Die Schwabacher Kantorei - PASSIONSKANTATE „Der Tod Jesu“ von Carl Heinrich Graun

  Schwabach: Stadtkirche |

am Sonntag, 13. März um 17 Uhr in der Schwabacher Stadtkirche


Am Sonntag 13. März, dem Sonntag „Judika“ nach dem liturgischen Kalender führt die Schwabacher Kantorei um 17 Uhr in der Evang.-Luth. Stadtkirche die Passionskantate „Der Tod Jesu“ von Carl Heinrich Graun auf.

Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Klaus Peschik singen und musizieren neben der Kantorei die Solisten Corinna Schreiter, Sopran, Ruth Volpert, Mezzosopran, Erwin Feith, Tenor und Andreas Czerney, Bass sowie das Ansbacher Kammerorchester.

Eintrittskarten zu 18 / 14 / 12 Euro gibt es ab sofort im Vorverkauf bei der Buchhandlung Kreutzer, Königsplatz 14 und im Evang.-Luth. Pfarramt St. Martin, Wittelsbacherstraße 4. Für Mitglieder im Freundeskreis der Schwabacher Kantorei und für Schüler und Studenten gibt es 50 Prozent Ermäßigung.

Kartenvorbestellungen und Reservierungen sind ab sofort auch möglich im Internet unter www.schwabacherkantorei.de.

Wer sich mit evangelischen Passionsvertonungen nach Johann Sebastian Bach beschäftigt, wird unweigerlich auf ein Werk treffen, das wie kein anderes seiner Gattung noch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein ein fester Be-standteil der musikalischen Praxis war: die 1754/55 entstandene „Cantate“ Der Tod Jesu. Graun, dessen Musik heute wieder vermehrt Aufführungen erlebt, zählte neben Johann Adolf Hasse und Georg Philipp Telemann zu den bekanntesten und renommiertesten deutschen Komponisten seiner Zeit, und dies weit über seinen langjähri-gen Wirkungsort Berlin hinaus, wo er von 1740 bis zu seinem Tod am Hof Friedrichs II. als Kapellmeister und Komponist, mit der Opera seria als Hauptschaffensgebiet, tätig war.

Carl Heinrich Grauns (1703/04-1759) "Der Tod Jesu" wurde am Mittwoch, 26. März 1755 im Berliner Dom urauf-geführt. Die Schwester des Königs Friedrich Wilhelm II., Prinzessin Anna Amalia, hatte die Dichtung und Disposi-tion des Werkes angeregt.
Fünf Jahre nach der Uraufführung 1755 im Berliner Dom erschien das Werk im Druck. Die Publikation sorgte für schnelle Verbreitung, zunächst im protestantischen Norden und Nordosten Deutschlands. Es gab Aufführungen – meistens am Karfreitag – in Breslau, Königsberg, Danzig, Stettin, Stralsund, Lübeck, Flensburg, Hamburg, Bre-men; dann erklang die Passionskantate auch in ganz Deutschland, in Frankfurt, Darmstadt, Meiningen, Bautzen, Leipzig, Erlangen. Sie wurde auch in katholischen Kirchen musiziert - da der Geist der Aufklärung die Konfessio-nen beiseite gedrängt hatte – wie in Köln (bereits 1765), Wien (ab 1787), Kopenhagen (1778), Stockholm (1782), Rom 1830), St. Petersburg (1838), London (seit 1877). C. H. Graun erlangte mit seiner Passionskantate eine enorme Breitenwirkung. Sein Werk wurde übrigens nicht nur als reines Passionskonzert aufgeführt, sondern auch im Gottesdienst, wie z. B. im Bremer Dom 1798, wobei die Gemeinde einige Choräle mitsang.

Dieses Werk hat sich nicht nur größter Beliebtheit erfreut, es muss auch genau den Vorstellungen von religiöser Musik entsprochen haben. Die Zuhörer haben sich offenbar auch mit dem Text identifiziert. Die religiösen Text-aussagen deckten sich mit der Frömmigkeit des Publikums.

Die Texte zu Grauns Passionskantate, einer freien Nachdichtung der Leidensgeschichte Jesu, schrieb Carl Wil-helm Ramler (1725-1798), Dichter und Schauspieldirektor in Berlin. Er hatte ein Textbuch geschaffen, das exem-plarisch den Stil der damals aufkeimenden "Empfindsamkeit" widerspiegelt. Die "Empfindsamkeit" ist eine Geis-teshaltung und literarische Geschmacksrichtung der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Begriff "empfindsam" wurde als Übersetzung des englischen ‚sentimental’ eingeführt. Gott wird gefühlsmäßig erfahren; es herrschen fromme Seelenregungen und ein Gefühlskult vor. Das Gefühl wird regelrecht genossen, wie das Mitleid, die Trä-nen.
Die Vorgänge von der Gethsemaneszene bis zum Tode Jesu bestimmen den äußeren Handlungsverlauf der Kantate. Ramler gestaltet den Passionsbericht um. So gibt es keinen Evangelisten, der die Passionsgeschichte erzählt. Die Passionsgeschichte wird nicht berichtet, sondern beim Hörer vorausgesetzt; sie wird kommentiert, interpretiert, der Dichter schmückt aus, macht Zusätze, ohne das Original zu zitieren.
Unberücksichtigt bleiben der dogmatische Inhalt der Passionsgeschichte, die Dialoge und dramatischen Szenen. Ramler konzentriert den Passionsbericht ganz auf den Menschen Jesus. Für den Texter sind die seelisch-körperlichen Leiden Jesu und die ethisch überragende Haltung wesentlich. Er akzentuiert den seelisch-körperlichen Schmerz. Die Texte der Choräle und Arien, Chorsätze und Rezitative sind aus der theologischen Perspektive jener Zeit zu sehen. Maßgebend dabei war die aufklärerische Neue Theologie.



Weitere Informationen bei Klaus Peschik unter Telefon 09122/9256430

www.schwabacherkantorei.de
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