Tag des offenen Denkmals am 8. September 2019
Historische Orte besuchen: Das erste Gymnasium Deutschlands stand in Nürnberg

Das erste Gymnasium Deutschlands, die von Philipp Melanchthon gegründete „Schola Aegidiana“, stand in Nürnberg, und zwar am Egidienberg direkt neben der Egidienkirche.
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  • Das erste Gymnasium Deutschlands, die von Philipp Melanchthon gegründete „Schola Aegidiana“, stand in Nürnberg, und zwar am Egidienberg direkt neben der Egidienkirche.
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NÜRNBERG (pm/nf) - Der Tag des offenen Denkmals in Deutschland am Sonntag,8. September 2019, bezieht sich mit dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ auch auf das 100-jährige Bauhausjubiläum. Unter Federführung der Bauordnungsbehörde der Stadt Nürnberg, Sachgebiet Denkmalschutz, bieten mehrere Mitwirkende den Nürnberger Bürgerinnen und Bürgern Einblick, Erklärungen und Informationen über ihre Baudenkmäler und historischen Orte.

Umbrüche hat es in der Bau- und Kunstgeschichte immer wieder gegeben, in der Regel einhergehend mit gesellschaftlichen Umbrüchen: so zum Beispiel zwischen dem mittelalterlichen Weltbild der Gotik und dem humanistischen Weltbild der Renaissance oder den Umwälzungen im Lauf des 30-jährigen Kriegs und dem nachfolgenden Barock. Die unterschiedlichsten Bau- und Kunststile im Stadtbild von Nürnberg werden bei sieben Veranstaltungen gezeigt und erläutert: Schulgebäude in der Altstadt, vom Barock bis zur Neuzeit, geben Aufschluss über verschiedene Lehr- und Lernmethoden, mit denen Kindern und Jugendlichen das Wissen für ihren Lebensweg vermittelt oder auch „eingetrichtert“ wurde.

In einem Teil des ehemaligen Dominikanerklosters, wo einst Mönche beteten und arbeiteten, entstehen nun schicke Altstadtwohnungen. Nicht weit davon errichtete man auf den alten Grundmauern eines weltberühmten Patrizierwohnhauses einen seinerzeit hochmodernen „Archivalienturm“. Gerade bei letzterem führen diese Brüche in Kunst und Architektur zu heftigen Diskussionen in Gesellschaft und Politik.Häufig hat man diese Umbrüche heftig bekämpft und zu verhindern versucht, so, als zur Zeit der Industrialisierung das (billigere) Ziegelmauerwerk die althergebrachte Bauweise aus Sandstein und Fachwerk in den fränkischen Dörfern zu verdrängen begann. Eilends gegründete „Heimatschutzvereine“ wetterten gegen die für die Region bis dahin untypische Baugestaltung und versuchten, die malerischen Ortsbilder zu erhalten. Selbst die berühmten Bronzeepitaphien auf den Friedhöfen St. Johannis und St. Rochus blieben von gestalterischen Umbrüchen, die die Reformation mit sich brachte, nicht verschont. Wie sich das Bildprogramm dieser kunstvoll gestalteten Grabtafeln veränderte, wird an besonderen Beispielen erläutert. Eine Großgrabung im Knoblauchsland öffnet ein Fenster in diese Vergangenheit und lässt die Teilnehmenden am Tag des offenen Denkmals teilhaben.

Der Tag des offenen Denkmals findet jedes Jahr unter einem bestimmten Motto statt, das vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz vorgeschlagen wird. Der Bevölkerung werden dabei Bau- und Kunstdenkmäler, Industriedenkmäler, bewegliche Denkmäler sowie archäologische Stätten zugänglich gemacht, die normalerweise gar nicht oder nur in eingeschränktem Rahmen besichtigt werden können. Am Sonntag, 8. September 2019, können die folgenden Veranstaltungen besucht werden:

