Tiergarten Nürnberg: Ausblick und Bilanz - Im Herbst wird das neue Wüstenhaus fertig sein

Der Tiergarten Nürnberg zog Bilanz für das Jahr 2016 und wagt einen Ausblick auf 2017. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
 
Im Laufe des Jahres wird das im November 2014 geborene Eisbärweibchen Charlotte (hier bei einem ihrer ersten Ausflüge ins Freie mit ihrer Mutter) den Tiergarten verlassen. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
Das Wetter machte dem Tiergarten öfter einen Strich durch die Rechnung

NÜRNBERG (pm/nf) - Das Jahr 2016 mit sehr unterschiedlichen Wetterperioden ist zu Ende gegangen und brachte dem Tiergarten der Stadt Nürnberg mit 1.087.360 Besuchern ein noch gutes Ergebnis, das zwar 3,3 Prozent unter dem Vorjahr und knapp unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt, aber dennoch deutlich über der Millionengrenze. Die früh im Jahr gelegenen Oster- und Pfingstferien und die Witterung brachten ein sehr schlechtes April- und ein extrem schlechtes Juni-Ergebnis. Dies konnte in den übrigen Monaten nicht ausgeglichen werden.



Der Tierbestand erreichte 2016 zum Jahresende 3.802 Tiere aus 287 Arten, davon 216 Wirbeltierarten mit 2.727 Individuen. Neue Arten sind Sumpfmeerschweinchen, Amazonasenten, Sperbereulen, Paradiestangare (Siebenfarbentangare), Tannenhäher und Alpenkrähen. Abgegeben wurden die Rotschulterenten. Zu den bedeutenden Veränderungen bei den Individuen zählen die Abgaben der drei männlichen Delphine nach Portugal und Lanzarote, der zwei Kleinen Pandas nach Köln und Kerkrade, sowie des Tigers nach Hannover. Derzeit leben sieben Delphine im Tiergarten Nürnberg: der Delphinsenior Moby und sechs Weibchen, darunter Nami, das Jungtier von 2014.

Unter den Jungtieren sind besonders die sechs Alpenmurmeltiere zu nennen, eine Art, die einige Jahre im Tiergarten nicht mehr zu sehen war. An den Weihern sind die sechs aufgezogenen Pelikane (fünf Rosa- und ein Krauskopf-Pelikane) und die vier Flamingos (je ein Paar der Roten und der Chile-Flamingos) hervorzuheben. Sehr erfreulich ist auch die regelmäßige Zucht der Seidenspinnen, die für das Bionicum in den Tiergarten kamen und jetzt mehrere Terrarien sowie einen Tierpfleger- Raum besiedeln.

Mit drei ausgewilderten Habichtskäuzen stieg die Gesamtzahl des aufgezogenen Nachwuchses unseres Zuchtpaares auf 28 Jungvögel seit 2003. 14 dieser Jungvögel gingen in den Nationalpark Bayerischer Wald und neun in das Biosphärenreservat Wienerwald bzw. in das Wildnisgebiet Dürrenstein (Österreich). Fünf weitere junge Habichtskäuze wurden an Zuchtstationen abgegeben. Unter den Todesfällen von 2016 sind der Verlust des männlichen Geparden und des Zuchtpaares der Buntmarder zu beklagen. Für die verbliebene Tochter kam vor einer Woche ein Partner aus dem Tierpark Berlin nach Nürnberg.

Futterbedarf

Die Tiere im Tiergarten Nürnberg hatten natürlich auch in 2016 einen äußerst vielfältigen und reichlichen Nahrungsbedarf. Die Futtermittel- Statistik erfasst Obst wie 8,4 to Äpfel, 270 Ananas, 1,9 to Bananen, 970 kg Orangen, 5.800 Kiwi, außerdem Gemüse wie, 788 kg Broccoli, 1,9 to Chinakohl, 37,1 to Karotten, 31.000 Köpfe Salat, 3,6 to Paprika, 5,5 to Kartoffeln, 11,8 to Rote Rüben und beinhaltet neben 30,9 to Fleisch und 67,8 to Fisch, 4,2 to Tintenfisch, 57.000 Küken, 19.000 Mäuse und 3.900 Ratten auch Grillen, Mehlwürmer, Obstfliegen und Quark.

Unter den selbst angebauten Futtermitteln spielten 45 to Runkelrüben und 197 to Heu (165 to aus eigenem Anbau) wieder eine bedeutende Rolle in der Gesamtversorgung. Zusätzlich wurden im Gut Mittelbüg 9 to Weizen, 3,7 to Hafer und 105 Silage-Bigballs gewonnen. Neben 18,4 to Kraftfutter für Wildtiere wurde 1.150 kg Salzlecksteine eingekauft.

