden und Unternehmen verkaufen zu wollen, scheint das Vorhaben jetzt in die Tat umgesetzt zu werden. Das neue Konzept bietet nur eine geringe Angriffsfläche für Datenschützer. Zudem lockt der spanische Konzern mit Rabatten: Kunden, die der Nutzung ihrer eigenen Bewegungsprofile zustimmen, erhalten mitunter sogar bessere Konditionen.

Telefónica scheint aus Fehlern gelernt zu haben

Abermals startet der spanische Konzern Telefónica den Versuch, die Bewegungsdaten der Kunden an Behörden und auch Unternehmen zu verkaufen. 2012 geriet der Konzern in das Kreuzfeuer der Kritik; nachdem Datenschützer heftig gegen das Vorhaben wetterten, wurde die Geschäftsidee wieder zurückgezogen. Nun, vier Jahre später, startet der Konzern einen neuerlichen Versuch, wobei diesmal vor allem Wert auf die Anonymität der Kunden gelegt werden soll. "Noch einmal verbrennen wir uns nicht die Finger", so Thorsten Dirks, Vorstandsvorsitzender von Telefónica Deutschland. "Ich habe gelernt, dass alles, was mit Datenschutz zu tun hat, extrem kritisch ist". Derzeit führt Telefónica 49 Millionen Kunden; diese dürfen sich, wenn sie der Nutzung ihrer Daten zustimmen, demnächst über bessere Konditionen freuen. "Wenn wir die Daten verwenden dürfen, dann werden wir uns natürlich erkenntlich zeigen", so Dirks. Trotzdem dürften viele Kunden aufgrund der Unsicherheit demnächst vor Neuverträgen mit Telefónica zurückschrecken und Ihre alten Verträge kündigen.

Dreistufiger Algorithmus gewährleistet Anonymität der Kunden

In den letzten Jahren war Telefónica mit der Schaffung eines dreistufigen Algorithmus beschäftigt, der die Kundendaten anonymisiert; das spezielle Verfahren wurde bereits mit den zuständigen Behörden abgestimmt. "Wir befinden uns nun endlich in der finalen Phase, sodass wir starten können". Mit den Nutzungsdaten der Kunden können exakte Bewegungsprofile erstellt werden. Erste Tests wurden bereits von einer deutschen Handelskette durchgeführt. Auch Shopping-Center-Betreiber möchten natürlich wissen, wie Kundenströme durch ihr Einkaufszentrum verlaufen und zeigen immer wieder Interesse an unterschiedlichen Kundendaten. Der Wunsch, die Kunden noch besser kennenzulernen und so auf ihre Bedürfnisse und Vorstellungen eingehen zu können, könnte demnach bald Realität werden.

Rabatte helfen bei der Entscheidung

Doch welche Daten darf Telefónica verwenden und in weiterer Folge verkaufen? "Der Kunde entscheidet selbst, welche Daten wir bekommen. Das bedeutet, dass wir unseren Kunden die Herrschaft über ihre eigenen Daten überlassen", so Dirks. Dieser Aspekt sei es auch, der mitunter den Markt revolutionieren könnte. Die Kunden entscheiden also selbst, ob sie ihre Daten zur Verfügung stellen wollen oder nicht. Natürlich versucht Telefónica die Entscheidung zu erleichtern. "Stellen unsere Kunden die Daten zur Verfügung, belohnen wir diese mit Rabatten oder besseren Konditionen", so Dirks.

Auf der "Entscheidungsseite" den Status ändern

Auf den ersten Blick ist es derzeit jedoch nicht erkennbar, welche Daten von Telefónica an Unternehmen oder Behörden verkauft werden. Kunden, die der Sache nicht zu 100 Prozent vertrauen, können auf die "Entscheidungsseite" der Telefónica GmbH klicken und überprüfen, ob ihre Daten bereits gesammelt werden oder nicht. Nach Eingabe der Telefonnummer scheint auf, ob bereits ein Zugriff erfolgte. Kunden können dem Unternehmen - mit Änderung des persönlichen Status - jedoch das Abfangen und die weitere Verwendung der Daten untersagen. Zu beachten ist, dass der Vorgang, bis er tatsächlich umgesetzt wurde, bis zu 24 Stunden in Anspruch nehmen kann. Wer seine Daten keinesfalls weitergeben möchte, sollte daher so schnell wie möglich seinen Status auf der "Entscheidungsseite" von Telefónica ändern.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.