Nachbesserung schlecht gesicherter Masten gefordert

Ungesicherter Mast bei Trommetsheim. (Foto: LBV/R. Müller)
Massiver Rückschlag bei Wiederansiedlungsprojekt für eine stark bedrohte Vogelart

REGION (pm/nf) - Nachdem zuletzt vier Weißstörche und zuvor bereits vier hochbedrohte Waldrappe an schlecht gesicherten Strommasten verendet sind, fordert der Landesbund für Vogelschutz (LBV) umgehende Schutzmaßnahmen. Der bayerische Naturschutzverband ruft die verantwortlichen Netzbetreiber zur sofortigen Nachbesserung von ungenügend gesicherten Mittelspannungsmasten auf. Speziell für Großvögel wie Storch, Uhu und Rotmilan bedeuten unvollständigen Sicherungsmaßnahmen eine echte Gefahr, da die Vögel sich einen tödlichen Stromschlag holen können.


Erst kürzlich wurden dem LBV mehrere tote Störche an schlecht gesicherten Mittelspannungsmasten im Altmühltal gemeldet. Schon vor einigen Wochen erreichte die Naturschützer die Meldung von vier auf die gleiche Weise verendeten Waldrappen im Berchtesgadener Land. Die hochbedrohten Vögel wurden bereits seit September 2014 vermisst. Im konkreten Fall wurde der LBV nun darum gebeten, bei der Entschärfung dieser bestehenden Gefahrenquelle mitzuwirken, wobei auch immer wieder andere Vögel wie Störche oder Uhus betroffen sind. „An Masten mit falschen Sicherungsmaßnahmen können Großvögel wie Störche jederzeit einen tödlichen Kurzschluss zwischen Leitung und Mast herstellen“, so Oda Wieding, Expertin für Strommastsicherung und Weißstorchschutz beim LBV.

Bei den vier mit Sendern ausgestatteten Waldrappen endete die Übertragung ihrer Positionsdaten gleichzeitig bereits am 16.09.2014. „Einer der Waldrappe wurde später bei Piding (Lkr. Berchtesgadener Land) unter einem schlecht gesicherten Mast gefunden. Anfang 2015 wurde der Sender und die Reste eines weiteren Vogels nur 150 Meter weiter entfernt gefunden, da der Kadaver vermutlich von einem Fuchs verschleppt wurde“, so Oda Wieding. Ein ähnliches Schicksal erlitten wohl die beiden weiteren vermissten Rappe, da alle das Brutgebiet Burghausen zeitgleich zusammen verlassen hatten. „Schlimm ist, dass bereits 2012 drei Waldrappe des gleichen österreichischen Wiederansiedlungsprojektes in Bayern bzw. Baden-Württemberg an solchen ungenügend gesicherten Strommasten umgekommen sind“, erklärt Wieding.

Nach der gesetzlichen Vorschrift waren bis 2012 alle als gefährlich einzustufenden Mittelspannungsmasten zu sichern. Dies wurde jedoch nur auf ungefähr zwei Dritteln der Fläche Bayerns erfüllt. Nun gibt es eine Nachfrist bis Ende 2016. Parallel dazu muss nach Ansicht der zuständigen LBV-Expertin Oda Wieding eine Nachbesserung der früher mit ungenügenden Sicherungsmaßnahmen ausgestatteten Masten folgen. „Waldrappe sind nicht die einzigen Vögel, die an solchen ungenügend gesicherten Masten umkommen, jedes Jahr werden mehrere Störche unter solchen Masten gefunden.“

Die Forderungen der bayerischen Naturschützer decken sich mit denen der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Stromtod des bundesweiten LBV- Partnerverbands NABU. Die BAG Stromtod tagt am kommenden Donnerstag und Freitag (24./25.9.15) in Muhr am See, um gemeinsam das weitere Vorgehen bei dieser Problematik zu besprechen und dann entsprechende Forderungen, unter anderem auch an die Deutsche Bahn, zu koordinieren.

Hintergrund:

Besonders gefährlich sind so genannte Abspannmasten. Für mehr Abstand zwischen stromführendem Seil und Mast wurde eine Verlängerung der Isolatoren aus leitendem Metall gebaut, dieses führt aber bei Berührung auch zu einem Stromschlag. Bei Masten mit stehenden Isolatoren wurden Büschelabweiser oder sogenannte Aufsitzstangen angebracht. Die Vögel setzen sich aber trotzdem direkt auf den Mast und können so leicht einen Kurzschluss zwischen Leitung und Mast herstellen. „Einen Bestandsschutz kann es für diese untauglichen Maßnahmen nicht geben, da hier auch das Tötungsverbot des Paragraphen 44 im Bundesnaturschutzgesetz greift“, sagt Oda Wieding.
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