Mechanische Perfektion im Hosentaschenformat: Die Rückkehr der Taschenuhr

SERVICE (ak/fi) - Trotz genauerer Quarzuhren und umfassend vernetzter Smartwatches gelten mechanische Uhren in der gehobenen Preisklasse noch immer als das Maß aller Dinge. Liebhaber schätzen die technische Perfektion, das leise Ticken der Zeiger, die Geräusche des Räderwerks, die Unabhängigkeit von Batterien, die Langlebigkeit und den exklusiven Touch, den die zumeist hochpreisigen Zeitmesser ausstrahlen. Neben den heutzutage noch weit verbreiteten Armbanduhren erleben auch Taschenuhren ein Revival und beweisen abermals, dass mechanische Uhren alles andere als aus der Zeit gefallen sind.

Schaut man sich in den Straßen einer beliebigen westlichen Stadt um, ist längst klar, warum die angekettete Taschenuhr nur noch selten in den Westentaschen der Männerwelt getragen werden: Kaum jemand trägt noch Westen, geschweige denn überhaupt einen Anzug. Den Massenmarkt haben die filigranen Zeitmesser mit Sprungdeckel noch nicht zurückerobert, doch ein Blick in das Angebot von spezialisierten Online-Marktplätzen zeigt: Es gibt sie noch, die Taschenuhr – und sie ist alles andere als aus der Zeit gefallen. Dort werden Schmuckstücke von Herstellern wie Vacheron Constantin, Patek Philippe oder A. Lange & Söhne gehandelt – die Champions League der Uhren-Manufakturen.

Die Zielgruppe solcher Taschenuhren: Liebhaber mit Leidenschaft für das mechanische Detail, mit Hang zur Eleganz und gut gefüllter Geldbörse. Dabei ist der Trend längst nicht auf das Schlagwort "Retro" herunterzubrechen: Vielmehr geht es den Manufakturen bei zeitgenössischen Taschenuhren auch darum, komplizierte Vorzeigewerke zu fertigen. Ein perfektes mechanisches Inneres geht mit einem edlen Äußeren – dem Gehäuse mit oder ohne Sprungdeckel – eine Symbiose ein. Dabei bedingt die Stückzahl den Preis: je exklusiver, desto teurer. Doch das Spektrum deckt auch erschwingliche Einsteigeruhren wie die aktuelle Tissot Savonette ab. Davon sowohl preislich wie auch vom Funktionsumfang weit entfernt, liegt die komplizierteste Uhr der Welt, die – kaum verwunderlich – eine Taschenuhr ist.

Die komplizierteste Uhr der Welt

Das Schmuckstück stammt aus dem Haus Vacheron Constantin: Die Fertigung der Referenz 57260 der Genfer Traditionsmanufaktur dauerte ganze acht Jahre und beanspruchte drei Uhrmacher in Vollzeit. Herausgekommen ist ein ästhetisches wie mechanisches Meisterstück mit unglaublichen 57 Komplikationen, das im Jahr 2015 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. "Komplikationen" werden die Funktionen einer Uhr genannt, die über das Anzeigen der Zeit hinausgehen. Eine Leistung, die mit den schmaleren Gehäusen einer Armbanduhr (bisher) nicht zu realisieren wäre. Denn der Durchmesser des weißgoldenen Gehäuses ist mit 98 mm mehr als doppelt so groß wie der der meisten Herrenarmbanduhren.

Was auf dem dennoch kleinen Platz an mechanischen Raffinessen untergebracht wurde, ist mehr als beachtlich: Zwei Ziffernblätter – jeweils eines an Vorder- und Rückseite – und mehrere unterschiedliche Kalender finden darin Platz. Darunter sind Funktionen für einen ewigen, hebräischen, astronomischen, Religions- und Mondkalender. Auch Chronographen-, Weck- und Glockenspielfunktionen sind verbaut. Über 2.800 Einzelteile waren dafür nötig, allesamt wurden sie von einem Uhrmacher in Handarbeit einzeln veredelt. Soviel Handwerkskunst, Akribie und Zeit schließt das Meisterwerk per se vom Massenmarkt aus: Die Ausnahmeuhr ist als Einzelstück in Auftrag gegeben worden. Über den stolzen Besitzer und den genauen Preis des Unikats ist nichts Konkretes bekannt. Einige Quellen beziffern den Preis auf etwa 10 Millionen US-Dollar.


Bildrechte: Flickr Pocket Watches Peter Drach (aka PeteDragomir) CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten
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