Konjunktur im Keller
Corona-Krise belastet oberfränkische Unternehmen

In der langen Reihe des Konjunkturklimaindexes seit 1994 wird die Dramatik der aktuellen Lage besonders deutlich.
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  • In der langen Reihe des Konjunkturklimaindexes seit 1994 wird die Dramatik der aktuellen Lage besonders deutlich.
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OBERFRANKEN (ihk/rr) – Der Begriff „externer Schock“ kommt ursprünglich aus der Medizin, wo er für den lebensbedrohlichen Zustand eines Menschen steht. Die Ökonomen haben den Begriff entlehnt, um ein plötzliches und nicht erwartetes massives Ereignis zu beschreiben, das die Märkte überrascht und unmittelbare Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage hat.
Die Corona-Pandemie ist ein heftiger externer Schock, der inzwischen nahezu die gesamte Volkswirtschaft betrifft und dessen Auswirkungen nun auch die oberfränkischen Unternehmen deutlich zu spüren bekommen. In der Mai-Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth bricht der IHK-Konjunkturklimaindex ein, verliert 35 Punkte und liegt nun nur noch bei 79 Zählern. „Viele Unternehmen sind unmittelbar von den Beschränkungen betroffen und die Umfrage ist von tiefer Unsicherheit geprägt. Das führt nicht nur zu schlechten Bewertungen der aktuellen Geschäftslage, sondern auch zu pessimistischen Erwartungen an die kommenden Monate“, erläutert IHK-Präsidentin Sonja Weigand und ergänzt: „Einen vergleichbaren Einbruch der IHK-Konjunkturwerte gab es zuletzt in den Hochphasen der Bankenkrise Anfang des Jahres 2009.“

Die Ergebnisse der Konjunkturbefragung im Einzelnen

„Die Weltwirtschaft steht erheblich unter Druck, in vielen Ländern gelten nach wie vor Beschränkungen und auch die oberfränkischen Betriebe können sich von dieser Entwicklung nicht abkoppeln“, betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner. Die aktuelle eigene Geschäftslage wird in den Unternehmen so negativ wie selten zuvor beurteilt. Die Branchen und Unternehmen sind von den Auswirkungen der Corona-Pandemie jedoch sehr unterschiedlich betroffen. 44 Prozent der Befragten stufen die aktuelle Geschäftslage als schlecht ein. Immerhin noch ein knappes Viertel der Betriebe (23 Prozent) berichtet dagegen von einer guten Geschäftslage. 33 Prozent nennen die eigene Situation befriedigend.

Als einzige Branche kann der Bausektor das positive Niveau der vergangenen Jahre halten, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Relativ ausgeglichen wird die Lage im Dienstleistungssektor bewertet. Dagegen hat sich die Stimmungslage in Handel, Industrie und vor allem im Tourismus zum Teil dramatisch verschlechtert. Ein Grund mag der Zeitpunkt der Befragung Mitte Mai sein, als vielfach noch starke Beschränkungen galten und das Gastgewerbe komplett geschlossen war.

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Dramatisch schlecht wird nicht nur die aktuelle Lage beurteilt. Auch die Erwartungen an die kommenden Monate sind pessimistisch. In allen Branchen und damit auch im Gesamtergebnis wird eine Verschlechterung der Geschäftslage erwartet. Die negative Einschätzung zieht sich durch alle Branchen. 40 Prozent der Unternehmen aus dem Kammerbezirk befürchten eine Verschlechterung der eigenen betrieblichen Situation, von einer Verbesserung gehen nur 19 Prozent aus. Die restlichen 41 Prozent erwarten weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung. Auffallend negativ sind gemessen an der gegenwärtigen Situation die Rückmeldungen aus dem Bausektor sowie aus dem Tourismus und mit Abstrichen der Industrie und dem Dienstleistungssektor.
„Erst die Entwicklung der kommenden Monate wird zeigen, ob die Krise den Wirtschaftsstandort nachhaltig erschüttert oder ob nach dem Schock die Zuversicht und damit der Erfolg zurückkehrt“, so IHK-Präsidentin Sonja Weigand. Die Politik müsse nun Zug um Zug allen Unternehmen die Rückkehr zu einem geordneten Geschäftsbetrieb ermöglichen. „Der Neustart muss breit angelegt sein und durch stimulierende Impulse aus der Politik flankiert werden, wenn er gelingen soll“, so Weigand. Mit einer steigenden Zuversicht dürfte auch die Konsumlaune der Verbraucher zurückkehren, von der vor allem Handel, Gastgewerbe und Dienstleister profitieren.

Investitionen und Beschäftigung rückläufig

In dem schwierigen Umfeld aus Betriebsschließungen, unterbrochenen Lieferketten, einer sinkenden Nachfrage im In- und Ausland und verunsicherten Verbrauchern verwundert es nicht, dass die oberfränkischen Unternehmen ihre Investitionsplanungen anpassen. Über ein Drittel der Unternehmen plant vorerst keine Investitionen. Der Rest hält sich zurück.
Auch der Blick auf die geplante Beschäftigtenentwicklung macht das konjunkturelle Stimmungstief der befragten Betriebe deutlich. Alle Branchen rechnen im Saldo mit einem reduzierten Personalbestand, allen voran der Tourismus und das verarbeitende Gewerbe. „Durch die Corona-Krise nimmt auch der Druck auf den Arbeitsmarkt zu. Gerade deshalb müssen die Unternehmen in die Lage versetzt werden, die Krisenzeit zu überstehen, ohne in großem Umfang Personal abzubauen. Das staatliche Gesamtpaket aus Kurzarbeiterregelung, Soforthilfen, Steuererleichterungen und Kreditprogrammen leistet dazu einen wesentlichen Beitrag. Für den Neustart aller Unternehmen reicht das allerdings nicht“, so Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner.

Autor:

Roland Rosenbauer aus Forchheim

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