Waschen, Schneiden, Föhnen
Wie Friseure unter Corona leiden

Ein Friseurmeister wäscht einem Kunden mit Mund- und Nasenschutz vor dem Schnitt die Haare.
  • Ein Friseurmeister wäscht einem Kunden mit Mund- und Nasenschutz vor dem Schnitt die Haare.
  • Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
  • hochgeladen von Nicole Fuchsbauer

Von Larissa Schwedes, dpa

REGION (dpa) - Politiker im verwuschelten Holzfäller-Look vor der Fernsehkamera und verunglückte Ponys bei jenen, die selbst zur Schere griffen: Eines Tages werden Bilder der «Corona-Friesen» wohl neben den rar gewordenen Klopapierrollen als Skurrilitäten der Corona-Krise die Museen erreichen.

Riesig war die Euphorie, als es im Mai nach etlichen Wochen hieß: Weitermachen, liebe Friseurinnen und Friseure! Im Mai lagen die Umsätze daher immerhin 15,8 Prozent über jenen des Vorjahres, wie aus einer Branchenanalyse der Unternehmensberatung Peter Zöllner im Auftrag von Wella hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

«Der Trend nach guter Friseurdienstleistung ist ungebrochen», sagt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, Jörg Müller. «Wenn es einen Beweis gebraucht hätte, dann war das die Euphorie und der Hype, als die Friseure wieder öffnen durften.» Auch die Gewerkschafterin Andrea Becker von Verdi erkennt eine neue Haltung der Kunden gegenüber ihren Friseuren. Zuvor hätten viele den Gang als Selbstverständlichkeit angesehen und erst durch den Wegfall neu schätzen gelernt.

Zuvor jedoch blieben - das ist nicht zu vergessen - geschlagene sechs Wochen lang die Türen zu. Die Haare wuchsen weiter, doch niemand schnitt sie ab - zumindest fast niemand, der das professionell gelernt hatte. Im März, als die Salons dicht machen mussten, lag der Monatsumsatz somit 37,4 Prozent unter dem des Vorjahresmonats.

Müller rechnet selbst für gut laufende Salons mit Jahresumsatzeinbußen von 10 bis 15 Prozent. Zwar haben auch heute noch viele Salons lange Wartelisten und volle Auftragsbücher, aber: «Ein richtiger Nachholeffekt ist das nicht», meint Müller. Schließlich seien während der geschlossenen Wochen viele Besuche weggefallen, die nicht in gleichem Maße nachgeholt würden.

Belastend sei auch, dass durch Hygienevorschriften und Abstandsregeln deutlich weniger Kunden an einem Tag versorgt werden könnten als üblich. Auch arbeitsteilige Abläufe unter Kollegen seien nicht möglich. «Das trifft besonders Salons, die normalerweise eine hohe und gute Auslastung haben.»

Viele Salons hätten daher ihre Preise erhöht, einige um zwei, andere sogar um bis zu fünf Euro pro Haarschnitt, berichtet Gewerkschafterin Becker. «Das ist sicherlich auch gerechtfertigt.» Die Branchenexpertin geht davon aus, dass die meisten der rund 80 800 Friseure in Deutschland die Krise verkraften können werden - vorausgesetzt, ein erneuter Lockdown aufgrund einer zweiten Corona-Welle bleibt aus.

Großes Sorgenthema der Branche bleibt auch in Corona-Zeiten der Nachwuchsmangel: Obwohl die Branche dem Statistischen Bundesamt zufolge im Jahr 2019 2,4 Prozent mehr Umsatz machte als im Jahr zuvor und auch die Zahl der Salons anstieg, gab es 2,5 Prozent weniger Beschäftigte. Die Zahl der Auszubildenden ging innerhalb eines Jahres laut Zahlen des Deutschen Handwerkskammertags sogar um mehr als fünf Prozent zurück. Gerade viele kleinere Salons könnten es sich oft nicht leisten auszubilden, erklärt Branchenvertreter Müller.

Etablierte und größere Salons sind auf die sogenannten Kleinstbetriebe oft gar nicht gut zu sprechen, wie der Bericht des Zentralverbands deutlich macht: Diese bildeten meist nicht aus, böten keine weiteren Arbeitsplätze und seien, wenn ihr Umsatz unter einem entsprechenden Freibetrag bleibe, von der Mehrwertsteuer befreit - «und können damit konkurrenzlos günstig am Friseurmarkt agieren.»

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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