Buße bedeutet Heimkehr und Freude
Buß- und Bettag in St. Matthäus Vach

Liebe Leserin und Leser!!
Wenn Sie da Wort Buße hören, was fällt Ihnen dazu ein?
Die meisten denken sicherlich an den Bußzettel beim Falschparken, wonach die Buße eine "materielle Wiedergutmachungsleistung" für ein Vergehen ist. Buße als Strafleistung.
Buße als Leistung, die eine Verhaltensänderung sichtbar macht.
Ganz anders Jesus: Für ihn ist Buße Versöhnung.
Jesus versteht Buße als die heilvolle Zuwendung Gottes zum Menschen. Weil Gott den Sünder sucht und ihn ohne Bedingung annimmt und Gemeinschaft mit ihm schenkt, darum ist eine Hinwendung zu Gott jetzt möglich. Versöhnung ist möglich. Umkehr und Neuanfang ist möglich.
Heute ist also Buß- und Bettag, leider kein gesetzlicher Feiertag mehr.
Das finde ich sehr schade.
Sie aber sind heute Abend hier in unsere Kirche gekommen, damit Síe die frohe Botschaft und die Einladung zur Umkehr hören und Gott nahe sein dürfen.
Ja, wir werden eingeladen wie Menschen, die zu einer Hochzeit eingeladen werden. Gott bietet uns Gemeinschaft an.
Buß- und Bettag ein Fest der Freude.
Einer sagte einmal: Nie wird ein Mensch glücklicher sein, als dann, wenn ihm die Worte zugesprochen werden: "Dir sind deine Sünden vergeben." Aufatmen wird er! Und ein neues Leben beginnen.
Buße heißt deshalb Heimkehr, Heimkehr zu Gott.
Es ist wie eine offene Tür, zu einem freien Leben.
Diese Worte darf ich heute persönlich hören.

Buße hat nichts mit moralischer Aufwertung und Leistung zu tun,
sondern es ist ein Heimkehren zur Freude. Jesus geht es um die ursprüngliche Beziehung wieder herzustellen.
Die Gleichnisse vom Finden des Verlorenen veranschaulichen dieses Verständnis am deutlichsten Ich wählte für heute Abend das Beispiel vom verlorenen Sohn.
Hören wir aus dem Lukasevangelium im 15. Kapitel.
11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. 13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. 14 Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben 15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. 17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! 20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße 23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. 25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen 26 und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. 29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. 30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. 32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden

4 Stationen höre ich aus dem Text:
Stationen im Leben eines Menschen.
Ich übertrage: Der Vater – ein Bild für Gott. Er schenkt dem Sohn – auch uns – die große Freiheit.

Er läßt den Sohn ziehen. Auch wir werden nicht festgehalten – gegängelt – wie man heute sagt. Wir können uns frei für oder gegen Gott entscheiden.
Das ist gut evangelisch-lutherisch.
Im Text gibt der Vater dem Sohn frei, läßt ihn ziehen.

Aber es geht nicht immer so glatt im Leben.
Bald wird der Sohn, Sklave anderer Mächte. Als das Geld alle ist, wird es einsam. Je, er wird so erniedrigt, daß er bei den Schweinen landet und es hungert ihn. Wer fängt ihn auf?
So heftig muß es ja nicht gleich werden, werden sie einwenden. Die angeblichen Freunde sind alle weg. Und es wird sehr einsam in seinem Leben. Vielleicht kennen wir auch solche Situationen im Zusammen-Leben. Wer kennt sie nicht diese Enttäuschungen in seinem Leben. Als ich euch so notwendig gebraucht hätte, wart ihr nicht da.
Verzweifeltes Frage treibt mit mir Spott.
Die Frage: Warum lebe ich überhaupt noch?
Welchen Sinn hat mein Leben und, und und?

Liebe Gemeinde, darum braucht es den Buß- und Bettag – Tage der Besinnung und die Botschaft:
Du darfst heimkehren ins Vaterhaus.
Gott wartet auf dich.

Aber wie wird mich der Vater empfangen?
Heute am Buß- und Bettag hören wir die Botschaft:
Wir dürfen Hoffnung haben. Hab Hoffnung für dich.
Riskier es, hör den Ruf des Vaters. Die Tür ist offen. Wage es. Komm heim! Heimkehr bedeutet Freude.

Und der Sohn riskiert es, wird von Weitem schon vom Vater erkannt. Ja, der Vater läuft ihm entgegen- unglaublich. Offene Arme, ein Bild, das mich immer wieder neu berührt.
Du Mensch, du Sohn oder Tochter,
ein gnädiger, liebender Gott kommt dir entgegen.
Das ist die Botschaft des Buß- und Bettags.
Wissen wir eigentlich noch, daß Gott unser Vater ist?
Darum nenne ich den Buß und Bettag Tag der Freude, Tag der Heimkehr.

Ich darf den grauen Kittel der Knechtschaft ablegen.
Und Gott legt mir das Festkleid der Freude an.

Dieses Gleichnis vom verlorenen Sohn weißt auch auf Christus hin, der am Kreuz für mich die Schuld abgetragen hat. Himmel und Erde, Gott und Mensch hat er versöhnt.
Dort am Kreuz wird die große Liebe des Vaters sichtbar. Er starb für meine Sünden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern Leben, ewiges Leben haben.
Guter Gott, schenke uns heute deine Liebe, dein Licht und Hoffnung für diese Welt.
Mache uns zu Boten Deiner Hoffnung.
Wir haben viel empfangen, laß uns das weitergeben an alle, die auf der Suche sind. Unsere Welt, die Menschen warten in ihrer Trostlosigkeit auf den hellen Schein des Lichts.
Buß- und Bettag - Tag der Freude und der Heimkehr.
Amen.
Gottesdienst für Buß- und Bettag, den 18.11.2020, Vach
Markus Pöllinger, Pfr. markuspoellinger@web.de

Autor:

Markus Pöllinger aus Fürth

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