Unlösbare Probleme?

Illegale Tiertransporte

Eine Maus ist klein und ängstlich, doch als Futtertier und Messinstrument bei Tierversuchen weltweit verbreitet. 7000 dieser weißen und grauen Nager wurden am 15. Oktober 2017 auf der A6 bei Amberg in einem tschechischen Kastenwagen entdeckt und als illegaler Transport beschlagnahmt. Das Tierheim Amberg war zuständig und mit dieser Menge total überfordert. Benachbarte Tierheime wurden aufgerufen, sich an der Aufnahme zu beteiligen, und das Tierheim Erlangen erklärte sich bereit, 90 Ratten und 110 Mäuse aufzunehmen.
Nun galt es, als erstes die Geschlechter zu trennen. Doch schon dabei purzelten neugeborene Mäusebabys in die Decken und erhöhten die Anzahl. Auch für beschlagnahmte Tiere gilt das Tierschutzgesetz, also hieß es im Tierheim genügend Platz für die ordnungsgemäße Unterbringung schaffen. Artgerechtes Futter, Platz und Personal muss aus dem Nichts gezaubert werden, und das bei einer ohnehin überquellenden Belegung. Ein Kraftakt für jedes Tierheim, aber noch viel schlimmer: Es ist kein Ende abzusehen.
Dieser Transport wurde entdeckt, doch wie viele weitere fahren unbehelligt quer durch Deutschland und liefern die bestellten Tiere in europäischen Nachbarländern ab? Niemand weiß es, ihre Herkunft ist nicht feststellbar, der Nachschub aber wie eine Lawine, denn die Tiere sind ein einträgliches Geschäft. Unvorstellbar die Qual der Hündinnen, die in dunklen Ställen einen Wurf nach dem anderen zur Welt bringen müssen und deren Nachwuchs ihnen schon viel zu früh, oft mit wenigen Wochen, weggenommen und auf die Reise quer durch Europa geschickt wird. Diese Welpen sind schwach und krank, kein Tierschutzgesetz schützt sie.
Werden die Transporter auf deutschen Straßen erwischt, kommen die Fahrer meist mit einem Bußgeld davon. Die Fragen „Wem gehören die Tiere? Was passiert mit ihnen? Wer ist für sie verantwortlich?“ bleiben unbeantwortet. Doch die Tierheime müssen die bei uns üblichen strengen Auflagen erfüllen, monatelange Quarantäne, tierärztliche Behandlungen, Pflegemaßnahmen und Kastrationen, Raumnot – niemand hilft bei diesen unlösbaren Problemen.Im Tierheim untergebracht sein bedeutet die Rettung für die betroffenen Tiere. Doch wer stoppt diese Überflutung der ohnehin überlasteten Tierheime? Nur wenn sich in den Herkunftsländern selbst etwas ändert, könnte das illegale Geschäft mit Tieren ein Ende haben.

Text: Margrit Vollertsen-Diewerge, Erlangen
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