1. Schulbauten vom Barock bis zur Moderne in der Altstadt

Das erste Gymnasium Deutschlands, die von Philipp Melanchthon gegründete „Schola Aegidiana“, stand in Nürnberg, und zwar am Egidienberg direkt neben der Egidienkirche. Der Ursprungsbau wurde ein Raub der Flammen, denen auch der romanische Kirchenbau zum Opfer fiel. Das Barockgebäude, dessen Fassade den Egidienberg prägt, entstand im Wesentlichen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der ungeheure Bevölkerungszuwachs im späten 19. Jahrhundert erforderte zahlreiche neue Schulbauten für die Kinder der Zugezogenen. Diese Schulen ähnelten mit ihren Fassadendekorationen eher Palästen und Schlössern. Der Altbau des Scharrergymnasiums, ursprünglich als Volksschule erbaut, erinnert an die Zeit, als die Schülerinnen und Schüler, ordentlich getrennt nach Knaben und Mädchen, durch mächtige Türen ihren eigenen Gebäudeflügel betraten, um an genau ausgerichteten, am Boden festgeschraubten Schulbänken ehrfürchtig zum Lehrer aufzublicken, der an seinem Pult auf einem erhöhten Podest saß. Die Nachkriegszeit versüßte den Schulkindern den Unterricht mit locker angeordneten Tischgruppen in großzügig belichteten Schulzimmern für die Gruppenarbeit und verschönerte das Schulgebäude mit allerlei bunter Kunst am Bau. Das neue Willstättergymnasium am Inneren Laufer Platz kann mit bunten Mosaiken, plätscherndem Brunnen und großen Sgraffitodarstellungen an den Wänden aufwarten.
Führungen: 11 Uhr bis 15 Uhr halbstündlich zum alten Melanchthongymnasium (nur von außen zu besichtigen), durch den Altbau des Scharrergymnasiums zum Willstättergymnasium durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bauordnungsbehörde, Sachgebiet Denkmalschutz, und der Stadtheimatpflegerin Dr. Claudia Maué.
Treffpunkt: Egidienplatz, beim Melanchthondenkmal, nicht barrierefrei. ÖPNV: Bus 36 Egidienplatz 2.

Das Dominikanerkloster im Laufe der Zeit

Der Bombenkrieg hat nur noch den Nordflügel des ehemaligen Dominikanerklosters übrig gelassen, welches einst das Areal zwischen Stöpselgasse und Theresienstraße einnahm. Das Kloster wurde ab dem 13. Jahrhundert erbaut, der Nordflügel ab dem 14. Jahrhundert. Hier waren vorwiegend Mönchszellen eingerichtet. Nach der Reformation wurden Wohnungen eingebaut; hier wohnten bis vor einigen Jahren Pfarrer und Diakone von St. Sebald. Nach dem Verkauf an einen Investor werden die Gebäude nun instandgesetzt und restauriert. Hier sollen Mietwohnungen entstehen. Die Archäologiefirma, welche die Grabungen im und am Gebäude durchgeführt hat, ist vor Ort und zeigt interessante Funde. Besichtigung: 11 Uhr bis 15 Uhr. Führungen: 12 Uhr und 14 Uhr durch Mitarbeiter der Firma S & P Stadtbauprojekt und dem Architekturbüro Wirth.
Treffpunkt: Burgstraße 6, nicht barrierefrei, Baustelle, festes Schuhwerk erforderlich. ÖPNV: Bus 36 Rathaus.

3. Gesellschaft und Politik – der Wiederaufbau des Pellerhauses

Kein anderes Gebäude in Nürnberg führt momentan zu derart kontroversen Diskussionen wie das Pellerhaus. Bis in die Familien hinein streiten sich Befürworter und Gegner einer Rekonstruktion oder des Erhalts der Nachkriegsarchitektur. Immerhin geht es um nichts weniger als um den Abbruch eines Baudenkmals aus der Wiederaufbauzeit, das die einen als „Schandfleck“, die anderen als „Ikone der Moderne“ betrachten. Was dieses Baudenkmal für die Gesellschaft bedeutet, warum es wichtig ist, die Geschichte der Stadt nicht einfach ein Stück weit auszuradieren, wird bei diesen Führungen beleuchtet. Führungen: 14 Uhr und 16 Uhr durch Mitglieder der Initiative ProPellerhaus.
Treffpunkt: Egidienplatz 23, Pellerhaus, teilweise barrierefrei. ÖPNV: Bus 36 Egidienplatz.

Zusatzinfo: Die Altstadtfreunde Nürnberg e.V. (die eine Rekonstruktion der alten Fassade des Pellerhauses befürworten), sind zum Tag des Offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, erstmals seit vielen Jahren nicht dabei, denn am Samstag und am Sonntag findet im Pellerhaus die Veranstaltung „Stadt-Land-Spielt!“ statt. Die oben genannten Führungen werden durch Vereine und Initiativen wie Geschichte für Alle und ProPellerhaus (setzen sich für den Erhalt Mayer’schen Fassade aus den 50er Jahren ein) für Führungen genutzt. Allerdings werden die Ehrenamtlichen des Altstadtfreunde-Pellerhaus-Teams trotzdem an beiden Tagen ebenfalls vor Ort sein und Kurzführungen anbieten.

4. Archäologie im Knoblauchsland

Das Knoblauchsland war über tausende von Jahren immer wieder Siedlungsgebiet. Viele Befunde aus der späten Bronzezeit (um 1300 v.Chr.), wie Pfostenlöcher von Gebäuden, Keramikscherben, aber auch Zubehör für Webstühle künden von der Bewirtschaftung der sandigen, aber dennoch fruchtbaren Böden. Zahlreich sind auch die Hinterlassenschaften der Kelten, die das Knoblauchsland von etwa 500 v. Chr. bis zum Beginn der Zeitrechnung besiedelten. Zur Schaffung von Wohn- und Industrieflächen werden zukünftige Bauflächen in der Schmalau nun untersucht, um diese Erkenntnisse für die Nachwelt zu dokumentieren. Erläuterungen: zwischen 10 Uhr und 17 Uhr an den Grabungsflächen durch den Stadtarchäologen John P. Zeitler und Mitglieder des Nürnberger Archäologievereins.

