Mit der Nummer 110! Telefon-Ganoven zocken Rentner in ganz Franken ab

Skrupellose Verbrecher geben sich am Telefon als Polizisten aus. Foto: © Fotolia/Andrey Popov

NÜRBERG (mask) – Die Masche ist so hinterhältig wie erfolgreich: Skrupellose Verbrecher zocken gerade in allen größeren fränkischen Städten ahnungslose Menschen ab. Meist sind die Opfer Senioren. Die Beute geht inzwischen in Richtung einer Million Euro! Der MarktSpiegel erklärt die miesen Tricks der Täter – und was Sie dagegen tun können.

Wie arbeiten die Täter? Ernst Friedrich von der Kripo Nürnberg: ,,Die Geschädigten bekommen Anrufe von Callcentern, meist aus der Türkei. Die Täter lassen auf dem Display die Rufnummer 110 mit z.B. Erlanger oder Nürnberger Vorwahl (z.B. 09131/110 bzw. 0911/110) erscheinen, so dass die Angerufenen denken, die Polizei Erlangen wäre am Telefon."
In astreinem Hochdeutsch geben sich die Täter dann als Polizisten aus, kundschaften die Vermögensverhältnisse der späteren Opfer aus und fordern die Angerufenen auf, Schmuck und Bargeld in die vermeintliche sichere Verwahrung der Polizei zu geben. Oder Geld unter einem Vorwand zu überweisen. Oder es liege ein Haftbefehl vor und der Angerufene müsse eine Strafe zahlen.

Heuer schon 300 Prozent mehr Fälle!

Thomas Hörath, Leiter des Kriminalfachdezernats 2 beim Polizeipräsidiums Mittelfranken, schildert die Dimensionen der Abzocke: ,,Wir haben einen massiven Anstieg. Von etwas mehr als 100 Fällen im zweiten Halbjahr 2016 auf fast 500 Fälle im ersten Halbjahr 2017!" Beute von 2016 bis jetzt gesamt 730.000 Euro.
Wer sind die Opfer? Hörath: ,,Vor allem ältere Menschen. Die Täter suchen im Telefonverzeichnis gezielt nach Vornamen, bei denen zu vermuten ist, dass es sich um Senioren handelt."

Die Dreistigkeit der Täter ist unfassbar. Ernst Friedrich: ,,Ein Geschädigter bekam einen Anruf von den falschen Polizisten mit der 110, die ihn angeblich davor warnen wollten, dass bei ihm nachts um 3 Uhr ein Einbruch bevorstehe. Er solle sein Geld in der Altpapiertonne ,verstecken' und im Keller abwarten, bis die Einbrecher verhaftet seien." Tatsächlich haben die falschen Polizisten den Mann dann um einen fünfstelligen Eurobetrag erleichtert. Eine auf ähnliche Weise verängstigte ältere Frau erleichterten die Verbrecher um ihre gesamten Ersparnisse, die sie in einem Stoffbeutel außen an die Haustür gehängt hatte – immer im Glauben an die Richtigkeit ihres Tuns. Schließlich hatte die Polizei ihr dazu geraten. Nur dass die Polizisten falsch waren.

Thomas Hörath: ,,Wir erleben durch diese Täter auch einen schleichenden Vertrauensverlust in die echte Polizei. Daher gehen wir jetzt massiv damit an die Öffentlichkeit."

Was kann ich tun, wenn mich die 110 anruft?

Wilfried Kunze von der Seniorenprävention des Polizeipräsidiums: ,,Sofort auflegen! Ruhig bleiben, den Notruf wählen. Wichtig zu wissen: die 110 ist eine Einbahnstraße. Nur Sie können diese Nummer wählen, die echte 110 wird Sie aber nie anrufen."

Was tut die Polizei?
Sie hat eine achtköpfige Ermittlungskommission (,,EKO 110") eingerichtet, anhängig beim Kommissariat 27. Darüber hinaus bitten die Ermittler vor allem Familienmitglieder von älteren Menschen um Mithilfe. Hörath: ,,Bitte sprechen Sie Ihre Angehörigen auf das Phänomen an und klären Sie sie auf." Die ersten Täter sind der Kripo schon ins Netz gegangen. Oberstaatsanwältin Anita Traud: ,,Zwei Männer, 65 und 54 Jahre alt, sitzen seit wenigen Tagen in U-Haft. Sie waren als falsche Beamte unterwegs um 8500 Euro Beute bei einem gutgläubigen Opfer abzuholen."
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