Die Welt im Spiel: 40 Jahre Playmobil

Playmobil-Geburtstagsrunde, der Klassiker des Rollenspiels im Kreise seiner Vorfahren. (Foto: Museen der Stadt Nürnberg, Spielzeugmuseum)

In seiner neuen Sonderausstellung vom 10. April bis zum 19. Oktober 2014 „Die Welt im Spiel. 40 Jahre Playmobil“ präsentiert das Spielzeugmuseum vier Jahrzehnte Playmobil-Geschichte

NÜRNBERG (pm/nf) - Playmobil ist ein Spielzeugklassiker – seit ihrem Erscheinen 1974 sind die freundlichen kleinen Figuren aus dem fränkischen Zirndorf Teil des Spiel-Alltags unzähliger Kinder geworden. In ihrer Gestaltung sind die Kunststoff-Figuren auf das Wesentliche reduziert, beweglich und mit 7,5 cm Größe „kinderhandlich“ und universell verständlich.

Anlässlich des 40. Jubiläums von Playmobil entstand der grundlegende Gedanke für die Sonderausstellung im Spielzeugmuseum: Die kleinen, sympathisch wirkenden Figuren von Playmobil und ihrer Welt sind eine moderne Fortführung historischer Spielzeugwelten - und das mit enormen wirtschaftlichem Erfolg. Denn die Tradition der Aufstellfiguren basiert auf jahrhundertealten Ideen der Spielzeugmanufaktur und Spielzeugindustrie.

Die Fülle der Themen, die früher beispielsweise durch Zinnsoldaten, Holzfiguren, Blechspielwaren oder in Kaufläden und Puppenhäusern spielbar gemacht wurden, führt Playmobil heute fort. Kinder früherer Generationen träumten sich mit Zinnfiguren in die Welt der Ritter, retteten sich mit gedrechselten Holztierchen in ihre Arche Noah und bestanden mit Massefiguren Abenteuer im Wilden Westen. Porzellanpüppchen gingen einkaufen und bestellten den Puppenhaushalt.

Mit Tieren und Menschen aus unterschiedlichen Materialien wurde das Leben auf dem Land nachgespielt. Und wie die Großen, so dampften die Kleinen in ihrer Phantasie als Lokführer durch die Lande, flogen als Piloten um die Welt oder befuhren als stolze Kapitäne alle Meere. Ausgewählte Beispiele aus vier Jahrzehnten Playmobil-Geschichte zeigen in der Ausstellung, wie sich „klassische“ Spielwelten im Lauf der Jahre verändert und zunehmend differenziert haben. In Gegenüberstellung mit historischem Spielzeug aus der Sammlung des Spielzeugmuseums wird deutlich, dass Playmobil die Spielzeugtradition der Aufstellfigur in moderner Gestaltung und immer stärkerer Vielfalt fortführt. Playmobil-Spielzeug wirkt dabei wie ein Spiegel aktueller Alltagswelten – und mittlerweile ein Spiegel der Alltagsgeschichte der vergangenen 40 Jahre.

In der Ausstellung werden exemplarisch gezeigt: Landleben, Wohnen,
Transport und Verkehr, Arbeiten, Einkaufen, Feste feiern, Tierwelten,
Urlaub, Wilder Westen, Piraten und Fantasiewelten.

Hintergrund:


Hans Beck (1929 – 2009), Mustermacher bei Horst Brandstätter, hatte
Anfang der 70er die Spielzeugidee entwickelt. Die ersten Figuren waren
Miniaturen von Bauarbeiter, Indianer und Ritter, kurz danach kamen die
ersten weiblichen Figuren sowie Kinder, Babies und Tiere hinzu. Wirtschaftlicher Hintergrund für diese bewusst kleinformatige Entwicklung war die Rohstoffverteuerung aufgrund der Ölkrise: Spielzeugfirmen, die große Spritzgussteile aus Kunststoff gefertigt hatten, waren aufgrund der Wirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten – auch geobra Brandstätter.
Das neu gestaltete, gezielt kleinformatig angelegte Spielzeug Playmobil
war zudem bewusst als erweiterbares Systemspielzeug angelegt. In kurzer
Zeit entwickelte geobra Brandstätter vielfältiges Zubehör: Die verschiedenen Teile sind untereinander frei zu kombinieren und stets erweiterbar. Sie eröffnen Kindern damit Zugang zu unterschiedlichen, differenziert gestalteten Spielwelten: Playmobil-Figuren thematisieren die alltägliche Gegenwart und Umwelt und machen sie für Kinder im Spiel begreifbar. Sie ermöglichen das Eintauchen in historische oder unbekannte und phantastische Welten.

Vor genau diesem Hintergrund erklärt sich die alters- und geschlechterunabhängige Begeisterung für die Playmobil-Miniaturwelten, denn Playmobil ist fester Bestandteil der heutigen Lebenswelt: 2,7 Milliarden produzierte Figuren gehören heute weltweit zu den Akteuren im populären Spiel. In vielen Ländern sind mittlerweile drei Generationen mit dem Spielsystem aufgewachsen. Diese gemeinsame Erfahrung schafft eine Vertrautheit, die immer eine wichtige Voraussetzung ist, damit ein Alltagsgegenstand Kultstatus erlangen kann. Nur was allgemein bekannt ist, kann aus seinem ursprünglichen Kontext – hier: dem kindlichen Spiel – herausgelöst werden und dann ganz anderen Zwecken dienen.

Dies gilt für Sammler, die sich auf der Basis und mit Hilfe von Playmobil ganz neue Welten erschaffen. Dies gilt ebenso für Künstler, die mit Playmobil beispielsweise Phänomene der Massengesellschaft thematisieren und sich dabei eines „Aha-Effekts“ angesichts bewusst eingesetzter Verfremdungen sicher sein können. Nicht zuletzt erobern sich die „Playmos“ heute unterschiedliche Kanäle sozialer Netzwerke und der digitalen Videofilmszene.
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