Maschinelle Übersetzungen: Möglichkeiten mit DeepL, Google Translate und Co.

Um die eigene Homepage auch einem internationalen Publikum zugänglich zu machen, sind gute Übersetzungen die Voraussetzung. (Foto: © Cybrain - Fotolia.com)

SERVICE (se/fi) - Die Globalisierung schreitet immer weiter voran und erhöht damit den Druck auf viele Unternehmen, ihre Webseiten auch für ein internationales Publikum verständlich zu machen. Um Kunden aus aller Welt zu erreichen, ist eine hochwertige Übersetzung der eigenen Inhalte unverzichtbar. Wer die teils hohen Kosten für professionelle Übersetzer nicht aufbringen möchte, greift oft auf Apps und Online-Tools zurück – doch was kann die Technologie tatsächlich leisten?

Googles Fortschritte im Bereich der Online-Übersetzung

Google Translate gehört zu den bekannteren Übersetzungsmaschinen und fiel in der Vergangenheit vor allem durch allzu wörtliche, inkorrekte Übersetzungen auf. Das wohl berühmteste Werkzeug zur maschinellen Übersetzung arbeitete bis vor etwa fünf Jahren noch nach der Methode des Wort-für-Wort-Übertragens. Einzelne Worte konnte Google Translate demnach gut in die Zielsprache übersetzen, bei komplexeren Zusammenhängen war die Fehlerquote jedoch hoch.

Mittlerweile aber wurde bei den Translator-Programmen von Google, Microsoft und Co. viel verbessert. Beispielsweise nutzt das Übersetzungstool von Google seit 2016 ein neuronales Netzwerk und kann dementsprechend nun auch ganze Sätze in einen Kontext setzen. Allein dadurch ist die Fehlerquote deutlich gesunken und die maschinelle Übersetzung verlässlicher geworden.

Der Konkurrent: Übersetzung mit DeepL

Als nicht zu unterschätzende Konkurrenz hat sich in letzter Zeit das Übersetzungsprogramm DeepL eines Kölner Startups erwiesen. Denn DeepL greift auf das neuronale Netzwerk eines Supercomputers in Island zu, sodass pro Minute eine Million Wörter übersetzt werden können und noch dazu weniger Fehler auftreten. Im Vergleich zu Google und Microsoft ist DeepL also noch effizienter und verlässlicher – allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, denn völlige Fehlerfreiheit ist auch in diesem Fall nicht garantiert.

So lernen Übersetzungsprogramme

Sowohl Google Translate als auch DeepL erweitern ihr Wissen mit jeder neuen Anfrage. Denn Google Translate lernt durch die reine Masse an Übersetzungsanfragen und den erhaltenen User-Rückmeldungen, wo Fehler liegen. Mit anderen Worten: Je mehr Anfragen die Maschine erhält, desto größer wird der Wissensschatz, aus dem sie schöpfen kann.

DeepL kann dank des Supercomputers der sprachlichen Realität noch näherkommen, denn es werden bestehende menschliche Übersetzungen als Validierungsbasis herangezogen. Die maschinelle Übersetzung orientiert sich also an dem, was ein menschlicher Übersetzer bereits geleistet hat. So können Kontext und Wortwahl noch besser erkannt und übertragen werden.

Das können die Tools tatsächlich

Wie gut die gängigen Übersetzungstools tatsächlich sind, hängt immer davon ab, um welche Ausgangs- und Zielsprache es sich handelt. Besonders gute Ergebnisse erzielt maschinelle Übersetzung in folgenden Fällen:
· Die Sprache ist gängig und hat eine hohe Sprecherzahl. Englisch, Spanisch oder auch Französisch dürfen für ein gutes Übersetzungsprogramm heute kein Problem mehr darstellen.
· Der Text ist einfach gehalten und die Satzstellungen sind nicht allzu komplex.

Dementsprechend kommt es auch immer von den Anforderungen an, ob man mit der maschinellen Übersetzung zufrieden ist. Für einfache Texte mit kurzen Sätzen, die zum Beispiel vom Deutschen ins Englische übertragen werden sollen, eignet sich Google Translate oder DeepL durchaus.

Wenn aber ein komplexer juristischer Text mit viel Fachvokabular und langen Schachtelsätzen in eine weniger verbreitete Sprache wie etwa Slowenisch übersetzt werden soll, ist das Ergebnis mit Vorsicht zu genießen und mit großer Wahrscheinlichkeit nicht fehlerfrei.

Grundsätzlich gilt also: Je einfacher das zu übersetzende Dokument, desto höher die Erfolgschancen bei Google Translate und DeepL. Denn bei allem Fortschritt sind die Übersetzungsprogramme durchaus nicht unfehlbar.

Die Grenzen von Online-Übersetzungstools

Onlinetools für Übersetzungen können eine gute Alternative sein, sofern die zu übersetzenden Texte einfach gehalten sind und in eine gängige Sprache übersetzt werden sollen. Die Speisekarte im Italien-Urlaub dürfte heutzutage kein großes Problem mehr darstellen, und auch englische Packungsbeilagen sind für Google Translate und DeepL machbar. Kurze, unkomplizierte Übersetzungen kann man getrost damit vornehmen.

Allerdings gibt es auch Grenzen für die maschinelle Übersetzung. Denn Maschinen sind nach wie vor keine Menschen und haben daher oftmals vor allem Probleme mit der Sinnerkennung. Je offizieller der Zweck der Übersetzung und je wichtiger das Dokument, umso wichtiger ist ein menschlicher Übersetzer. Denn wer professionell übersetzt, kann

· komplexe Zusammenhänge des jeweiligen Fachgebietes verstehen
· Slangs, Dialekte und Redewendungen übersetzen
· Feingefühl für sprachliche und kulturelle Unterschiede anwenden

Was den Kontext einer Übersetzung betrifft, versagen DeepL und Google Translate nach wie vor. Zwar bringt DeepL von allen getesteten Tools die beste Leistung, jedoch ist auch diese Übersetzungsmaschine noch nicht in der Lage, einen komplexen Text zu verstehen, an dem selbst viele Menschen ohne spezielles Fachwissen scheitern würden. Grenzwertig bei der maschinellen Übersetzung sind zudem oft Redewendungen: Sie werden vom Computer nicht verstanden und machen schließlich in der Zielsprache keinen Sinn mehr.

Wer also wichtige Dokumente in eine weniger gängige Sprache wie Mandarin, Farsi oder Finnisch übersetzen lassen möchte, sollte dies weiterhin einem professionellen Übersetzungsbüro überlassen. Da eine professionelle Übersetzungsagentur zugleich einen Lektoratsservice anbietet, sollten die Fehler hier im Idealfall gar nicht vorhanden sein.

DeepL dürfte auch in Zukunft ein interessanter Anbieter für maschinelle Übersetzung sein, denn das System des Kölner Startups ist revolutionär. Aber auch Google Translate ist auf dem Vormarsch und muss seine Fähigkeiten künftig noch weiter ausbauen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Man kann davon ausgehen, dass im Lauf der Zeit immer bessere Übersetzungen möglich sein werden – wer aber eine professionelle Übersetzung braucht, sollte sich nach wie vor auf das Können menschlicher Experten verlassen.
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