Seine Pläne: ,,Bin offen für das, was kommt"
Nürnberger Stadtdekan Hubertus Förster geht in den Ruhestand

Erzbischof Ludwig Schick (r.), Regionalbischof Stefan Ark Nitsche (2.v.r.), der katholische Stadtdekan Hubertus Förster (2.v.l.) und der evangelische Stadtdekan Jürgen Körnlein (l.) beim Pfingstgottesdienst in St. Sebald.
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  • Erzbischof Ludwig Schick (r.), Regionalbischof Stefan Ark Nitsche (2.v.r.), der katholische Stadtdekan Hubertus Förster (2.v.l.) und der evangelische Stadtdekan Jürgen Körnlein (l.) beim Pfingstgottesdienst in St. Sebald.
  • Foto: Udo Dreier
  • hochgeladen von Nicole Fuchsbauer

NÜRNBERG (pm/nf) - Zwölf Jahre lang war er für die Öffentlichkeit das Gesicht der Katholischen Kirche in Nürnberg. Jetzt, mit 70 Jahren, verabschiedet sich Hubertus Förster, Stadtdekan und Leiter des Hauses der Katholischen Stadtkirche Nürnberg, in den wohlverdienten Ruhestand. Wehmütig ist er dabei nicht – zumindest noch nicht, verrät er mit einem Lächeln. Vielmehr blickt er zurück auf eine Zeit, die er mit ihren Höhen und Tiefen sehr genossen hat.

Eine Institution, die dem Leben dient, die nah am Menschen und seiner Lebenswirklichkeit ist
- dieses Bild wollte Förster als Repräsentant der Katholischen Kirche in Nürnberg nach außen vermitteln. Mit dieser Haltung gestaltete er nicht nur sein Amt als Stadtdekan, sondern auch seinen Dienst in den Nürnberger Innenstadtkirchen Unsere Liebe Frau und St. Elisabeth. Er nahm Anteil am Stadtgeschehen und war selten verlegen, gesellschaftliche Schieflagen beim Wort zu nennen. Den Austausch mit anderen Religionsgemeinschaften und eine gute Ökumene sah er nüchtern: „Alles andere macht in einer großen, bunten Stadt wie Nürnberg keinen Sinn. Da kann man Kräfte bündeln und von- und miteinander lernen. Das ist für alle eine Bereicherung.“

Mit seiner liberalen oder – wie er es selbst nennt – „am Leben der Menschen orientierten“ Haltung stand er seiner Amtskirche zuweilen auch kritisch gegenüber. „Wir leben in einer multikulturellen und vielfältigen Gesellschaft. Man muss die Gegebenheiten realistisch betrachten und überlegen, ob Themen wie der Umgang mit Scheidung oder die Stellung der Frau in der katholischen Kirche nicht überdacht werden müssen“, so seine Überzeugung. Mit der Bereitschaft, Neues zu denken und neue Wege zu gehen, stieß Förster nicht immer auf Gegenliebe. 2013 beispielsweise mussten auf Anweisung des Erzbistums Bamberg und des Bistums Eichstätt die Fastenpredigten der Katholischen Stadtkirche abgesagt werden. Grund war die Einladung des österreichischen Pfarrers Helmut Schüller, Kopf einer kritischen, reformorientierten Pfarrerinitiative. „Darüber habe ich mich damals schon geärgert. Es ist mir bis heute unverständlich, warum diese Predigt nicht stattfinden sollte. Unser Papst ist weit kritischer als Schüller seinerzeit“. Ganz nachgeben wollte Förster damals nicht. „Wir haben aus der Fastenpredigt eine Bildungsveranstaltung gemacht, dann durfte sie stattfinden.“

Sein offenes und auch unkompliziertes Wesen machten Förster im Laufe der Jahre auch außerhalb der Kirchenmauern zu einem gefragten Ansprechpartner: für die Stadt Nürnberg, für Politiker vor allem auf Kommunal- und Länderebene, für die Gewerkschaften sowie für die anderen Religionsgemeinschaften und Konfessionen. „Ich habe es an meinem Amt sehr geschätzt, dass man als Repräsentant der Katholischen Kirche nicht immer nur aus Höflichkeit eingeladen wurde, sondern im Stadtgeschehen auch gefragt war“. Die Segnung des neuen Heimatministeriums oder die vielen gemeinsamen Gottesdienste mit seinem evangelischen Amtskollegen hat er in guter Erinnerung. Ein Highlight: das große Reformationsjubiläum 2017. „Die Atmosphäre und die gemeinsamen ökumenischen Gottesdienste an Pfingsten und am Reformationstag waren etwas ganz Besonderes, da denke ich immer wieder gerne dran“, verrät er.

Für seinen Ruhestand hat Förster noch keine besonderen Pläne. „Ich versuche immer vorwärts zu denken und für das offen zu sein, was kommt. Das galt für meine Zeit als Stadtdekan und das gilt auch für das nächste Lebenskapitel“, beschreibt er es selbst. Auf jeden Fall erstmal eine Pause machen, soviel steht fest. Was danach sei, werde sich zeigen. Vielleicht ein wenig mehr Zeit für seine große Leidenschaft: klassische Musik - insbesondere Wagner und Mozart. Förster selbst beherrscht fünf Instrumente. „Das ist aber im Laufe der Zeit ziemlich eingerostet“, verrät er. Vielleicht fände sich jetzt Zeit, wieder ein wenig zu üben.

Förster wurde am 3. April 1950 in Kronach geboren. Am 27. Juni 1976 wurde er in Bamberg zum Priester geweiht. Nach Stationen als Kaplan in Herzogenaurach und Nürnberg/St. Martin, als Diözesanjugendseelsorger und Leiter des Erzbischöflichen Jugendamtes in Bamberg sowie als Pfarrer in Ebrach kam Förster im September 2005 als Pfarrer von St. Josef nach Nürnberg. Seit September 2008 ist er Stadtdekan von Nürnberg. Seine Amtszeit endet am 31. August 2020.

Corona-bedingt konnte die planmäßige Wahl von Försters Nachfolger nicht im Mai stattfinden; sie wird am 29. Oktober 2020 nachgeholt. Ab September bis zur Ernennung durch die beiden Bischöfe Ludwig Schick, Bamberg, und Gregor Maria Hanke OSB, Eichstätt, wird der stellvertretende Stadtdekan Rudolf Batzdorf Aufgaben übernehmen.

Erzbischof Ludwig Schick (r.), Regionalbischof Stefan Ark Nitsche (2.v.r.), der katholische Stadtdekan Hubertus Förster (2.v.l.) und der evangelische Stadtdekan Jürgen Körnlein (l.) beim Pfingstgottesdienst in St. Sebald.
Nürnberger Stadtdekan Hubertus Förster verabschiedet sich in den Ruhestand.
Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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