Südthüringer Franken drohen mit ,,Wechsel nach Bayern"

Martin Truckenbrodt, 1. Vorsitzender des Vereins Henneberg-Itzgrund-Franken e.V. schickte einen offenen Brief an Thüringens Ministerpräsident. (Foto: Privat)
 
Kirchenkreise und Landkreise. Die Karte wurde erstellt vom Verein Henneberg-Itzgrund-Franken e.V. (Foto: Verein Henneberg-Itzgrund-Franken e.V.)
Wird Franken im Freistaat Thüringen tabuisiert? Südthüringen oder Nordfranken?

REGION (nf) - Viele Franken reagieren ziemlich gereizt, wenn sie als Bayern bezeichnet werden. Doch genau diesen Sprung möchte Martin Truckenbrodt, 1. Vorsitzender des Vereins Henneberg-Itzgrund-Franken e.V. mit Sitz in der Gemeinde Frankenblick im Landkreis Sonneberg, lieber heute als morgen wagen. Denn die Franken würden im Freistaat Thüringen tabuisiert, fränkische Geschichte nicht gelehrt und bei jeder Gelegenheit verschwiegen. Ob eine bayerische Zugehörigkeit die kritisierten Umstände tatsächlich verbessern würde?


Mit einem Offenen Brief wendet sich der zwei Jahre alte Verein nun an den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow sowie einzelne Minister seines Kabinetts und fährt starke Geschütze auf. In diesem Schreiben sind dreizehn konkrete Forderungen zu unterschiedlichen Bereichen und Themen enthalten, die bis Ende August 2016 umgesetzt werden sollen. Bei Nichteinhaltung dieser Forderungen werde man in einem Jahr auf der Sonnenseite des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges mit dem Sammeln von Unterschriften für einen Wechsel der Region in den Freistaat Bayern beginnen. „Rot-Rot-Grün hat die 24 Jahre vorausgehender CDU-dominierter Landespolitik nicht zu verantworten. Unsere diesbezüglichen Hoffnungen in die neue Landesregierung wurden jedoch bisher nicht erfüllt. Wir gehen deshalb nun in die Offensive.“

Weiterhin kündigt der Verein für die nächsten Monate juristische Schritte an. Die bisherige Landespolitik verstoße diesbezüglich im Bereich der Bildung gegen die Thüringer Verfassung. Weiterhin liege ein Bruch des Staatsvertrags zwischen dem Freistaat Sachsen-Meiningen und dem damals gegründeten Land Thüringen vor. Damals gehörten u.a. Bad Salzungen, Meiningen, Hildburghausen und Sonneberg zu Sachsen-Meiningen. Schmalkalden, Suhl und Schleusingen gehörten bis 1945/1947 zu PreußenFran. Dieser Vertrag von 1920 sei prinzipiell immer noch gültig und beinhalte u.a. explizit die Bewahrung und den Schutz der kulturräumlichen und historischen Besonderheiten der fränkisch geprägten Region zwischen Rennsteig und der Landesgrenze zum Freistaat Bayern. „Heute ist genau das Gegenteil der Fall! Seit 1990 ist das eher noch schlimmer als besser geworden", schimpft Martin Truckenbrodt.
,,Fränkisches Brauchtum wird grundsätzlich als thüringisch bezeichnet. Mit fragwürdigen Namensgebungen werden Tatsachen im Interesse der Landespolitik zurechtgerückt. Der Großteil der Politiker und anderer Personen des öffentlichen Lebens trauen sich nicht die Begriffe „Franken“ und „fränkisch“ im Zusammenhang mit ihrer Heimat in den Mund zu nehmen. „Damit muss endlich Schluss sein! Das Bundesland der Dichter und Denker muss sich endlich und eindeutig zu seiner kulturräumlichen und historischen Vielfalt bekennen! Schließlich geht es hier in unserem Fall, zwischen Bad Salzungen und Sonneberg, um ein Fünftel der Fläche und um ein Sechstel der Bevölkerung des Freistaats Thüringen. Nicht nur Sonneberg ist im heutigen Freistaat Thüringen fränkisch!“, so Truckenbrodt abschließend.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.