Johanniter Schwabach bieten Trauerhilfe für Kinder an

Beim Verlust des Vaters trauern Mutter und Kind auf ganz unterschiedliche Art und Weise. (Foto: Symbolfoto: © Michael Schütz/Fotolia.com)

SCHWABACH (pm/vs) - Im Rahmen des Projektes "Lacrima" bieten die Johanniter in Schwabach Trauerhilfe für Kinder an, denen der Tod Vater, Mutter, Geschwister oder Freunde genommen hat.

 „Warum gerade mein Papa?“ – diese Frage stellt Carina noch immer gelegentlich. Ein Jahr ist der Unfall jetzt her. Es war ein Schock für die ganze Familie, als die Polizei die niederschmetternde Nachricht überbrachte: ein tödlicher Verkehrsunfall. „Der 42-Jährige hinterlässt eine Frau und zwei Kinder“, hieß es später in der Lokalzeitung. Die Hinterbliebenen tragen eine schwere Bürde: die Last der Trauer, des Schmerzes über den viel zu frühen Tod. Sterben, tot sein – auch wenn die Worte für die 5-jährige Carina schwer greifbar sind, erlebt sie doch Tag für Tag, was sie bedeuten: Ihr Vater ist weg und wird nicht mehr wiederkommen. Wie sehr sie unter dem Verlust leidet, war nach einer ersten heftigen Reaktion kaum zu bemerken. Sie war ruhig, fast so, als wäre alles in Ordnung. Doch dann kamen immer wieder heftige Gefühlsausbrüche, wie aus heiterem Himmel – ein für Kinder typisches Trauerverhalten.

Kinder trauern anders

„Kinder trauern anders als Erwachsene. Die Gefühle kommen in plötzlich auftretenden Schüben. Dann kann es sein, dass sie sofort wieder lachen – ein Schutzmechanismus der Kinderseele“, weiß Ursula Gubo. Die Sozialpädagogin und ausgebildete Trauerbegleiterin leitet die Trauergruppe im Johanniter-Trauerzentrum „Lacrima“ in Mittelfranken. Kinder, die einen nahen Angehörigen, meist ein Elternteil oder ein Geschwister verloren haben, finden hier Unterstützung und Beratung. Im geschützten Kreis können sie lernen, über das Erlebte und den Verlust zu sprechen oder über Spielen, Malen und Basteln Zugang zu ihrer Gefühlswelt zu finden. „Für viele ist es bereits tröstlich zu erleben, dass andere Kinder etwas Ähnliches erlebt haben und dass ihre Gefühle verstanden werden.“ So durchbricht das Angebot die Isolation und kann die Schuldgefühle nehmen.

Was trauernde Kinder brauchen

„Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sind die wichtigsten Säulen im Umgang mit Kindern, die einen Verlust erlitten haben“, erklärt Gubo. „Kinder wollen verstehen, was passiert ist und suchen nach Erklärungen. Hier sind Geduld und Offenheit gefragt.“ Immens wichtig seien auch Vorbilder: Erwachsene Bezugspersonen sollten ihre eigenen Gefühle vor den Kindern nicht verstecken, sondern zeigen, dass sie selbst traurig sind oder weinen müssen. So erfahren die Kinder, dass die Trauergefühle normal sind und gezeigt werden dürfen. „Trauern muss gelernt werden.“

Braucht mein Kind professionelle Hilfe beim Trauern?

Die kindlichen Reaktionen auf Trauer sind sehr individuell. Typisch sind der plötzliche Wechsel von Traurigkeit zu Spiel und Spaß und umgekehrt, Schlafstörungen und Alpträume, verminderte Schulleistungen, Launenhaftigkeit und Wutanfälle, aber auch Angst um noch lebende Angehörige oder ein subjektives Schuldempfinden. Sie alle sind Ausdruck der seelischen Belastung, die im Rahmen von professioneller Trauerbegleitung gemildert werden kann. Eltern, die sich unsicher sind, empfehlen die Johanniter, die Situation in einem Beratungsgespräch abklären zu lassen. Das Projekt Lacrima bietet Beratung und Information, im persönlichen Gespräch ebenso wie bei Seminaren und Vorträgen. Zudem entlastet es auch die Eltern, zu wissen, dass die Kinder bei der Verarbeitung des Verlusts professionelle Unterstützung finden.

Lacrima – Trauerangebote in Schwabach

Das Johanniter-Projekt Lacrima bietet regelmäßige Trauergruppen für Kinder verschiedener Altersstufen. Das Angebot ist für die Betroffenen kostenfrei. Weitere Informationen gibt es unter der Rufnummer 0172/7828272.
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