Die Stadt 2050: Eine Vision

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Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten, Tendenz steigend. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 bereits zwei Drittel der Weltbevölkerung in Ballungszentren leben wird. Das sorgt für immer mehr Lärm, Müll, verstopfte Straßen und schlechte Luft. Städte sind diesen Problemen bereits jetzt oft kaum noch gewachsen. Politik und Stadtplaner versuchen vielerorts bereits, die Lebensqualität der Bewohner zu in der Stadt verbessern. Autobauer setzen auf E-Mobilität. Aber es muss noch viel mehr passieren, damit urbane Zentren in Zukunft lebenswert sind. Wie Städte zukunftsfähig gemacht werden können, beschäftigt Forscher auf der ganzen Welt.

Wie kann sie aussehen, die Stadt im Jahr 2050? Das ist eine Frage, die die Menschen weltweit bewegt. Fest steht, dass die Entwicklung unserer Lebensräume, insbesondere urbane, vor großen Herausforderungen stehen – nicht nur vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Digitalisierung. Auch die immer älter werdende Gesellschaft bedarf neuer Konzepte für Städte als qualitative Lebensräume. Um den Wachstumstrend in den Städten in die richtigen Bahnen lenken zu können, braucht es vor allem technologischen Fortschritt. Dabei sind es vor allem vier Faktoren, auf die es bei der Planung der Stadt von morgen besonders ankommt. Die Reduzierung der CO2-Emissionen, der Umgang mit dem demografischen Wandel, Lösungen gegen Platzmangel und die Planung des Straßenverkehrs. Stadtbewohner werden für vier Fünftel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich gemacht. Dort also, in den Städten, kann besonders viel getan werden, die globale Erderwärmung zu verlangsamen. Gleichzeitig verursacht der Verkehr in Ballungszentren 70 Prozent aller Luftschadstoffe, ein Problem, was bei Planungen künftiger Mobilität berücksichtigt werden muss.

Netzwerk „Morgenstadt Initiative“

In Asien gibt es sie bereits - Smart Cities, Städte also, die den größten Teil der Energieversorgung aus regenerativen Energien selbst herstellen wie im südkoreanischen Songdo. Voll digitalisierte urbane Zentren, in denen Ampeln und Schnellbahnen Daten an ein zentrales Rechenzentrum senden. Von dort aus werden Energieversorgung, Beleuchtung und Transport aufeinander abgestimmt, um Ressourcen optimal nutzen zu können, denn datenbasiertes Wissen macht urbane Zentren berechenbar – Wissen etwa über Energieverbrauch, Bewegungsströme, die Auslastung der Infrastruktur und des Nutzerverhaltens.

In Deutschland ist es unter anderem das Fraunhofer Institut, das sich mit der Thematik auseinandersetzt. Vielmehr sind es mehrere Institute, die sich gemeinsam mit Unternehmen und Kommunen zu einem Netzwerk namens „Morgenstadt Initiative“ zusammengeschlossen haben. Ziel ist, Erneuerungen für die Zentren und Metropolen in Deutschland vorauszudenken. Das Netzwerk, das 2012 die Arbeit aufgenommen hat, entwickelt neue Perspektiven und Lösungen für die „Morgenstadt“. Überzeugung der Initiative ist, dass „der Schlüssel für die großen Herausforderungen unserer Zeit in der Transformation unserer Städte liegt.“ Die künftigen Zentren müssen CO2 neutral, lebenswert und resilient sein, so die Initiative. Ein Film des Fraunhofer Instituts zeigt, wo die Reise hingehen soll: Die künftigen Stadthäuser produzieren Energie selbst, und zwar viel mehr, als sie benötigen – der Rest dient der Speisung der E-Mobilität. Von Moos bewachsene Fassaden sind in der Lage, die Luft von Schadstoffen zu reinigen, Parks existieren nicht nur auf dem Boden, sondern auch auf Dächern. Sogar Gemüse wächst dort oben.

Umwelt Bundesamt benennt 14 Handlungsfelder

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Ziele, die denen des Umwelt Bundesamts mit dem Projekt „Zukunftsstadt“ entsprechen: Auch hier liegt der Fokus der Vision, wie städtisches Leben im Jahr 2050 aussehen könnte, auf umweltschonende Mobilität, auf viel Grün und wenig Lärm. 14 Handlungsfelder hat die Behörde im Visier, darunter Maßnahmen für eine „kompakte Stadt“, in der Brachflächen und Baulücken genutzt und Quartiere damit nachverdichtet werden sollen. Gleichzeitig soll Verkehr vermieden werden, indem öffentlichem Verkehr und Radfahrern generell Vorfahrt eingeräumt werden soll. Die durchschnittliche Wegelänge in der Stadt der Zukunft soll nach der Vision des Umwelt Bundesamts außerdem nur noch acht Kilometer pro Weg, beziehungsweise 28 Kilometer pro Tag und Person betragen. Das wäre ein Viertel Wegstrecke kürzer als heute. Weiteres Augenmerk für künftiges Wohnen in urbanen Zentren soll nach Angaben der Behörde unter anderem auf einem grünen Umfeld liegen. Nicht zuletzt deshalb, weil Pflanzen das Mikroklima einer Stadt verbessern können – immens wichtig in Zeiten des Klimawandels mit Jahrhundertsommern und den daraus resultierenden überhitzten Städten. Schon deshalb werden Großstädter besonders unter dem Klimawandel zu leiden haben. Grünanlagen, Parks, Wasserflächen, begrünten Fassaden und Dächern, aber auch klimatoleranten Straßenbäumen soll auch deshalb eine höhere Bedeutung zukommen. Auch Gemüse wird in der Stadt von Morgen angebaut – und zwar in öffentlichen Gebäuden, auf Dächern und in Parks.

