Von Beginn an: Die richtige Absicherung für Freiberufler

Ohne Krankenversicherung geht es auch für Freiberufler nicht. (Foto: blickpixel (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)
 
Künstler können sich unter Umständen in der Künstlersozialkasse versichern lassen. (Foto: FirmBee (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)
 
Geld für das Alter sollten Freiberufler rechtzeitig beiseite legen. (Foto: geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

SERVICE (se/fi) - Der Start in das Berufsleben als Freiberufler erfordert einige Vorbereitung. Nicht nur ist es wichtig, den eigenen Status als Freiberufler zu kennen, sondern auch die Absicherung zu klären. Ist bereits klar, dass der eigene Beruf in die Gruppe der Freiberufler fällt, müssen Selbständige kein klassisches Gewerbe anmelden. Dies spart etwas Zeit und Mühe, was jedoch keinesfalls zur Untätigkeit verleiten sollte. Damit der Start in die Freiberuflichkeit gelingt und auch im Ernstfall eine solide Absicherung besteht, brauchen Selbständige einige Versicherungen, die sie vor Risiken schützen.

Die Krankenversicherung sicherstellen

Jeder Deutsche ist seit dem 1. Januar 2009 dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen und auch Freiberufler sind hiervon nicht ausgenommen. Ohnehin wäre es fahrlässig, auf eine entsprechende Versicherung zu verzichten, denn auf Schutz im Krankheitsfall sind die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens angewiesen.

Grundsätzlich haben Freiberufler die Wahl, sich in der gesetzlichen oder auch der privaten Krankenversicherung versichern zu lassen. Oft jedoch herrscht Unsicherheit, was die richtige Wahl betrifft, denn die Berechnung von Beiträgen gestaltet sich nicht immer transparent. Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben möchte, kann dies als Freiberufler selbstverständlich tun. Wichtig zu wissen ist es hier, dass sich die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung am tatsächlichen Gewinn des Freiberuflers orientieren. Problematisch kann das werden, wenn die Einkünfte während der Startphase noch recht gering sind, denn auch dann setzen die meisten Krankenkassen ein Mindesteinkommen von 2.178,75 Euro an. Der Versicherte zahlt dann mehr als 300 Euro für seine Krankenversicherung und muss zusätzlich für eventuelle Zusatzbeiträge aufkommen. Wer diesen Betrag nicht aufbringen kann, sollte sich auch mit der sogenannten Härtefallregelung auseinandersetzen. Diese richtet sich an Personen mit einem geringen Einkommen. Nach der Beantragung der Einstufung als Härtefall senken die Krankenkassen die Mindestbemessungsgrundlage auf 1.452,50 EUR, womit der monatliche Beitrag sinkt. Hierfür gibt es jedoch einige Voraussetzungen zu erfüllen. Um als Härtefall eingestuft werden zu können:

- muss der Freiberufler beitragspflichtige Einnahmen von weniger als 2178,75 Euro nachweisen.
- darf die Hälfte des gemeinsamen Einkommens des Freiberuflers und seines Lebenspartners diesen Betrag ebenfalls nicht überschreiten.
- darf der Freiberufler nicht über Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietungen oder auch Verpachtungen verfügen.
- muss das Vermögen des Freiberuflers und auch das seines Partners weniger als 11.620 Euro betragen.
- darf der Freiberufler keine Angestellten beschäftigen. Maximal erlaubt ist eine geringfügig beschäftigte Kraft.

Um Geld zu sparen, ziehen viele Freiberufler auch den Wechsel in die private Krankenversicherung in Betracht. Die Beiträge der PKV orientieren sich nicht am Einkommen des Versicherten, sondern errechnen sich anhand der Leistungen, die die Versicherung erbringt. Daher empfiehlt krankenkasse-vergleich.de zu Beginn den Abschluss einer Versicherung, die lediglich die Grundversorgung deckt, da sich hierdurch die Kosten in einem niedrigen Bereich halten lassen. Der Eintritt in die PKV sollte jedoch wohlüberlegt sein. Auch wenn die Beiträge zu Beginn recht niedrig sind, steigen diese mit dem Alter des Versicherten an. Für Privatversicherte kann es außerdem sehr schwierig sein, den Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu finden. Es lohnt sich daher, diese Entscheidung detailliert zu überdenken und gegebenenfalls auch eine Beratung in Betracht zu ziehen.

