Abbau von Vorurteilen

Kasha Jacqueline Nabagesera. Foto: Martin Ennals Foundation
 
Bekanntgabe der Trägerin des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2013 im Garten des Museums Tucherschloss: Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly präsentiert ein Foto der Preisträgerin Kasha Jacqueline Nabagesera gemeinsam mit den Jury-Mitgliedern (v.l.n.r.) Prof. Dr. Maurice Glèlè-Ahanhanzo, Dani Karavan, Prof. Dr. h.c. Gareth Evans, Angela Melo, Prof. Dr. Theo van Boven, Dolmetscherin Ulrike Seeberger und Shirin Ebadi. Foto: Christine Dierenbach / Stadt Nürnberg

Internationaler Menschenrechtspreis geht an Kasha Jacqueline Nabagesera

NÜRNBERG - Die ugandische Menschenrechtsaktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera ist Preisträgerin des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2013. Dies hat die international hochkarätig besetzte Jury unter Vorsitz von Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly einstimmig beschlossen. Die 32-Jährige erhielt die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung, weil sie einen weltweit wichtigen, „für sie selbst lebensgefährlichen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und zur Entkriminalisierung von Homosexualität hin zu mehr Toleranz“ leistet, so die Jury in ihrer Begründung. 

Kasha Jacqueline Nabagesera setzt sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen (LSBT) und die Verbesserung von deren Lebensbedingungen in Uganda ein. Seit ihrem 21. Lebensjahr kämpft sie für die Rechte derer, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in vielen afrikanischen Ländern an den Rand der Gesellschaft gedrängt, bedroht und misshandelt werden. Zu diesem Zweck gründete sie die Organisation „Freedom and Roam Uganda“ (FARUG). Und sie hatte den Mut, in Uganda im nationalen Fernsehen aufzutreten und sich als einer der ersten homosexuellen Menschen öffentlich zu diesem Thema zu äußern. „Unsere Entscheidung soll nicht als erhobener Zeigefinger gegenüber dem afrikanischen Kontinent verstanden werden, sondern ganz klar als weltweite Aufforderung, noch stärker für die Rechte sexueller Minderheiten einzutreten“, betonte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly bei der Bekanntgabe der Preisträgerin. Alltägliche Diskriminierung von sexuellen Minderheiten sei leider noch immer ein weltweites Phänomen – auch in Westeuropa und Deutschland, sagte Maly etwa mit Blick auf die mediale Diskussion um Outings im Profi-Fußball weiter. Selbst die Justiz in Uganda fahre immer härtere Geschütze auf: Schon heute könnten sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern mit mehrjährigen Gefängnisstrafen geahndet werden. Im Jahr 2009 wurde sogar ein Gesetzesentwurf eingereicht, der die Todesstrafe für Homosexuelle verlangte und zur Denunziation aufrief, wie es weiter in der Begründung der Jury heißt.

Uganda: offizieller Aufruf zum Mord
Für ihr Engagement gegen Homophobie zahlt auch Kasha Jacqueline Nabagesera einen hohen Preis: Seit ihrem Auftritt 2007 auf dem World Social Forum in Nairobi, wo sie den Respekt vor Menschen, die von der heterosexuellen Norm abweichen, eingefordert hat, ist sie zahllosen Angriffen ausgesetzt. Höhepunkt der Verfolgung ist die Veröffentlichung einer Liste von Homosexuellen in einer ugandischen Zeitschrift, die zur Ermordung der Genannten aufforderte. Seither muss sie ständig ihren Wohnsitz und ihre Identität wechseln. Ihr Mitstreiter David Kato wurde bereits Opfer eines Mordanschlags.

„Wir ehren eine mutige Frau und die Preisvergabe wird dazu beitragen, das Thema weltweit stärker auf die Agenda zu setzen“, erklärte Jurymitglied Prof. Dr. Theo van Boven. Er betonte, dass das Thema sexuelle Minderheiten etwa im Mittleren und Nahen Osten auch mit religiösen Belangen verstrickt sei. Weitere Mitglieder der international besetzten Jury sind Hina Jilani, Prof. Dr. Maurice Glèlè-Ahanhanzo, Maître Daniel Jacoby, Irina Bokowa, Dr. Adolfo Pérez Esquivel, Dani Karavan, Shirin Ebadi, Dr. Sonia Picado und Prof. Dr. h.c. Gareth Evans.


Bisherige Menschenrechtspreisträger:

Die bisherigen Preisträger waren

• 1995: Sergej Kowaljow (Russland)
• 1997: Khémaïs Chammari (Tunesien) und Abe J. Nathan (Israel)
• 1999: Fatimata M’Baye (Mauretanien)
• 2001: Bischof Samuel Ruíz García (Mexiko)
• 2003: Teesta Setalvad (Indien) und Ibn A. Rehman (Pakistan)
• 2005: Tamara Chikunova (Usbekistan)
• 2007: Eugénie Musayidire (Ruanda)
• 2009: Abdolfattah Soltani (Iran)
• 2011: Hollman Morris (Kolumbien)

Weitere Informationen: www.menschenrechte.nuernberg.de






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