Zeitlos und modern - Dehnberger Hof Chor brillierte in Röthenbach

Der Dehnberger Hof Chor und die Jungen Meistersinger bei ihrem Konzert "Alles hat seine Zeit" (Foto: privat)
 
Der Artikel erschienen in der Pegnitzzeitung am 27. November 2017. (Foto: Erich W. Spieß)

Der renommierte Dehnberger Hof Chor, geleitet von Heike Henning, hat sich in Röthenbach den zentralen Themen des Lebens und der Schönheit der Natur mit Auszügen aus der szenischen Kantate "Sonne, Mond und Sterne" von Peter Schindler sowie weiteren Chorwerken gewidmet.

Schindler war der Einladung des Chores gefolgt und beim Konzert anwesend. Begleitet wurden die Sängerinnen und Sänger an diesem Abend von einem eigens für diese Aufführung zusammengestellten jungen Musikensemble und als Gäste war der Jugendchor der Hochschule für Musik Nürnberg "Die jungen Meistersinger", mit von der Partie.
Im letzten Jahr hatte der Chor Haydns "Schöpfung" aufgeführt das diesjährige Konzert unter dem Motto "Alles hat seine Zeit" sollte inhaltlich daran anschließen. Dazu hatten sie als zentrales Stück des Konzertes Peter Schindlers szenische Kantate "Sonne, Mond und Sterne" mit Texten von deutschsprachigen Dichtern und solchen aus der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" aus insgesamt fünf Jahrhunderten ausgewählt.

Uraltes Spiel

Musikalisch angesiedelt irgendwo zwischen Oper und Musical, Jazz, Pop und Kammermusik steht in Schindlers Werk das Dasein des Menschen als Krone der Schöpfung und seine zeitliche Begrenztheit im Zentrum. Es zieht sich das uralte Spiel von der Liebe, von Glück und Entsagung als roter Faden durch das Werk.
Denn die Menschen sind immer von denselben Fragen bewegt: Liebe, Sehnsucht und Hoffnung, Leben und Tod. Dabei steht auch das Wunder der Natur immer im Focus, denn ihr steter Rhythmus im Lauf der Zeit, ihre Schönheit und ihre Ur-Kraft bestimmen den Lauf der Welt.
Schindlers vielseitige und stilistisch sehr abwechslungsreiche Kantate zeigte sich als geeignete Komposition, die große stimmliche Bandbreite des Ensembles, das 1980 von Wolfgang Riedelbauch gegründet wurde, voll zur Geltung bringen zu können: Harmonisch in der Basis und sensibel im Detail überzeugten die fast 70 Sänger in jeder Hinsicht.

Rock meets Classic

Zwei Stücke Schindlers – die Rock-meets-Classic-Variante nach dem Text von "Des Knaben Wunderhorn" und das galoppierende "Es bließ ein Jäger wohl in sein Horn" – irritieren, um es vorsichtig auszudrücken, in ihrer musikalischen Form und machen den Bezug der Kompositionen zum Inhalt schwer nachvollziehbar.
Alle anderen Stücke, die der Chor aus der umfangreichen Kantate ausgewählt hatte, zeigten sich als sehr stimmige Umsetzungen der Texte aus früheren Jahrhunderten.
Dabei erreichte der Chor seine größte Intensität zweifellos bei den "Mondliedern" Schindlers nach Texten von Herder, Mörike und Eichendorff – sensibel und elegisch vorgetragen, in bester Tradition der romantischen Empfindsamkeit.
Sphärische Klänge der besonderen Art brachte die Komposition des Chormitglieds Kristina Glücker zur Lyrik von Robert Burns (1759-1796) "My love ist like a red, red rose". Bob Dylan bezeichnete die Dichtung des schottischen Dichters nicht von ungefähr als seine größte literarische Inspiration.
Mit einem stimmungsvollen, weichen Chorklang setzten die Sängerinnen und Sänger John Rutters christlichen Lobgesang "For the beauty of the earth" um. Atmosphärisch ebenso überzeugend die Interpretation durch das Orchester und den Kinder- und Jugendchor bei Eichendorffs "Mondnacht" – berührend zart.
Klare Stimmverteilung bei "Cantique de Jean Racine" von Gabriel Fauré (1845-1924) und die melancholisch-zarte Intonierung von "My song" von David L. Brunner nach einem Text von Rabindranath Tagore (1861-1941) zeigten in Röthenbach noch einmal deutlich die Stärken des Ensembles, das mit Schindlers "O Ewigkeit" eine mächtige Hymne an die Unendlichkeit ans Ende des Konzertes stellte.
Stehend applaudierten die vielen begeisterten Konzertbesucher, es hatten noch zusätzlich Stühle herbeigeschafft werden müssen, und der große Jubel forderte natürlich noch eine Zugabe.

Text: Erich W. Spieß
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