Eine besondere Ausnahme für Freiberufler in künstlerischen Berufen stellt die Künstlersozialkasse dar. Hier versichern sich alle Freiberufler, die sich mit künstlerischen und publizistischen Tätigkeiten auseinandersetzen. Die Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung berechnen sich dann anhand des tatsächlichen Einkommens, genau wie bei einem Angestellten. Vorteilhaft ist auch, dass Versicherte in der Künstlersozialkasse deutlich niedrigere Beiträge zahlen. „Für die Freien Berufe, die über die Künstlersozialkasse versichert sind, gilt die Sonderregelung, dass diese nur die Hälfte der Beiträge leisten müssen. Die andere Hälfte der Beiträge wird über einen Zuschuss durch den Bund finanziert. Damit werden diese Berufsgruppen der Freiberufler im Bereich der Krankenversicherung mit einem normalen Arbeitnehmer gleichgestellt.“ (Quelle: https://www.fuer-gruender.de/wissen/unternehmen-gruenden/versicherung/freiberufler/)

Rentenversicherung wichtig für die Altersvorsorge

Auch wenn die Rente zu Beginn der freiberuflichen Tätigkeit fern erscheint, sollten Selbständige frühzeitig mit der Vorsorge für das Alter beginnen. Hier muss zwischen verschiedenen Berufsbildern unterschieden werden, da manche Freiberufler einer Kammer angehören und somit dazu verpflichtet sind, eine Rentenversicherung abzuschließen. Zu diesen Berufen zählen unter anderem Apotheker, Ärzte, Notare, Steuerberater und auch Rechtsanwälte. Zusätzlich sorgt der Staat für den Schutz von Freiberuflern, die keiner Kammer angehören, indem er für bestimmte Berufsgruppen die Mitgliedschaft in der Gesetzlichen Rentenversicherung zur Pflicht macht. Dies gilt unter anderem für Lehrer, Krankenpfleger und Hebammen. Die bereits erwähnten Versicherten der Künstlersozialkasse zahlen ebenfalls in die Gesetzliche Rentenversicherung ein.

Wer jedoch nicht zu den Kammerberufen oder zu Künstlern und besonders schutzbedürftigen Freiberuflern zählt, sollte sich unbedingt selbst um die Altersvorsorge kümmern. Hat der Freiberufler in vorherigen Angestelltenverhältnissen bereits Beiträge in die Gesetzliche Rentenkasse eingezahlt, verfallen die Ansprüche hieraus selbstverständlich nicht. Es kann sich sogar lohnen, weiterhin in die Gesetzliche Kasse einzuzahlen, um die Basisrente zu erhöhen. Sich auf die gesetzliche Rente alleine zu verlassen, birgt jedoch ein Risiko, denn oft genügen die ausgezahlten Summen im Alter nicht, um den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

Alternativen, die die Altersvorsorge auch auf private Maßnahmen erweitern, sind für Freiberufler daher durchaus zu empfehlen. Hier gibt es einige Varianten und Möglichkeiten, die jeder Freiberufler genauer betrachten sollte. Von der Rürup-Rente über private Rentenversicherungen bis hin zur Altersvorsorge mit Fonds oder auch Immobilien, die die Deutsche Handwerks Zeitung in einem Artikel näher beleuchtet, ergeben sich je nach Einkommenssituation verschiedene Ausgangssituationen. Eine eingehende Beratung durch einen neutralen Fachmann kann in diesem Fall sehr aufschlussreich sein.

Weitere Versicherungen für Freiberufler

Sind Altersvorsorge und Krankenversicherung bereits gesichert, haben Freiberufler einen großen Teil ihrer Vorbereitungen abgeschlossen. Nicht fehlen darf jedoch auch ein Schutz vor Berufsunfähigkeit. Fällt der Freiberufler aus Krankheitsgründen dauerhaft aus, bleibt ihm ohne eine entsprechende Versicherung kein ausreichendes Einkommen und das Abrutschen in finanzielle Armut ist das Ergebnis. Wer keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, oder auch abgelehnt wird, sollte alternativ nach Versicherungen zur Erwerbsunfähigkeit Ausschau halten.

Des Weiteren sollten Freiberufler noch vor dem Start eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließen, die sie vor hohen Schadenersatzansprüchen schützt. Im Streit mit einem Kunden, dem nachweislich Schäden durch den Freiberufler entstanden sind, müsste der Freiberufler sonst mit seinem privaten Vermögen haften, was durchaus existenzbedrohend sein kann.
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