DATEV Challenge: Bart Aernouts läuft so schnell wie keiner vor ihm

Bart Aernouts (BEL), Sieger des DATEV Challenge Roth 2017 blieb in einer Zeit von 07:59:07 Stunden als Einziger unter der magischen 8-Stunden-Marke. (Foto: © TEAMCHALLENGE, Christoph Raithel)
 
Das letzte Mal als Profi auf der Langdistanz, Timo Bracht (GER) beendet seine Karriere mit einem vierten Platz beim DATEV Challenge Roth 2017. (Foto: © TEAMCHALLENGE, Christoph Raithel)

ROTH (TeamCallenge/vs) - Zwar sind die bisherigen Bestmarken von Jan Frodeno und Chrissie Wellington nicht gefallen, dafür gab es aber beim gestrigen DATEV Challenge dennoch einen neuen Rekord: Mit einer Zeit von 2:44:10 Stunden lief der Belgier Bart Aernouts den schnellsten Marathon im Rahmen dieses Wettbewerbes.

Mit dem Sieg der Schweizerin Daniela Ryf, die als haushohe Favoritin ins Rennen gegangen war, hatten alle Experten beim weltweit größten Langdistanz-Triathlon (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen) gerechnet. Den schnellen Begier hatte im Vorfeld dafür kaum jemand auf dem Schirm.
Aernouts pflügte sich bei schwül-heißen Temperaturen buchstäblich durch das Feld. Nach dem Schwimmen noch auf Platz 23 notiert, sammelte auf den 180 Radkilometern etliche Konkurrenten ein und wechselte als Fünfter auf die Laufstrecke. Dort legte er gemeinsam mit dem Engländer Joe Skipper das höchste Tempo vor und setzte sich bei Kilometer 26 an die Spitze. Die gab er dank des schnellsten Marathon (2:44:10 Stunden) bis ins Ziel nicht mehr ab. In 7:59:07 Stunden blieb er als einziger der knapp 3400 Einzelstarter und der Acht-Stunden-Marke.
Aernouts hat seine größten Erfolge im Duathlon gefeiert, belegte im Vorjahr auf Hawaii allerdings einen starken achten Rang. Noch im Mai hatte er auf Lanzarote auf der Langdistanz triumphiert. Und: Aernouts ist der zweite Belgier, der in Roth triumphiert. Exakt vor 20 Jahren hatte Luc van Lierde an gleicher Stelle mit Weltbestzeit gewonnen.
Um Bestzeiten ging es diesmal nicht. Es war vielmehr ein richtig spannendes Rennen. Bis der 33-Jährige aus Antwerpen die Führung übernahm, hatten das Geschehen zwei Deutsche dominiert. Nils Frommhold schien lange Zeit seiner Favoritenstellung gerecht werden zu können, musste nach 160 Radkilometern aber nach einem Sturz aufgeben. Er war mit einer überrundeten Athletin kollidiert. Er blieb zwar weitgehend unverletzt, doch seine Rennmaschine war nicht mehr zu gebrauchen.
Von Frommholz´ Pech profitierte zunächst Langdisgtanz-Rookie Maurice Clavel, der die Spitze übernahm und sie auf den ersten Laufkilometern sogar noch ausbaute. Ab Kilometer 20 zeigte sich aber, dass ein Meister auf der Mitteldistanz noch nicht automatisch zu einem Meister auf der Langdistanz aufsteigen kann. Zumindest nicht sofort. Doch der Jüngste im Profi-Feld rettete sich auf der letzten Rille noch als Dritter ins Ziel (8:04:53 Stunden). Mehrere Geh- und Stehpausen musste er einlegen, "durch die Hölle" habe er gemusst, sagte er hinter. Und den Himmel erreichte er erst ganz zum Schluss: "Zwei Meter vor der Ziellinie."
Überholt wurde er unterwegs noch vom Vorjahreszweiten Joe Skipper, der eine ähnliche Rennstrategie hatte wie Sieger Aernouts: mittelmäßig im Wasser, stark auf dem Rad, bärenstark zu Fuß. Unter dem Strich war er exakt 8:03:00 Stunden unterwegs. Eine halbe Minute hätte er sicher schneller sein können. Doch kurz vor der Ziellinie blieb er stehen, um mit Familie und Freunden Selfies zu schießen.
Nicht nur die Top-Drei wurden im Rother Triathlon-Stadion mit Standing Ovations empfangen. Besonders emotional wurde es beim Vierten: Denn für Timo Bracht, 41, endete an der Ziellinie seine Profi-Karriere. "Ich hatte einen Super-Wettkampf", bilanzierte der Eberbacher. Im Spät-Spät-Herbst seiner Karriere stellte er sogar noch einmal eine persönliche Bestleistung auf der Radstrecke auf. Der Marathon ging für ihn dann aber extrem schwer. Bis auf den letzten Schenkel von Büchenbach zurück nach Roth: "Da flogen die Kilometer plötzlich viel zu schnell vorbei", sagte er im Ziel.
Wie man Kilometer in Windeseile "frisst", zeigte zum zweiten Mal in Roth Daniela Ryf. An ihrem Erfolg hatte es schon im Vorfeld kaum Zweifel gegeben. Die sympathische Schweizerin feierte vor unzähligen Zuschauern dann auch einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Den angekündigten Angriff auf die Fabel-Weltbestzeit von Chrissie Wellingten musste die 30-Jährige aber abblasen. Zu schwierig waren die Bedingungen (schwül-heiß, relativ viel Wind auf der Radstrecke), zu weit hatten sie ihre langwierigen Rückenprobleme im Frühjahr zurückgeworfen. Dennoch: 8:40:03 Stunden sind eine absolute Weltklassezeit. "Bei Laufkilometer 15 hatte ich keine Ahnung, wie es meine Beine ins Ziel schaffen sollte", sagte Ryf im Ziel. "Ohne die Zuschauer hätte es nicht geschafft."
Auch die Zweitplatzierte Laura Siddal (8:51:38 Stunden), die einen gleichmäßigeren Marathon lief als Daniela Ryf, blieb weit unter der Neun-Stunden-Marke. Ebenso wie die drittplatzierte Amerikanerin Lisa Roberts (8:57:14 Stunden), die mit einem Super-Marathon den Rother Publikumslieblung Yvonne van Vlerken noch auf Rang vier verwies.
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