Baumaßnahmen

Die herausragenden Baumaßnahmen mit viel Eigenleistung waren im vergangenen Jahr die Fertigstellung der Voliere für Bartgeier (255.000 Euro, davon 100.000 Euro vom Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg e.V./TgFN) und die fast abgeschlossene Sanierung der Anlage für die Totenkopfäffchen (185.000 Euro, davon 100.000 Euro vom TgFN). Die Sanierung des Delphinariums II und der Beginn des Umbaus des alten Flusspferdhauses zu einem Wüstenhaus sind weiter wichtige Baumaßnahmen, die aber noch nicht abgeschlossen sind. Das Delphinarium II, das voraussichtlich im Frühjahr 2017 wieder in Betrieb genommen wird, ist eine Ausweichanlage hinter den Kulissen und umfasst zwei Becken mit 3,5m Tiefe und einer Oberfläche von 177m2 bzw. 78m2. Dort wurden seit 1988 vier Delphine erfolgreich aufgezogen.

Fast nebenbei erfolgte 2016 die Sanierung der oberen Nashornanlage (48.000 Euro) sowie der Bau einer neuen Anlage für Weißnackenkraniche, deren alte Anlage durch einen Sturmschaden zerstört wurde (15.000 Euro). Mit Kanalarbeiten erfolgte gewissermaßen der Spatenstich für die Sanierung und den Umbau des Betriebshofes.

Lernen im Zoo
Im Jahr 2016 wurden von der Zoopädagogik im Rahmen von Führungen für Schulklassen und Kindergärten, bei Übernachtungen im Blauen Salon, Zeltlagern und dem Zoo-Schullandheim insgesamt 5.672 Teilnehmende in 260 Führungen betreut. Hinzu kamen 2016 weitere 1.152 Führungen mit 10.475 Teilnehmenden zu den Sonderprogrammen („Besondere Augenblicke“) der Zoobegleiter. Mit Spezialführungen wie „Besuch beim Lieblingstier“ trifft dieses Angebot des Tiergartens Nürnberg ganz offensichtlich die Wünsche der Besucher. Regelmäßig werden von Mitarbeitern des Tiergartens Führungen zur Ausbildung von Mitarbeitern der Zollbehörden (Artenschutz) und der Feuerwehren (Umgang mit Tieren) durchgeführt.
Insgesamt wurden im Jahr 2016 von der Abteilung Zoopädagogik 16.147 Teilnehmende (2015: 14.945) in 1.412 (2015: 1.398) Führungen über Zoothemen informiert und mit Zoowissen ausgerüstet.
Fast 40 Vorträge führte der Tiergarten im Naturkundehaus in Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz und dem Bund Naturschutz zu naturkundlichen Themen mit Schwerpunkt Natur- und Artenschutz durch.

Forschung und Artenschutz

Der Tiergarten Nürnberg war auch 2016 in Kooperation mit der im Tiergarten beheimateten Artenschutzgesellschaft für Meeressäugetiere in Südamerika, Yaqu Pacha, sehr aktiv im Bereich Forschung und Artenschutz. Ausgehend von dem Grundgedanken, dass Artenschutz umfangreiches Wissen voraussetzt, welches in Forschungsprojekten gewonnen wird, förderte Yaqu Pacha 2016 die Veröffentlichung von insgesamt 18 wissenschaftlichen Publikationen.

Tierpatenschaften
2016 konnte im Bereich der Tierpatenschaften durch insgesamt 770 Tierpaten (2015: 763) eine Spendensumme 132.517,40 Euro (2015: 123.930 Euro) eingesammelt werden. Die Spendensumme stieg damit um 7 Prozent. 470 Tierpaten (61 Prozent aller Paten) setzten ihre Tierpatenschaft nach einem Jahr fort. Auch als Weihnachtsgeschenk waren die Tierpatenschaften beliebt. Im Monat Dezember 2016 wurde gegenüber dem Vorjahresmonat ein Plus von 2.070 Euro erzielt.

Ausblick

Im Jahr 2017 wird vor den Osterferien die dann sanierte Anlage für die Totenkopfäffchen am Giraffenhaus wieder eröffnet. Im Herbst 2017 soll planmäßig das Wüstenhaus nach dem Umbaus des alten Flusspferdhauses fertig gestellt werden. Im Laufe des Jahres wird das im November 2014 geborene Eisbärweibchen Charlotte den Tiergarten verlassen und für ihre Mutter Vera (geb. 21.11.2002) wird das EEP einen neuen Partner empfehlen.
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