Dank motivierter Ehrenamtlicher: Altenpflegeschule Roth halbiert Zahl der Abbrecher!

Anna-Marie Meindl findet es gut, dass die Schülerinnen und Schüler der Altenpflegeschulen in Roth Unterstützung von Ehrenamtlichen bekommen, wenn sie während der Ausbildung in Schwierigkeiten geraten. (Foto: © Stadt Roth)

ROTH (pm/vs) - Jahrelang hatte Philipp Böhm, Schulleiter der Berufsfachschulen für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Roth das Problem, das verhältnismäßig viele Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung abbrachen. Seit ehrenamtliche Unterstützer Schülern in problematischen Situationen helfen, hat sich die Abbrecherquote halbiert. Außerdem haben seit dem Beginn der Aktion immer 100 Prozent der Kandidaten die Abschlussprüfung bestanden.

Anna-Marie Meindl aus Roth, die zurzeit im zweiten Ausbildungsjahr ist, hat die Hilfe zwar selbst nicht gebraucht, aber sie findet das Programm trotzdem gut, „weil man im Notfall nicht allein dasteht“. Wie viele ihre Mitschülerinnen und Mitschüler geht es ihr nicht nur um die guten Karrierechancen, die Pflegekräfte nach der Ausbildung haben, sondern auch darum, durch die sinnvolle Tätigkeit in ihrer täglichen Arbeit „Erfüllung“ zu erfahren.
„Die Schüler kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Viele haben Haushalt und Familie. So kommt es zu Doppel- oder sogar Dreifachbelastungen“, berichtet Schulleiter Böhm. Der Ansatz zur Senkung der Ausbildungsabbrüche entstand, als sich Zukunftscoach Stefan Forster vom Landratsamt Roth in der Schule vorstellte. In Zusammenarbeit mit Annegret Tümmler von der Ehrenamtsstelle im Landkreis Roth brachten sie das Projekt auf den Weg. Den Rahmen bildet das „Vera“-Programm des Senior-Expert-Service der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. In anderen Wirtschaftszweigen ist dieses Programm zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen schon verbreitet, im Sozialbereich gehört die Rother Berufsfachschule aber zu den Pionieren. „An unserer Schule ist der Einsatz der ehrenamtlichen Lern- und Lebensunterstützer eine absolute Erfolgsgeschichte“, sagt Böhm. „Nach meinem Wissen sind wir die erste Altenpflegeschule in Bayern, die so ein Programm initiiert hat“. Teil dieser Erfolgsstory ist, dass die Ehrenamtlichen nicht wie sonst üblich nur Fachleute am Ende der beruflichen Laufbahn oder im Ruhestand sind. Auch Absolventen der Schule, die jetzt in der Praxis im Einsatz sind, wurden erfolgreich angesprochen, ob sie mitmachen würden. Großen Anteil daran haben die stellvertretende Schulleiterin Waltraud Kubitschek und die Lehrkraft Karin Hamann. Gemeinsam ist den meisten Helfern ihre Motivation: Es ist ihnen wichtig, dass es Nachwuchs in der Pflege gibt. Damit sie erfolgreich arbeiten können, erhalten sie Unterlagen wie Lehrpläne und Prüfungsaufgaben aus den Vorjahren. Bewährt hat es sich laut Böhm, mit der Hilfe schon kurz nach dem Start der Ausbildung zu beginnen, damit die Schüler „die Probezeit überleben“. Im letzten Jahr waren sechs Schüler gefährdet – und alle haben es geschafft. „Lernen müssen sie aber trotzdem selbst“, betont der Schulleiter, und die Ehrenamtlichen fordern dies auch.
Potenzielle Helfer werden in die Schule eingeladen, denn „die Chemie zwischen Schüler und Unterstützer muss stimmen“. Wie oft und wie lange sich die Paare dann treffen, wird direkt zwischen ihnen geklärt.
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