Autodichte in Deutschland auf Rekordwert angewachsen

Es könnte voll werden auf Deutschlands Straßen - immer mehr Pkw sind unterwegs (Foto: Gellinger / pixabay.com)

Noch nie zu zuvor hatten die Deutschen so viele Autos wie heute -  Die Zahl der Zulassungen ist auf 555 pro 1.000 Einwohner angewachsen. Doch was bedeutet das?

Dass Deutschland schon immer eine besondere Beziehung zur Autobranche hatte, ist allgemein bekannt. Doch mittlerweile zeigt sich, dass sich diese Beziehung auch heute noch ausbauen lässt. Laut Auswertungen des Statistischen Bundesamtes besaßen von 1.000 Deutschen im Jahr 2016 ca. 555 einen eigenen Pkw. Ein neuer Rekord. Doch was bedeutet dies für unsere Infrastruktur und die Umwelt? Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen Europäischen Nationen dar? In diesem Artikel bieten wir einen näheren Überblick.

Wie sieht der europäische Automarkt aus?

Mit 555 Pkw pro 1.000 Einwohner hat Deutschland zwar einen neuen innerdeutschen Rekord aufgestellt (2010: 527 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner), liegt innerhalb der EU jedoch nur im Mittelfeld. Hier können ganz andere Länder auftrumpfen:

Land/Pkw pro 1.000 Einwohner
Luxemburg/662
Italien/625      
Malta/615
Finnland/604
Zypern/595
Polen/571
Deutschland/555
Schweden/477 
Ungarn/338
(Autodichte in verschiedenen Staaten der EU, Quelle: MDR.de, Eurostat)

Es gibt also einige Länder innerhalb der EU, die eine deutlich höhere Pkw-Dichte aufweisen als Deutschland. In Deutschland selbst ist die Verteilung hingegen ebenfalls nicht gleichmäßig:

- In Großstädten geringere Pkw-Dichte
- Ländliche Regionen von Rheinland-Pfalz und Bayern weisen hohe Autodichte auf

Welche Arten von Fahrzeugen werden hierzulande mehrheitlich zur Zulassung angemeldet?

Der Bestand an Pkw betrug laut Kraftfahrt-Bundesamt zu Beginn des Jahres 2018 ca. 46,74 Millionen Fahrzeuge. Dabei spielen Benziner nach wie vor die größte Rolle:

Antriebsart/Anzahl der Fahrzeuge
Benzin/30.451.268
Diesel/15.225.296
Gas/496.742 
Elektro/53.861 
Hybrid/236.710
(Zulassungszahlen nach Antrieb, Quelle: KBA)

Hier zeigt sich eindeutig, dass die neuartigen Antriebe wie Elektro- oder Hybridfahrzeuge hierzulande noch kein allzu gutes Standing haben. Auch wenn der Anstieg von 1.452 auf 53.861 Elektrofahrzeuge plus 3.709% zwischen 2009 und 2018 beachtlich klingen mag, ist die absolute Zahl immer noch deutlich zu gering. Allein die Zunahme an Dieselfahrzeugen zwischen 2017 und 2018 (15,089 Millionen auf 15,225 Millionen) fällt mehr als doppelt so hoch aus als die gesamte Zahl der zugelassenen Elektrowagen.

Was bedeutet die hohe Zahl an Fahrzeugen für uns?

Die möglichen Auswirkungen einer hohen Pkw-Dichte auf Deutschland können mannigfaltig sein. Es kommt dabei jedoch immer ganz auf die Perspektive an:

1. Es wird enger auf unseren Straßen
Durch mehr Fahrzeuge wird es auf unseren Straßen noch enger. Für die Betroffenen in Ballungsgebieten oder berühmten Autobahnabschnitten wie der A1 oder A2 heißt dies, dass die Staugefahr weiter ansteigt.

2. Die Umweltbelastung steigt
Das Thema Umweltbelastung durch Stickoxide und CO2 ist in der letzten Zeit sehr intensiv diskutiert worden. Die steigenden Zulassungszahlen für Benziner und Dieselfahrzeuge könnten die Probleme weiter verschärfen. Auch die Problematik der Fahrverbotszonen ist weiterhin akut und könnte zu ernsten Streitigkeiten führen.

3. Höhere Nachfrage nach Kfz-Dienstleistungen
Durch den höheren Pkw-Bestand haben auch Kfz-Werkstätten mehr Kunden. Wer heute sein Auto zur Reparatur bringen möchte, muss teilweise mit mehreren Tagen Wartezeit rechnen. Besonders akut ist dies in den Monaten Oktober und November, wenn sehr viele Autobesitzer einen Reifenwechsel in Auftrag geben. Da sind Online-Dienste besonders hilfreich. Sie übernehmen die Terminkoordination und führen Kunden und Werkstätten zusammen.

4. Impuls für die Wirtschaft
Die hohe Nachfrage nach Autos sowie nach Kfz-Dienstleistungen sorgt auch für positive Impulse auf die Wirtschaft. Ob dies jedoch die aktuell eher abflauende Stimmung abmildern kann, ist eher unwahrscheinlich.

Wie könnte sich der Kfz-Markt in Deutschland entwickeln?

Angesichts des Klimawandels und der damit verbundenen drohenden Fahrverbote dürfte auch in Deutschland der Bestand an Elektrofahrzeugen weiterwachsen. Die Alltagstauglichkeit hat bei Reichweiten von 300-400 km einen Stand erreicht, der für viele Nutzer als akzeptabel bezeichnet werden kann. Darüber hinaus zeigt sich weltweit auch schon ein echter Elektro-Boom. Mittlerweile haben auch die klassischen Autohersteller erkannt, welche Wachstumsimpulse von dieser Antriebsart ausgehen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie das Infrastrukturproblem gelöst wird.

Der Automarkt befindet sich im Umbruch

Deutschland ist trotz der hohen Versorgung mit Pkw also nach wie vor ein Markt, auf dem sich Wachstum erzielen lässt. Es bleibt abzuwarten, ob der Elektro-Boom auch hierzulande zuschlägt. Zumindest einige der Probleme einer hohen Pkw-Dichte ließen sich damit lösen. Etwaige Platzprobleme allerdings nicht.
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