Neues Nürnberg-Musical über Karl IV. begeistert im Heilig-Geist-Saal

Dramatische Szene: Die Kaiserin (Gitti Rüsing) fragt ihren Mann, warum er sie so lieblos behandelt.
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  • Dramatische Szene: Die Kaiserin (Gitti Rüsing) fragt ihren Mann, warum er sie so lieblos behandelt.
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NÜRNBERG (vs) - Nach „Christa“ und „Norika“ präsentiert das Musicalnetzwerk Nürnberg mit „Der Kaiser und die Gauklerin“ das dritte Musikepos mit Bezug zum Weihnachtsfest. Bis 6. Januar 2017 sind im Heilig-Geist-Saal noch 19 weitere Aufführungen geplant. Die MarktSpiegel-Redaktion war gestern (8. Dezember) vor Ort.
Das Thema „Der Kaiser und die Gauklerin“ erinnert an den 700sten Geburtstag von Kaiser Karl IV., jenes bedeutenden Herrschers, der den beiden Residenzstädten Prag und Nürnberg glanzvolle Zeiten bescherte. Deshalb ist das Musical auch Teil der aktuellen Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum. Als Schirmherr konnte der Honorarkonsul der Tschechischen Republik, Hans-Peter Schmidt, gewonnen werden. Als Hauptsponsor ist wiederum die NÜRNBERGER Versicherung mit im Boot.

Ein Kaiser mit Macken

Zum Inhalt des - inklusive Pause - rund dreistündigen Werkes: Kaiser Karl IV. gibt sich betont volksnah. Er ist gerne mit den einfachen Untertanen zusammen, was seiner Gattin ebenso missfällt, wie dem griesgrämigen Hausdiener und Franziskanermönch Bertram. Noch mehr missfällt der Kaiserin jedoch, dass ihr Ehegatte der Gauklerin Anna schöne Augen macht. Sie vermutet das Schlimmste und stellt sich dem Kampf mit der vermeintlichen Nebenbuhlerin.

Meßlatte der Liebe

Auch, wenn der historische Kontext im Mittelpunkt steht - in bewegenden Bildern beschreiben die Mitwirkenden die Ermordung der jüdischen Bevölkerung auf Befehl des Kaisers und dessen wahnhafte Reliquiengläubigkeit - so findet der Stückautor und Regisseur Werner Müller einen ebenso glaubhaften wie gelungenen Bezug, der über alle Zeiten gültig ist: Nur, wer andere Menschen, egal welchen Alters und welcher Herkunft zu seinen Freunden machen will, wird selbst Hilfe und Geborgenheit erfahren. Für die Christen liegt die Meßlatte beim Kind in der Krippe.

Musik vom Feinsten

Zusammen mit der Musik von Andreas Rüsing, Marc Bollmeyer als Choreographen, den überzeugenden Kostümen aus der Werkstatt von Christina von Roits sowie der Bühnengestaltung samt Projektionen durch Erhard Bablok entsteht ein Gesamtkunstwerk, das den Sängerinnen und Sängern ein hohes Maß an Eigenständigkeit, Präzision und Stimmsicherheit verlangt. Um das zu verstehen, muss man die Vorgehensweise des Komponisten verstehen. Andreas Rüsing begnügt sich nicht damit, wie dies bei vielen Musicals der Fall ist, längere Dialoge durch lose aneinandergereihte Songs zu unterbrechen, sondern schafft ein musikalisches Werk aus einem Guss. „Der Kaiser und die Gauklerin“ wird in großen Teilen „durchgesungen“. Solostimmen, Paarungen und Chor wechseln sich beständig ab, tragen Debatten und Konflikte aus. Da können in einem einzigen Augenblick stimmlich präzise unterschieden Freude und Zweifel, Angst, Wut und Hoffnung aufeinandertreffen. Zusammen mit der facettenreichen Orchestermusik im Hintergrund entstehen jene für die Musik Andreas Rüsing so typischen wie genialen Momente, wo die Zuhörerinnen und Zuhörer mit der Handlung verschmelzen. So fragte mich eine Damen neben mir spontan, wer diese wunderbare Musik geschrieben habe.

Tolle Ensembleleistung

Die Schauspielerinnen, Schauspieler, Tänzerinnen und Tänzer im Einzelnen zu würdigen fällt schwer, denn man müsste bei dieser gelungenen Ensembleleistung fast jeden namentlich erwähnen. Zudem sind viele Rollen doppelt besetzt und wechseln sich bei den Aufführungen ab. Eine Ausnahme bilden Frank Lohmann als Kaiser Karl IV. und Christoph Ackermann als Hofmeister, die ständige Präsenz zeigen. Mein Lieblingscharakter ist Christoph Ackermann. Einfach herrlich erfrischend mit welch facettenreicher Mimik und Gestik er dem bigotten Franziskanermönch Bertram Leben verleiht.

Kleine Kritik

Die einzige Kritik: Die Aussteuerung der einzelnen Stimmen wurde vor allem bei den Frauenstimmen im hohen Bereich immer wieder als zu laut empfunden. Damit verschwinden die anderen Stimmen und die Orchestermusik. Da die facettenreichen Stimmen aber den besonderen Reiz ausmachen im Gegensatz zur typischen Kirchweihmusik, wo die Devise gilt „je lauter, desto besser“, sollte bei den kommenden Aufführungen dieses Detail nochmals überprüft werden.

Weitere Infos

Die nächsten Aufführungstermine im Heilig-Geist-Saal (Hans-Sachs-Platz 2) gegenüber der Kinderweihnacht sind heute (9. Dezember, 19.30 Uhr), am 10. Dezember (19.30 Uhr) sowie am 11. Dezember (18.30 Uhr). Weitere Infos auch zu den Tickets gibt es im Internet sowie unter der Tickethotline 0911/231-4000.
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Victor Schlampp (Redaktion MarktSpiegel)

Autor:

Redaktion MarktSpiegel aus Nürnberg

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