Treffpunkt: Grabungsfläche Boxdorf-Schmalau, Ecke Steinacher Straße/Wiesbadener Straße, gutes Schuhwerk erforderlich, nicht barrierefrei. ÖPNV: Bus 178, 179, 260 Steinacher Straße. Hinweis: Die auf den Plakaten angekündigte Grabung in Wetzendorf nördlich der alten Parlerstraße ist schon beendet und die Archäologen haben hier ihre Arbeiten eingestellt. Die Veranstaltung entfällt daher.

5. Umbruch und Erhalt – Einflüsse der Reformation auf die Epitaphien des St. Rochusfriedhofs

Die Reformation in Nürnberg führte nicht zu so großen Umbrüchen wie in anderen Gegenden. So gab es keinen Bildersturm, der zu Verlusten herausragender religiöser Kunstwerke führte, auch in der Liturgie hielt man teilweise an Althergebrachtem fest. Dennoch änderte sich die religiöse Gedankenwelt der Menschen. Zeugnis hierfür sind Veränderungen an den Inhalten der Epitaphieninschriften, während Darstellungen von Namenspatronen oder Schutzheiligen noch lange Zeit weiterverwendet wurden. Bei den Führungen werden solche Beispiele gezeigt.
Führungen: um 11 Uhr und 15 Uhr durch Dr. Adalbert Ruschel vom Verein Nürnberger Epitaphienkunst und -kultur e. V.
Treffpunkt: An der Rochuskapelle im Friedhof, nicht barrierefrei, da enge Wege.
ÖPNV: U 1, 2, 3, Bus 34, 36 Plärrer.

6. Ziegelsichtiges Mauerwerk im Dorf

Im 19.Jahrhundert führte die Industrialisierung zu Veränderungen der Architektur in den Dörfern des Knoblauchlands. Anstelle von Fachwerk und Sandstein wurden neue ländliche Gebäude in Sichtziegelbauweise erstellt, eine bisher im mittelfränkischen Dorf unbekannte Fassadengestaltung. Daraufhin gegründete „Heimatschutzvereine“ versuchten dies zu verhindern, was auch in den 1930er Jahren gelang. Dennoch finden sich im Knoblauchsland etliche Gebäude, die in dieser „neuen Gestaltung“ errichtet wurden. Bei einer mehrstündigen Fahrradführung werden einige dieser Häuser genauer betrachtet.

Fahrradführung: 10 Uhr, 11 Uhr und 14 Uhr durch Mitglieder des Vereins Bauernhausfreunde Nürnberg e.V. Treffpunkt: Straßenbahnendhaltestelle Am Wegfeld, nicht barrierefrei, Fahrräder bitte mitbringen. 
ÖPNV: Straßenbahnlinie 4 Am Wegfeld.

7. Das ehemalige Kommandanturgebäude des Generalsdes III. Armeekorps

Wer weiß heute, dass das villenartige Gebäude in der Bucher Straße 30 einst das Kommandanturgebäude eines Bayerischen Generals war? 1908 wurde das Anwesen mit etlichen Nebengebäuden errichtet und diente bis zur Auflösung des Armeekorps 1928 als Sitz des kommandierenden Generals als Dienst- und Wohnsitz. Seit 1926 bis heute sind dort staatliche Ämter untergebracht. Während der Führungen werden die historische Entwicklung und Nutzung, sowie die kürzlich abgeschlossenen Umbaumaßnahmen erläutert.

Führungen: von 11 Uhr bis 16 Uhr zu jeder vollen Stunde durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts. Treffpunkt: Eingangsbereich Bucher Straße 30.
ÖPNV: U2 oder Straßenbahnlinie 4 Friedrich-Ebert-Platz.
Auch in diesem Jahr ist zu den Nürnberger Programmpunkten wieder eine bebilderte Broschüre für 5 Euro erhältlich. Auf fast 100 Seiten werden die meisten Baudenkmäler und Stationen, die am Tag des Offenen Denkmals besucht werden können, vorgestellt. Die Broschüre ist am Tag des offenen Denkmals bei den einzelnen Objekten sowie danach bei der Bauordnungsbehörde, Sachgebiet Denkmalschutz, Bauhof 5, erhältlich.

Das erste Gymnasium Deutschlands, die von Philipp Melanchthon gegründete „Schola Aegidiana“, stand in Nürnberg, und zwar am Egidienberg direkt neben der Egidienkirche.
Das erste Gymnasium Deutschlands, die von Philipp Melanchthon gegründete „Schola Aegidiana“, stand in Nürnberg, und zwar am Egidienberg direkt neben der Egidienkirche.
Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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