Wegwerfen? Denkste! Repair-Café in Altdorf

Info-Abend zum Repair-Café Altdorf: Martine Postma, die „Erfinderin“ der Repair-Cafés, war per Skype aus Amsterdam dazu geschaltet. Chris Herrmann vom Nürnberger Repair-Café (hinten, 2.v.r.) riet: „Fangt einfach mal an.“ Ein Besucher hatte das schon geahnt: Er hatte seinen alten Heizlüfter von 1950 mitgebacht, der merkwürdige Geräusche machte. Die Ursache war schnell gefunden: Das Lüfterlager war ausgeleiert. (Foto: oh/U. Spreitz)
Trend: Reparieren statt gleich wegschmeißen: Das Repair-Café gibt's bald auch in Altdorf

ALTDORF (pm/nf) - Viele Menschen haben gründlich die Nase voll von der ,,Wegwerf-Mentalität". Kaum gekauft, ist das neue Teil kaputt - also weg damit und neu kaufen. Werner Birn aus Altdorf und Chris Herrmann aus Nürnberg haben da eine bessere Idee. Im Nürnberger Stadtteil Muggenhof (ehemaliges AEG-Gelände) gibt es bereits ein ,,Reparatur-Café" - bald soll es das ,,Repair-Café" auch in Altdorf geben.


Ins Nürnberger Reparatur-Café kommen alle zwei Monate an einem Samstagnachmittag 40 – 50 Menschen, die versuchen wollen, ob sie ihren Toaster, Mixer, Bügeleisen, Haarföhn, Kaffee-Filtermaschinen, Lampen und andere Elektrogeräte, die man in einer Hand tragen kann, reparieren können. Geholfen wird ihnen dabei von anderen, die gerne zur Anleitung bereit sind. Und man erfährt, das Selber-Reparieren auch Spaß macht, besonders dann, wenn das Gerät wieder funktioniert. Eine Garantie fürs anschließende Funktionieren gibt es natürlich nicht, aber man hat es wenigsten probiert. Das ist alles in der Regel kostenlos.

Immer mehr Leute gewinnen den Eindruck, dass die Sachen nur so lange halten, bis die Garantiezeit abgelaufen ist. Untersuchungen können das zwar nicht bestätigen, aber es ist immer ärgerlich, wenn was kaputt geht. Was tun? Wegschmeißen? Was Neues kaufen? Oder erst mal versuchen es selbst zu reparieren? „Würde ich ja gerne machen, aber ich habe da keine Erfahrung, ich traue mich nicht. Und ich kenne auch niemanden, der mir dabei helfen könnte.“ Nun gibt es aber auch überall Menschen, die „zuerst selbst eine Reparatur versuchen, bevor sie was Kaputtes wegwerfen“. Es gibt also Menschen mit Erfahrung im „Reparieren“, und die sogar bereit sind, anderen dabei zu helfen.

Diese Menschen trifft man im so genannten Repair-Café, im Reparatur-Café, in der Seniorenwerkstatt. Das ist ein Treff, in dem Menschen alleine oder gemeinsam mit anderen versuchen, ihre kaputten Dinge zu reparieren, und bei Bedarf dabei angeleitet werden. Die Idee kommt aus Holland und hat sich schnell auch in Belgien, Frankreich, den USA und auch in Deutschland durchgesetzt. Die Niederländische Journalistin Martine Postma gründete 2007 in Amsterdam das erste Repair Café, seitdem geht diese Idee um die Welt. Weltweit sind es mehr als 400 die regelmäßig zum gemeinschaftlichen Reparieren einladen. In Altdorf entsteht dann vielleicht das 400. dieser Art.

Um nun mal aktuell vor Ort zu erleben, wie so ein Reparatur-Café (auch Reparatur-Treff oderSeniorenwerkstatt genannt) funktioniert und was da los ist, haben im Dezember letzten Jahres ein paar interessierte Altdorfer das Reparatur-Café in Nürnberg besucht. An etwa zehn Stationen wurden dort elektrische und mechanische Probleme gelöst, an Staubsaugern, Kofferradios, Kaffeemaschinen und anderen kleinen Haushaltsgeräten. Der Andrang war so groß, dass sogar Nummern ausgegeben werden mussten.

Nach dem Besuch war klar: Auch in Altdorf soll es ein Repair-Café geben.
„Einfach anfangen!“ Diesen Ratschlag gab die Niederländische Journalistin Martine Postma, die „Erfinderin“ der Repair-Cafés, den Organisatoren und Besuchern eines Informationsabends in Altdorf im Kindercafe Kakao. Sie war per Skype zugeschaltet.

Ungefähr 25 Interessenten waren zum Vortrag von Chris Herrmann vom Nürnberger Repair-Café gekommen. Er erzählte über die Abläufe, gab Tipps für den Start und für den laufenden Betrieb. Fachkenntnisse seien erwünscht, aber nicht unbedingt Voraussetzung, denn ganz oft könne man auch mit phantasievoller Improvisation zum Erfolg kommen. Und auch er gab den Rat „einfach mal Anfangen“.

Und das wird nun gemacht. Von den Besuchern signalisierten mehr als die Hälfte ihre Bereitschaft, als Reparaturhelfer für alle möglichen „Fälle“ mitzuarbeiten. Beispielsweise bei Problemen mit kleinen Haushaltsgeräten, Radios (besonders alte Röhrenradios), Möbelstücken und vielem mehr. Mit diesen Helfern wird nun der Start vorbereitet: Suche geeigneter Räumlichkeiten, Reparaturschwerpunkt zum Anfang, Termine festlegen usw. Das erste Reparatur-Café soll dann möglichst schon im März stattfinden.
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