So sah Nürnberg im Jahr 800 aus

Nürnberg im Jahr 800. Modellbau, verschiedene Materialien, 2016, Herbert Stahl. Quelle: Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen. (Foto: Martin Ammon)
 
Dokumentation der Schichtabfolge in der Jakobstraße Nürnberg. (Foto: Archiv der Bauordnungsbehörde/Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Nürnberg)
 
Die Aufschüttungen des 12.Jahrhunderts waren zur Pegnitz hin gegen Abschwemmung mit Flechtwänden aus Hasel- und Weidenruten geschützt. (Foto: John P. Zeitler)

Stadtrundgänge zur Ursprungslandschaft Nürnbergs

NÜRNBERG (pm/nf) - Noch bis 14. Oktober 2018 zeigt das Stadtmuseum im Fembo-Haus in der Reihe „Fremde Schätze“ die Sonderpräsentation „Nürnberg im Jahr 800. Die Ursprungslandschaft unserer Stadt“. Sie rückt das Modell des Landschaftshistorikers Herbert Stahl in den Mittelpunkt, das die unberührte Landschaft Nürnbergs um 800 vorstellbar macht.Nürnberg ist mit seinen über 500.000 Einwohnern heute eine Großstadt. Doch am Anfang sah alles ganz anders aus. Der Anfang, das ist wohl die Zeit um 800, eine Epoche, die von der Regentschaft Kaiser Karls des Großen geprägt war und in der – nach heutigem Kenntnisstand – im Nürnberger Raum die erste Besiedlung entstand.

Wiederentstand muss man sagen, denn davor war die Gegend seit der Jungsteinzeit ab etwa 3800 v. Chr. fast durchgehend besiedelt, bis um 60 v. Chr. die hier lebenden Kelten Süddeutschland verließen, um vor den von Norden vordringenden Germanen nach Gallien auszuweichen. Da weder Germanen noch Römer Interesse an den sandigen Böden hatten, blieb die Region um Nürnberg nun bis zum Eintreffen frühmittelalterlicher Siedler im 9. Jahrhundert sich selbst überlassen – und entwickelte sich von einer Kulturlandschaft wieder zu einer Ursprungslandschaft.

Das im Modell dargestellte Areal zeigt im Westen die Rosenau, damals ein Sumpf- und Teichgelände; im Osten die Wöhrder Wiese, ein feuchtes Wiesengelände mit vielen schilfbestandenen Inseln; im Norden den mit Felstürmen stark zerklüfteten Burgberg und im Süden die karge Dünenlandschaft um die spätere Lorenzkirche.

Eine natürliche Flusslandschaft

Die Pegnitz – ein Fluss, der die Stadt zu allen Zeiten prägte. Um diesen Flusslauf und seine Besonderheiten zu verstehen, muss man die Elemente betrachten, die bei allen langsam fließenden Gewässern auf sandigem Gelände vorkommen: Die Strömung schafft sich einen steilen „Prallhang“ und einen sanften „Gleithang“. Unregelmäßigkeiten im Gelände bestimmen den Verlauf der Flussschleifen, die der Fluss bei Hochwässern verändert und abschneidet, sodass einige zu Altwässern werden oder neue gebildet werden. Dabei lagern sich Sand und Faulschlamm ab. Vor engen Stellen, wie in der Nürnberger Altstadt, fächert sich der Fluss in weiten Sandflächen auf, erhöht sein Niveau, wird langsamer und sucht sich schließlich ein neues Bett – vorausgesetzt der Mensch hindert ihn nicht daran.
Die Prallhänge der Pegnitz sind das Lorenzer Ufer und der Flussbogen in Johannis, Gleithänge befinden sich am Hauptmarkt sowie bei Gostenhof und Kleinweidenmühle. Von den zahlreichen Flussinseln sind heute nur noch der Trödelmarkt und die Insel Schütt übrig. Die Umgebung des Gewässers dominierte einst Hangmischwald aus Eichen, Erlen und Weiden.

Veränderungen im Bodenniveau

Das Bodenniveau der Pegnitz lag vor Besiedlungsbeginn etwa fünf bis sechs Meter tiefer als heute. Diese Erhöhung des Niveaus – vor allem im Altstadtbereich – entstand durch Flussablagerungen, Hangrutsche und durch den mittelalterlichen Bauschutt. Im landwirtschaftlich genutzten Knoblauchsland reduzierte sich dagegen das Bodenniveau seit dem Mittelalter durch Winderosion um etwa zwei Meter.

