Währungspolitik: Kauft die Europäische Zentralbank bald Aktien?

Wie geht's weiter bei der Europäischen Zentralbank? (Foto: © Ewais - Fotolia.com)

SERVICE (le/fi) - Um die Wirtschaft weiterhin anzukurbeln, investiert die Europäische Zentralbank (EZB) bereits seit Jahren in Anleihen. Doch was wird die EZB machen, wenn es keine Anleihen mehr gibt? Ökonomen raten zu einer Ausweitung des Kaufprogramms und schlagen dahingehend den Kauf von Aktien vor. Damit wäre die EZB definitiv nicht alleine - auch die Schweizer Nationalbank (SNB) kauft seit Jahren Aktien.

Folgt die EZB der SNB?

Auch wenn die Idee abwegig erscheinen mag, ist sie dennoch, so Karsten Junius, Chefökonom der J. Safra Sarasin-Bank (Schweiz), eine Überlegung wert. Junius empfiehlt der EZB den "Schweizer Weg". Schlussendlich kauft die SNB seit Jahren Aktien. Ein Schritt, der auch der EZB helfen könnte. Doch nicht nur Karsten Junius teilt diese Meinung. Auch zahlreiche Finanzexperten teilen die Ansicht, dass man - wenn man sich für den Aktienkauf entscheide - definitiv mehr Vorteile hätte. In Großbritannien spielt man ebenfalls mit dem Gedanken, ab sofort in Aktien zu investieren. "Nur so können höhere Aktienkurse erzielt werden", ist sich Eric Lonergan von M&G, einer britischen Fondsgesellschaft, sicher. Das wäre für Großbritannien in der aktuellen Situation auch dringend nötig: Nigel Wilson, Analyst bei ETX Capital, äußert zum Beispiel große Besorgnis darüber, dass sich die aktuell schlechten Konjunkturnachrichten zu einem Dauerzustand entwickeln könnten.

Auch Japan setzt auf Aktien

Kommt es also tatsächlich zum Tabubruch? Die EZB kauft seit Jahren Kreditverbriefungen, Staatsanleihen und Pfandbriefe - seit Juni werden auch Unternehmensanleihen gekauft. Am Ende sollen die Firmen zu noch mehr Investitionen bewegt werden, sodass die Konjunktur in Fahrt kommt. Das Ziel? Die Preissteigerungsrate soll erhöht werden. Doch während die EZB noch mit dem Gedanken spielt, haben die Japaner bereits vor Jahren eine Entscheidung getroffen und sich für den Aktienkauf entschieden. Die Bank of Japan (BoJ) hat die Geldpolitik gelockert, um in weiterer Folge die japanische Wirtschaft in Bewegung zu bringen. Dabei setzte man ebenfalls auf Aktien. Seit sechs Jahren werden Aktien-EFTs erworben; vor kurzem wurde die Anlagesumme von drei Billionen Yen auf sagenhafte sechs Billionen Yen verdoppelt (53 Milliarden Euro). Heute ist die BoJ einer der größten Investoren Japans; bis zum Jahresende möchte man bei 55 Firmen zum größten Aktionär werden. Die Zentralbank ist bereits heute Hauptinvestor von Yamaha. Finanzexperten sind jedoch kritisch, was die Entwicklung am asiatischen Markt betrifft. So muss man davon ausgehen, dass die Käufe der BoJ mitunter den Aktienmarkt austrocknen könnte.

Direkt in den Sozialismus?

Doch es gibt nicht nur Befürworter: Kritiker würden einen weiteren Tabubruch erkennen, sollte sich die EZB für Aktien entscheiden. Marc Faber, einer der bekanntesten Fondsmanager der Welt, ist sich sicher, dass die EZB nicht gewünschte Entwicklungen auslösen würde. So warnte er vor einem Kaufrausch. Jener würde dazu führen, dass nicht nur sämtliche Staatsanleihen, sondern auch alle Unternehmensanleihen aufgekauft werden könnten - eine Entwicklung, die keinesfalls wünschenswert wäre. Ob dann sogar die Finger nach dem Immobilienmarkt ausgestreckt werden, kann und will Faber nicht beantworten, befürchtet aber, dass die Notenbanken - wenn der Immobilienmarkt tatsächlich einbreche - dann überall im Spiel wären und somit das Wirtschaftssystem hinterfragt werden müsse. "Am Ende befinden wir uns dann im Sozialismus", so Faber.

Keine einfache Entscheidung

Würde die EZB aber nur einen kleinen Teil der zur Verfügung stehenden Aktien kaufen, wäre dies aber ebenfalls gefährlich. Am Ende gibt es keine Rückkehr; würde es nämlich zu einem Kursrückgang kommen, müsste die EZB neuerlich intervenieren und weitere Aktien kaufen, damit die Werte der eigenen Anlagen stabil bleiben bzw. nach oben gehen. Verkäufe wären kaum noch möglich; jene müssen im Vorfeld angekündigt werden, sodass man davon ausgehen muss, dass gleichzeitig der Kurs fallen würde.

Gibt es eine Alternative?

Ob und inwiefern Mario Draghi einen weiteren Tabubruch begehen wird, steht noch in den Sternen. Fakt ist: Alternativen, um die Wirtschaft anzukurbeln, wenn es keine Anleihen mehr gibt, sind rar. Viele Möglichkeiten stehen der EZB nicht zur Verfügung.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.