Flammendes Europa-Statement von Oberbürgermeister Maly

Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg 2019: Neujahrsrede durch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. (Foto: Udo Dreier)
 
Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg mit Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly (Mitte) sowie den Bürgermeistern Klemens Gsell (l.) und Christian Vogel. (Foto: Udo Dreier)

NÜRNBERG (nf) - Rund 1.500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur haben auch dieses Jahr den Weg zum Neujahrsempfang 2019 der Stadt Nürnberg ins Foyer des NCC-West der NürnbergMesse gefunden. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly hielt (flankiert von seinen Bürgermeistern Christian Vogel und Klemens Gsell) ein flammendes Plädoyer für Europa. Bei der traditionellen Neujahrsveranstaltung (fand im Jahr 1958 zum ersten Mal statt) sammelten die fleißigen Sternsinger heuer Geld für behinderte Kinder in Peru. 

Das Beschwören der europäischen Idee als Friedensprojekt mit allen Ecken und Kanten hat für den Nürnberger Oberbürger aber auch einen handfesten Grund: Nürnberg will 2025 Kulturhauptstadt Europas werden. ,,Eine Bewerbung zur Kulturhauptstadt braucht Kopf und Füße und im besten Fall gelingt es uns, die Geschichten von Vergangenheit und Zukunft, die Nürnberg (und die Region) erzählen, vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wir arbeiten daran." Es brauche ein ,,künstlerisches Aufladen", ,,lokale Helden", die ,,freie Szene", ,,Kreative und Kuratoren aus ganz Europa" dazu. Der OB weiter: ,,2025 ist, wenn wir gewinnen, nicht das rauschende Finale eines dann erfolgreichen Bewerbungsprozesses, sondern Anfang und Aufbruch. Im besten Fall erleben wir eine Stadtgesellschaft, die tief einschnauft, den Rücken streckt und den Kopf hebt, um nach vorne zu schauen, weit über das nächste Jahrzehnt hinaus." Als Beispiel nannte er u.a. das Event „Boulevard Babel“ in der Wölckernstraße im September 2018. ,,Das war ein Beispiel dafür, wie ein Graswurzelansatz heute künstlerisch umgesetzt werden kann, die Open Calls, also die Aufrufe, konkrete Projekte vorzuschlagen, sind ein anderes. ,Miteinander als Ziel' vereint mehrerlei. Zum einen natürlich die Grundfrage, was hält eine sehr diverse Stadtgesellschaft im Inneren zusammen, was ist unsere gemeinsame sinnstiftende Erzählung? Zum zweiten: Wie funktioniert lokale Demokratie, wie kann Beteiligung gelingen? Wie kommt manan die Bürgerinnen und Bürger heran, die nicht zu den partizipationsfreudigen Bevölkerungsgruppen gehören? Kultur für alle, das hat in Nürnberg seit den 1960er Jahren Tradition. Wie müssen Kulturläden als Labore der Gemeinschaftsbildung in Zukunft aussehen? Gilt die Dualität von Hoch- und Soziokultur noch? Lösen sich künstlerische Genres spartenübergreifend auf? Oder ganz praktisch anlässlich des Bauprojekts Oper: Was ist Oper im 21. Jahrhundert, welche Funktion muss der „Kulturpalast“ haben?" 
So kommt es nicht von ungefähr, dass Maly eindringlich aufforderte, im Mai an der Europawahl teilzunehmen. ,,Wenn dabei zum zweiten Mal nacheinander mit Manfred Weber (der CSU-Politiker soll nach dem Willen der Europäischen Volkspartei, EVP, neuer EU-Kommissionspräsident werden) ein Deutscher Spitzenkandidat eines der beiden (noch) größeren politischen Lager ist, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass alle Bundesregierungen von Konrad Adenauer bis Angela Merkel die von Helmut Schmidt für das wiedervereinigte Deutschland postulierte „Demut“ im Umgang mit unseren europäischen Partnern einigermaßen eingehalten haben. Sonst wären beide Spitzenkandidaten in ihren Parteienfamilien nicht mehrheitsfähig gewesen. Mit Blick auf den 26. Mai heißt es also: Hingehen, mitmachen und vorher überall dafür werben!"
Zum Schluss seiner Rede ging Maly dann doch ganz konkret auf die Befindlichkeiten der Nürnberger, zumindest der Clubfans ein: ,,Dass dieser Optimismus sich auch auf die schweren Fälle erstrecken muss, zeigt ein Blick auf die Bundesligatabelle. Aber wie heißt es doch so schön: Wenn’s leicht wäre, könnte es ja jeder!"
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