Vom Fanprojekt zum Rookie Meister - Thomas Richter aus Alfershausen

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Thomas Richter bestritt dieses Jahr seine erste komplette KW Gruppe H Berg Cup Saison und schloss diese mit dem Titel des Rookie Meisters sehr erfolgreich ab.

Der aus Alfershausen, nur unweit der legendären Eurohill Bergrennstrecke in Obermässing, stammende Mittelfranke ging mit seinem nach dem „E1 DMSB Bergreglement“ gebauten VW Golf 1 16V an den Start. Rund 300 PS leistet der 2 Liter Minichberger Motor in dem Rennfahrzeug welcher aus einem Audi STW aus dem Rundstreckensport stammt.

Der Rennwagen wurde von 2013 bis Saisonbeginn 2018 von Thomas und seinen Freunden selbst gebaut und unter der Rennsaison stetig verbessert.
Nach anfänglichen Kinderkrankheiten lief der Golf am Ende wie ein Uhrwerk und begeisterte die Fans an der Strecke regelmäßig.

Apropos Fans, entstanden ist sein Projekt „am Berg“ als Zuschauer; beim Besuch der Bergrennen überlegte er immer mit was er wohl an denn Start gehen würde, fachsimpelte mit den Fahrern und begeisterte sich für die Technik. Gesagt getan und so entstand eben dieser Golf in Eigenregie.

Alt an dem Fahrzeug ist eigentlich nur die Silhouette, also das Chassis. Die verbaute Technik wie die Sicherheitszelle, das sequentielle Getriebe, eine elektro-hydraulische Lenkradschaltung, ein Renn-ABS oder die Traktionskontrolle sind heutzutage nicht mehr aus einem modernen Rennfahrzeug wegzudenken.

Vorher noch nie im Motorsport aktiv als Fahrer unterwegs gewesen flog er zur Vorbereitung nach Lappland wo er in einem Trainingscamp von Audi das Fahren auf Schnee und Eis im Grenzbereich beherrschen lernte.

Die Saison begann im April am Schottenring Bergrennen. Die erste Fahrt mit dem neuen Wagen war zugleich auch die erste Testfahrt. Da der Wagen in letzter Sekunde vor dem Rennen fertiggestellt wurde, musste die Jungfernfahrt an einem freien Trainingstag in Schotten vorgenommen werden.
Leider konnte er nur eine Auffahrt hinter sich bringen. Auf dem Weg zur technischen Abnahme gab es ein Problem mit dem hydraulischen Absperrhebel der Handbremse auf einer Seite und so verklemmte sich ein Bremssattel bei der ersten Trainingsfahrt. Ein weiterer Start war an diesem Wochenende auf Grund des entstandenen Schadens daraufhin leider nicht mehr möglich.

Der nächste Renntermin nur eine Woche später im Luxemburgischen Eschdorf musste einen Tag vor dem Rennen abgesagt werden da das Schicksal wieder zugeschlagen hatte. Nach einer Optimierung am Fahrwerk wurde beim Verladen des Golfs festgestellt das im Radhaus etwas beim Einlenken der Vorderräder schleift . Um kein unnötiges Risiko einzugehen und das Problem in Ruhe näher zu analysieren wurde der Wagen wieder in die Werkstatt gerollt.

Zu Pfingsten ging es nach Wolsfeld in die Eifel. Alles war perfekt vorbereitet und Thomas konnte alle Läufe in seinem erstes Bergrennen ohne größere Probleme hinter sich bringen. Auch wenn er in seiner 2 Liter Klasse die rote Laterne inne hatte konnte er zufrieden die Heimreise antreten; das Fahrzeug hatte seine erste Bewährungsprobe ohne Ausfall oder Schaden überstanden.

Unmittelbar danach ging es nach Bad Liebenstein in Thüringen zum Glasbachrennen; ein FIA Bergeuropameisterschaftslauf auf einer über 5km langen Rennstrecke. Und wieder meinte es das Schicksal nicht gut mit ihm.
Beim Warmlaufen des Motors für die Fahrt zur technischen Abnahme am Freitag Abend traten Probleme mit dem Rundlauf des Motors auf. Nach Rücksprache und einer Ferndiagnose per Laptop mit der Motorenbaufirma wurde beschlossen auf einen Start zu verzichten. Also war Thomas an diesem Wochenende wieder gezwungen sich als Zuschauer an die Strecke zu begeben.

Im Training zum Ibergrennen in Heilbad Heiligenstadt war der Golf in den ersten zwei Trainingsläufen am Start der schnellste frontangetriebene Rennwagen. Doch das Glück währt nur kurz als beim Einparken in das Rennzelt nach dem zweiten Trainingslauf ein Kabel am Lenkrad abriss. Das Schalten mit den Lenkrad Schaltwippen war nicht mehr möglich und der Schaden vor Ort nicht reparabel. Ein Schaden den Thomas und seinen Mechaniker Michael noch vor große Probleme stellen sollte; das Fahrzeug sollte nicht mit eingelegtem Gang transportiert werden und das Fahrzeug stand mit eingelegtem Rückwärtsgang im Rennzelt. Mit dem Servicelaptop konnten die Zwei jedoch die Steuerung überlisten und den eingelegten Gang per Schaltbefehl entfernen um dann im Laufe des Abends das Fahrzeug verladen zu können. So konnte die Heimreise Sonntag Mittags angetreten werden um den Golf schnellstmöglich für das nächste Rennen zu reparieren.

