Massai-Schmuck in der Kaiserpfalz

Traditioneller Massai-Schmuck ist Kunsthandwerk in höchster Vollendung. Foto: Vanessa Wijngaarden

FORCHHEIM (pm/rr/mue) - Noch bis zum 10. Juli sind im Pfalzmuseum „Europäische Perlen mit afrikanischen Geschichten“ zu sehen: Die Afrika-Sonderausstellung „Der Schmuck der Massai“ in Zusammenarbeit mit dem Iwalewa-Haus in Bayreuth hat in diesem Jahr einen besonders interessanten Aspekt der gemeinsamen Geschichte der beiden Kontinente aufgegriffen.


Der Körperschmuck der Massai sowie das Erscheinungsbild von reich mit Perlen geschmückten Frauen und Kriegern wirken wie ein Symbol traditioneller Kultur. Was aber viele nicht wissen: Diese Perlen stammen ursprünglich aus Europa! Auch heute noch werden die kleinen Kostbarkeiten an der deutsch-tschechischen Grenze und im Fichtelgebirge produziert und von dort aus nach Kenia und Tansania exportiert.

Perlen als „Visitenkarte“

Vor der Zeit des kolonialen Handels benutzten die Massai traditionell bemalte Schilde, um zwischen verschiedenen sozialen Gruppierungen oder Altersgruppen zu unterscheiden. Nach ihrer Pazifizierung begannen die Stammesmitglieder, als Alternative europäische Perlen zu verwenden. Was aber nicht bedeutet, dass der Gebrauch der Perlen nicht zutiefst afrikanischen Ursprungs wäre: Die Massai entwickelten in Bezug auf Design, Kreationen und Gebrauch des Perlenschmucks schnell eine eigene Identität. Form, Muster und Farben spiegeln dabei die gesellschaftliche Stellung, den Familienstand und die Altersgruppe wider. Ob ein Mann ein Krieger oder ein Stammesältester ist, ob eine Frau verheiratet oder ledig ist und sogar ob sie einen Sohn geboren hat lässt sich anhand des Perlenschmucks ebenso feststellen wie die Religion, die der Träger ausübt. Der traditionelle Schmuck der Massai hat somit einen starken Bedeutungsgehalt, verbergen sich doch dahinter Geschichten, die einem tief verwurzelten, afrikanischen Kontext entsprechen. Die Perlenobjekte erzählen vom alltäglichen Leben in einer anderen Welt und appellieren so an die Universalität des Menschseins.

Die Ausstellung kann zu den üblichen Museums-Öffnungszeiten besichtigt werden, der Eintritt kostet 5 Euro.

www.pfalzmuseum-forchheim.de


Wer sind die Massai?

Die Massai, halbnomadische Rinderhirten aus Kenia und Tansania, sind eine der bekanntesten Volksgruppen Afrikas. Im Osten des Kontinents leben vermutlich etwa eine halbe bis eine Million, die tatsächliche Zahl ist jedoch ungewiss. Bei Volkszählungen in Kenia geben viele Massai ihre ethnische Herkunft nicht an, in Tansania wird sie bei Volkszählungen erst gar nicht berücksichtigt. Das Volk ist vor allem in der Serengeti in Tansania sowie in der Masai Mara und dem Amboseli-Nationalpark in Kenia beheimatet.
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