Die Entstehung des Modells

Die Grundlagen des Modells gehen vor allem auf zahlreiche archäologische Grabungsberichte sowie auf einige alte Karten mit eingezeichneten Geländestrukturen zurück. Bei den Grabungsberichten wurden vor allem der sogenannte Wissenschaftliche Bericht, der Funde und historische Geländebeschreibung beinhaltet, und das Befundbuch, also die Beschreibung der archäologischen Zusammenhänge, ausgewertet. In den Aufzeichnungen finden sich Angaben zu dem aus den Grabungsbefunden erschließbaren Siedlungsablauf, zu den Funden und ihrer Zeitstellung. Außerdem sind alle Höhenangaben der heutigen Oberfläche (Lauffläche) sowie die Meereshöhe enthalten.

Die Umsetzung im Modell

Anhand des Höhenschichtenplans aus dem Jahr 1936 und der Übertragung der aus den Berichten gewonnenen Grabungsdaten entstand am Computer in CAD ein neuer, dreidimensionaler Höhenschichtenplan für die Zeit vor der mittelalterlichen Besiedlung Nürnbergs um 800. Das Ergebnis war ein virtuelles Modell, das von allen Seiten in dreidimensionalen Ansichten betrachtet werden konnte. Das virtuelle Modell wurde dann in ein reales Modell aus Modelliermasse, eingelagertem Styropor und Bewuchsaufflockung umgesetzt. Um das Gelände anschaulicher darzustellen, entschied man sich für eine dreifache Überhöhung. In mehreren hundert Stunden Arbeit am Rechner und am Modell entstand so maßstabsgerecht ein dreidimensionaler Eindruck der Ursprungslandschaft Nürnbergs um 800.Leihgeber des Modells ist Herbert Stahl, Landschaftshistoriker.

Stadtrundgänge zur Ursprungslandschaft Nürnbergs

Start jeweils am Geländemodell im Tanzsaal des Stadtmuseums im Fembo-Haus, Burgstraße 15. Die Teilnahme ist im Museumseintritt von 6 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, inbegriffen.

An den Samstagen 14. Juli sowie 25. August und 13. Oktober 2018 startet jeweils um 14 Uhr der Rundgang „Die Sanddünen in St. Lorenz“: Der Weg führt zunächst Richtung Sebalduskirche – damals die Grenze des Pegnitzsumpfs – und weiter durch die Waaggasse, unter der vor1 200 Jahren ein verlandender Pegnitzarm lag. Auch der Hauptmarkt lag einst sechs Meter tiefer als heute und bildete ein Überschwemmungsgebiet des Flusses. Am anderen Ufer gab es eine höher gelegene, karg bewachsene Sandfläche. Hinter und neben der heutigen Lorenzkirche erstreckten sich meterhohe Sanddünen.


An den Samstagen 28. Juli und 8. September 2018 findet jeweils um 14 Uhr der Rundgang „Der Quellteich bei der Rosenau“ statt: Vom Felshang des Fembo-Hauses geht es über die Felskante westlich der Sebalduskirche zum einstigen Pegnitzsumpf am Rand der Weißgerbergasse. Das Gelände lag mehrere Meter tiefer und der Augustinerplatz bildete ein Überschwemmungsgebiet der Pegnitz. Hinter dem Hallertor endet die Führung im Rosenaupark, heute ein kleiner Erholungsplatz, um 800 eine sogenannte Auskeulung der Pegnitz und später ein Quellteich, in den der Fischbach mündete.

Am Samstag, 22. September 2018, beginnt um 14 Uhr der Rundgang „Der zerklüftete Burgfelsen“: Über Schildgasse und Burgstraße geht es hinauf zur Kaiserburg. Früher standen hier zahlreiche einzelne Felstürme aus Sandstein, die wie eine Zahnreihe in Ost-West-Richtung lagen. Sie dienten als Basis für die heutigen Burgtürme, das Gelände wurde jedoch durch Schutt und Sand um mehrere Meter erhöht. Auch war der Felsen im Norden und Westen ursprünglich wesentlich größer.


Der Eintritt in die Sonderpräsentation ist im Museumseintritt von 6 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, bereits inbegriffen.
Kontakt: Stadtmuseum im Fembo-Haus
Burgstraße 15
90403 Nürnberg
Telefon: 09 11 / 2 31-25 95
Fax: 09 11 / 2 31-25 96,
E-Mail: stadtmuseum-fembohaus@stadt.nuernberg.de www.stadtmuseum-fembohaus.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10-17 Uhr, Samstag und Sonntag 10-18 Uhr

AnfahrtBuslinie36: Haltestelle Burgstraße
U1/U11: Haltestelle Lorenzkirche (Ausgang Hauptmarkt).
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