Schwabacher Wirtschaftsschülerinnen gestalten offizielle Gedenkfeier zum 9. November

Christel Hausladen-Sambale von der Initiative für Demokratie gegen Rechtsextremismus eröffnete die Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht. Fotos: Ursula Kaiser-Biburger
 
Die Stadt Schwabach wurde durch Bürgermeister Dr. Roland Oeser vertreten, der in seiner Ansprache an das "friedliche und respektvolle" Miteinander in Schwabach appellierte. Fotos: Ursula Kaiser-Biburger
Schwabach: Rathaus | Der Beginn der Gedenkfeier anlässlich des 75. Jahrestages zur Reichspogromnacht hätte wahrlich nicht passender sein können als durch das Mittagsgeläut der Stadtkirche. Unter den Arkaden des Rathauses, bei der Gedenktafel neben dem nördlichen Rathaus-Ausgangs, eröffnete Christel Hausladen-Sambale von der Initiative für Demokratie gegen Rechtsextremismus umgeben von einem großen Zuhörerkreis mit vielen Vertreterinnen und Vertretern aus den Stadtratsparteien, etlichen Lehrkräften und politisch aktiven Bürgerinnen und Bürger die kleine Feierstunde. Ihr war es ein Anliegen, dass dieses Gedenken auch weiter gegeben werde in die Hände der nächsten Generation. Deshalb würdigte sie das Engagement der fünf Schülerinnen aus der Klasse VH10 C der Städtischen Wirtschaftsschule, die diese Feier mit Sach- und literarischen Texten gestaltet hatten. Dies sei insofern von besonderer Bedeutung, als man aufgrund der fortschreitenden Jahre immer weniger Opfer jener schrecklichen Tage befragen könne. Deshalb müsse man auch das Engagement derjenigen hervorheben, die wie der Nürnberger LesArt-Autor Leonhard F. Seidel die Jugendlichen mit seinen Lesungen an die NS-Verbrechen von einst und die Nazi-Machenschaften von heute erinnere. In Schwabach habe die NPD bereits zweimal schon den Versuch unternommen, hier aufzutreten. Doch jedes Mal hätten viele Schwabacherinnen und Schwabacher mit eindrucksvollen Aktionen gezeigt, dass in dieser Stadt für Nazis kein Platz sei. „Schwabach ist bunt, nicht braun. So wird es auch bleiben!“, bekräftigte Christel Hausladen-Sambale. Von daher sprach sie allen ihren Dank aus, die an dieser Feier mitgewirkt hätten. Dies galt insbesondere der Gärtnerei Blumen-Schwarz, die wie alle Jahre den würdigen Blumenschmuck gespendet habe, sowie Dirk Weinreich und seinem Team vom Jugendzentrum, in deren bewährten Hände die Organisation und Technik lag. Nachdem die WS-Schülerin Alina Gerngroß anschließend die historische Bedeutung dieser Pogromnacht vor 75 Jahren verdeutlicht hatte, trugen Aylin Karatay, Jessica Plettinger und Tamara Seer aus der Klasse VH 10 C eindrucksvoll das Gedicht „Reichskristallnacht“ von Peter Paul Wiplinger vor. Davon ausgehend erinnerte Bürgermeister Dr. Roland Oeser im Namen der Stadt Schwabach an die tagelangen Exzesse, den Mord an 400 Menschen und Selbstmord-Opfer nach sich gezogen haben. Über 1400 Synagogen, Betstuben oder sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe sind damals zerstört worden. Mittlerweile würden zwischen damals und heute zwei Generationen liegen. Zeitzeugen würden immer weniger werden. Umso notwendiger sei es, das Gedenken zu bewahren, vor allem wenn man auch nach Ungarn, Griechenland, Frankreich und Frankreich blicke. Nicht nur dort mache sich Fremdenfeindlichkeit breit, sondern auch in Deutschland mit fremdenfeindlichen Schmierereien an Häusern, die für Asylbewerber vorgesehen seien. Kein Wunder also, wenn sich angesichts dieser Entwicklung etwa ein Drittel aller hier lebender Juden unsicher fühlen. Daher müssten die nachfolgenden Generationen ermutigt werden, aus freien Stücken und aus eigener Überzeugung heraus ihre Verantwortung für das Vermächtnis der deutschen Geschichte zu übernehmen im Sinne von „Nie wieder!“ Daher seien die heutigen Menschen gefordert, gemeinsam wachsam und leidenschaftlich gegen antidemokratische Tendenzen zu kämpfen und jeden Anfang abzuwehren. „Schwabach steht für ein friedliches und respektvolles Miteinander. Denn Menschenverachtung ist niemals harmlos. Unterschätzen und Wegschauen kann schon der Ausgangspunkt für neue Katastrophen sein.“, mahnte der Bürgermeister eindringlich. Als einzelne Stimme für die Opfer jener NS-Zeit gab Zülbiye Dzemaili von der Wirtschaftsschule einen Einblick in die Lebensgeschichte des jüdischen Mädchens Selma Meerbaum-Eisinger aus Rumänien, die mit ihrer Familie in die Ukraine deportiert wurde und dort in einem Arbeitslager im Alter von 18 Jahren an Flecktyphus starb. Heute werde Selma Meerbaum-Eisinger nicht nur aufgrund ihrer empfindsamen Gedichte als „Schwester“ von Anne Frank betrachtet. Von dieser jungen Dichterin wurden abschließend noch die zwei bewegenden Gedichte „Das Poem“ und „Nimm hin mein Lied“ durch Zülbiye Dzemaili und Ursula Kaiser-Biburger, Lehrerin an der Wirtschaftsschule sowie Mitglied der Initiative, vorgetragen mit der unmissverständlichen Botschaft: „Ich möchte leben. – Ich will nicht sterben…“

Beitrag eingestellt von Ursula Kaiser-Biburger auf mein-mitteilungsblatt.de.
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