Einige weitere Aspekte, die das Umweltamt in seiner Vision zu städtischem Leben der Zukunft formuliert:

Mehr Platz für Begegnung (Steigerung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, wenig Lärm und Schadstoffe, Flächen für Begegnung, Kommunikation und Erholung, Lebensraum statt Parkraum, Aufhebung der Trennungswirkung von Verkehrsachsen)

Kurze Wege (Ziele sind auch ohne Autos erreichbar, kurze Distanzen, leicht zu erreichende Güter und Dienstleistungen)

Attraktive und funktionsgemischte Gebiete (Stärkung der Wohnnutzung in den Quartieren, Lärm- und emissionsarmes Gewerbe, Nachverdichtung von Innenstädten, Bedürfnissen von Jung und Alt wird entsprochen, vielfältige Versorgungseinrichtungen, mehr bezahlbarer Wohnraum, Lärmbelastungen unter 50 Dezibel am Tag und 40 in der Nacht)

Fliesen aus Pflanzenöl

Noch viel mehr Ansätze für künftiges Stadtleben sind etwa selbstreinigende Oberflächen - oder auch die Aufbereitung von Regenwasser zu Trinkwasser, beziehungsweise die Reinigung von Abwasser mit zusätzlicher Biogasgewinnung. Alles Dinge, an denen derzeit geforscht wird. Wissenschaftler sind sogar damit beschäftigt, Fenster zu entwerfen, deren spezielle Beschichtung gegen Winterdepressionen helfen soll. Auch im Bereich alternativer Baustoffe für die Stadt im Jahr 2050 wird vieles angeschoben. Fliesen etwa, die aus Pflanzenöl hergestellt werden oder Akustik-Bauteile, die für mehr Stille sorgen – nicht nur auf der Straße, sondern auch in Büros, Klassenzimmern und Fabriken. Die „Morgenstadt“, an der hunderte Wissenschaftler und Unternehmen tüfteln, soll am Ende zu 80 bis 95 Prozent aus regenerativen Energien gespeist werden.

Dann ist die Digitalisierung, die heute vielfach noch kritisch gesehen wird, schon lange zur Normalität geworden. Bis dann sind womöglich alle Häuser untereinander vernetzt. Kinder werden möglicherweise nicht mehr in die Schule gehen und lernen zuhause. Genauso wie Arbeitnehmer immer häufiger im Homeoffice anzutreffen sind. Vielleicht gibt es auch keine festangestellten Mitarbeiter mehr, sondern Cloud Worker, die sich zusammenschließen, um ein Projekt zu bearbeiten. Und stiller ist es im urbanen Raum auch geworden, und das ist auch kein Wunder, weil Elektro-Autos geräuschlos durch die Straßen flitzen. Drohnen liefern in festgelegten Bahnen Post und alle anderen erdenklichen Dinge von A nach B.

Autos sind keine Statussymbole mehr

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Vielleicht auch das: Im Laufe der Zeit hat sich im Jahr 2050 auch die Haltung der Menschen zur Digitalisierung und zur Umwelt verändert. Vielleicht wird auch das von den deutschen heißgeliebte Auto nicht mehr als Statussymbol gelten, weil diesel- und benzinbetriebenen Fahrzeuge Jahrzehnte erheblich zur Umweltverschmutzung beitrugen. Vielleicht werden deshalb immer weniger Menschen ein Fahrzeug besitzen. Stattdessen fahren Züge mit 400 Stundenkilometern durchs Land, und in den Städten können problemlos an jeder Ecke Plätze in Fahrzeugen gemietet werden, die per Solar oder Strom betrieben werden. Die Fahrzeuge transportieren ihre Gäste per Taxisystem völlig autonom durch die City. Flächenmäßig werden die Menschen zusammenrücken, davon geht der Mitbegründer der Morgenland Initiative, Steffen Braun, aus. „Es gibt Trends wie Mikrowohnen oder Mikroappartements, wo Gemeinschaftsräume stärker hervorgehoben werden. Da braucht dann nicht jeder eine eigene Küche, sondern die wird gemeinschaftlich genutzt. Dafür mietet man vielleicht den Zugang zu verschiedenen Dienstleistungen mit, die einem das Leben erleichtern.“ Das engere Zusammenrücken könne durchaus Vorteile haben, zum Beispiel beim Mehr-Generationen-Wohnen. Auch sogenannte Tiny-Houses können eine Alternative zu dem herrschenden Platzmangel und zu hohen Mieten darstellen.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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