Weiter ging es ins österreichische St. Anton an der Jeßnitz. Das von vielen Zuschauern gut besuchte Rennen verlief bei bestem Kaiserwetter ohne irgend ein Problem oder Zwischenfälle. Das Rennteam fand sehr guten Anklang bei den österreichischen Fans und musste in der Box dem fachkundigen Publikum Rede und Antwort zur Technik des Fahrzeuges stehen. Leider gab es zum Schluss wieder nur die rote Laterne in dem stark besetzten Feld der 2 Liter Klasse.

Beim Bergrennen in Homburg lief dann ebenfalls alles wie am Schnürchen. Das Fahrwerk wurde nochmals für den welligen und winkligen Kurs in Homburg überarbeitet und die rote Laterne konnte nun endlich an einen anderen Fahrer abgegeben werden.

Jetzt ging es nach Hausen in die Rhön zum Hauenstein Bergrennen. Hoch motiviert blies Thomas hier zur vollen Attacke und steigerte sich hoch auf Platz 18. Zufrieden trat man diesmal nicht die Heimreise an sonder fuhr direkt weiter zum nächsten Rennen nach Osnabrück. Ebenfalls ein FIA Bergeuropameisterschaftslauf. Das Klassenergebnis konnte auf Platz 14 von 31 gestarteten Fahrern gesteigert werden, und dies im ersten Jahr als Rennfahrer.

Für das Bergrennen im unterfränkischen Eichenbühl musste die Getriebeübersetzung verändert werden. Auf der schnellen und anspruchsvollen Strecke war ein längeres Getriebe notwendig um nicht längere Zeit im Begrenzer zu fahren und somit Zeit zu verlieren. Dann der Schock kurz vor dem ersten Training; der Golf nimmt kein Gas mehr an. Schnell wurde der Fehler ausfindig gemacht. Eine Schraube an der Befestigung für den Gaszug zur Drosselklappe fehlte. Schnell wurde Ersatz beschafft und das erste Training konnte beginnen. Im Training tauchten immer wieder Probleme mit der Schaltung auf welche aber bis zum Rennsonntag gelöst werden konnten.
Im Training noch auf Platz 19 von 31 Startern konnte das Ergebnis beim Rennen am Sonntag auf Platz 15 verbessert werden.

Gut vorbereitet für das letzte Rennen im Bergcup ging es nochmal nach St. Agatha in Österreich. Kaum hatte man es sich im Fahrerlager eingerichtet schlug über Nacht ein Sturm zu. Gott sei Dank waren ein ortsansässiger Landwirt und das Team von Sabine Röck zur Stelle und boten Hilfe und einen Platz zum unterstellen an.
Kollegial teilte man sich ein Rennzelt welches an dem verregneten Rennsonntag auch dringend von Nöten gewesen ist.

Bis auf diesen verregneten Tag in St. Agatha fanden alle Rennen bei trockenen Bedingungen statt und es musste noch irgendwie an einem Nass-Setup gearbeitet werden. Am Ende des Rennens stand es nun fest; der Einsatz von Thomas wurde mit dem Rookie Titel als bester Neueinsteiger belohnt.

Die Siegerehrung des KW Bergcup findet am 03.11.2018 in Bad Mergenheim statt. Hier wird Thomas die Ehrung als bester Neueinsteiger in den Bergcup entgegen nehmen.

Dank gilt seinen Schraubern Michael Koster, Falk Full und Thomas Leng sowie allen Rennkollegen welche ihm immer mit Rat und Tat zur Seite standen.

Weiterhin seinen Unterstützern Immobilien Brenner aus Dinkelsbühl, der LMT GmbH Mike und Tobias Ottopohl aus Hilpoltstein, Mechanik Engelhardt aus Cadolzburg, der Bäckerei Gukkenberger aus Altdorf und Auto-Technik Christall aus Obereisesheim.
Ohne diese Hilfe wäre eine solche Premierensaison am Berg nicht möglich gewesen!

Bleibt noch der Ausblick auf die Saison 2019. Geplant ist ein Start beim Europameisterschaftslauf beim Österreichischem Rechbergrennen und natürlich dem KW Gruppe H Berg Cup.
Über weitere Sponsoren und Schrauberunterstützung für die nächste Saison wäre die Freude natürlich groß!

Bleibt nur noch zu sagen „ Ist der Berg auch noch so steil a bisl was geht allerweil!“

Autor:

Markus Kroner aus Landkreis Roth

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