Weniger Stromkosten für Verbraucher: Die Ökostrom-Umlage könnte 2018 fallen

Experten erwarten eine Entlastung bei den Stromkosten für 2018. (Foto: Pixabay.com, ©geralt CC0-Lizenz)
 
Durch regenerative Energien sinkt der Preis an den Strombörse. (Foto: Pixabay.com, @MariaGodfrida CC0-Lizenz)

SERVICE (se/fi) - Der Strompreis in deutschen Haushalten ist seit 2000 kontinuierlich angestiegen und verharrt seit 2013 auf einem hohen Niveau von durchschnittlich 28,7 Cent/kWh. Zu Beginn dieses Jahres gab es abermals zwei Anstiegswellen des Strompreises, so dass er nun im Durchschnitt 29,16 Cent/kWh beträgt. Doch nun erwarten Experten eine Senkung der EEG-Umlage für 2018.

Die Folgen des Strompreisanstiegs

Für private Haushalte war 2017 kein strompreisfreundliches Jahr. Die Preiserhöhungen zu Jahresbeginn nutzen daher viele Stromkunden, um von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen. Denn die Kündigung des Stromvertrages und der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter waren der sicherste Weg, um den Preisanstieg zu minimieren. Über Online-Portale wie Stromvergleich.de konnte schnell sichergestellt werden, den günstigsten Stromanbieter zu ermitteln. Somit mussten einige der Stromanbieter durch den erneuten Preisanstieg einen Verlust ihres Kundenstamms hinnehmen.

Doch der Strompreisanstieg hat noch ganz andere Folgen. Durch die EEG-Umlage, die die Verbraucher zahlen, fließt jede Menge Geld auf separate Konten der Netzbetreiber. Dieses Guthaben soll als Liquiditätsreserve dienen und zum Ausbau der erneuerbaren Energien verwendet werden. Dieser Liquiditäts-Puffer hat jedoch mittlerweile einen Umfang von fast 5 Milliarden Euro angenommen.  Zwar wurde das Geld aus der Rücklage breit gestreut, aber dennoch sind die einzelnen Beträge so hoch, dass die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) greift. Somit zahlen Kunden nicht nur die EEG-Umlage, sondern werden auch an den Strafzinsen an der EEG-Rücklage beteiligt.

Um den Effekt der Negativzinsen möglichst gering zu halten, wollen die Netzbetreiber die Reserve abbauen. Die Milliarden-Überschüsse auf den EEG-Konten sollen gesenkt werden. Auch eine Senkung der EEG-Umlage, die aktuell 6,88 Cent/kWh beträgt würde zu einer Erleichterung der zu zahlenden Strafzinsen führen.

Wirtschaft fordert eine zügige Entlastung

Hinzu kommt, dass auch die Wirtschaft eine Entlastung beim Strompreis fordert. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bemängelt, dass die deutschen Mittelständler die höchsten Strompreise in der EU zu zahlen haben, und sogar doppelt so viel wie französische Unternehmen.

Der DIHK-Vorstand legte der Politik nun ein Positionspapier zum Thema
„EEG-Finanzierung auf neue Füße stellen“ vor, enthalten sind Sofortmaßnahmen zur Senkung der EEG-Umlage. Konkret vorgeschlagen werden Maßnahmen, die zu einer Senkung der EEG-Umlage von 6,88 auf 4,71 Cent/kWh führen sollen. Damit würde nicht nur der Mittelstand, sondern auch die Privathaushalte deutlich entlastet. Ein weiterer Vorteil wäre laut des Schreibens, dass der Börsenstrompreis stärker ins Gewicht fällt und somit der Strommarkt realistischer abgebildet würde. Orientiert sich der Strompreis stärker am Börsenpreis, würde auch das zu einer Entlastung der Stromkunden führen.

Wie sich der Strompreis zusammensetzt

Aktuell fließen drei große Kostenblöcke in die Entstehung des Strompreises mit ein: Die Stromerzeugung, die Netznutzung und Steuern, Abgaben sowie Umlagen.

• Kosten für die Stromerzeugung
Der Strommarkt wurde so organisiert, dass produzierter Strom an der Strombörse gehandelt und erworben wird. Somit sind die anfallenden Kosten für die Stromerzeugung abhängig vom aktuellen Börsenstrompreis. Der wichtigste Handelsplatz für den Strom ist die EEX in Leipzig. Gehandelt wird am Spotmarkt, der auf den kurzfristigen Bedarf ausgelegt ist und am Terminmarkt, wo langfristige Lieferverträge bis zu mehreren Jahren ausgehandelt werden.
Die Stromerzeugung inklusive Vertrieb machten 2017 anteilsmäßig 19,3 Prozent des gesamten Strompreises aus. Dies liegt mit darin begründet, dass durch den Zuwachs an regenerativer Energien jede Menge Strom auf dem Markt vorhanden ist und der Preis Rekordtiefstände erreicht. Zeitweise treten an der Strombörse sogar negative Strompreise auf, was bedeutet, dass der gehandelte Strom nicht vom Käufer, sondern vom Verkäufer gezahlt werden muss.

• Kosten für die Netznutzung
Der Strom wird von den Stromanbietern über die Netze der Netzbetreiber zu den Kunden transportiert. Dafür sind die Netzbetreiber berechtigt, Nutzungsentgelte zu verlangen. Seit 2005 müssen die Netzbetreiber ihre Nutzungsentgelte von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen.
Da seit Herbst 2011 Großverbraucher zur Entlastung zum Teil von den Netzentgelten befreit wurden, wurden diese anteilsmäßig auf die verbleibenden Endverbraucher umgelegt. Von 2010 ist das zu zahlende Nutzungsentgelt von 6 Cent/kWh auf aktuell 7,48 Cent/kWh angestiegen. Der prozentuale Anteil der Netznutzungsentgelts in dem Strompreis beträgt 25,6 Prozent.

• Steuern, Abgaben und Umlagen
Mit insgesamt 55,1 Prozent machen anfallende Kosten für Steuern, Abgaben und Umlagen den größten Teil des Strompreises aus. Die Gesamtsteuer teilt sich in die Stromsteuer (7 Prozent) sowie die zu zahlende Umsatzsteuer (16 Prozent) auf. Die Einnahmen aus der Stromsteuer soll dabei zur Förderung klimapolitischer Ziele genutzt werden. Deutlich höher als die Steuern fallen die Abgaben und Umlagen aus. Diese wurden staatlich festgesetzt und immer wieder verändert beziehungsweise erweitert. Die bekannteste Umlage ist sicher die EEG-Umlage, die 2000 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eingeführt wurde. Aktuell macht die EEG-Umlage mit 6,88 Cent etwa 23,6 Prozent des Gesamtstrompreises aus.
Jedoch existieren noch weitere Abgaben und Umlagen, die den Strommarkt regulieren und auf Dauer verbessern sollen. Dazu gehören unter anderem die Konzessionsabgabe, die an die lokalen Kommunen abgeführt wird, die KWK-Umlage, die Offshore-Haftungsumlage und die Umlage für abschaltbare Lasten. Letztere wird dazu verwendet, Kosten zu decken, die dadurch entstehen, wenn Stromlasten zur Aufrechterhaltung der Netzsicherheit abgeschaltet werden müssen. Diese Abgaben, ohne Steuern und EEG-Umlage, machen 8,5 Prozent des gesamten Strompreises aus.
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